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Die Schummeleien des Ian Kiru Karan Hamburger Politstar schönte seine Vita mehrfach

22.08.2010 ·  Er hatte ein „Leben wie im Märchen“ und soll nun Hamburgs Wirtschaftssenator werden: Als Waise in Sri Lanka aufgewachsen, machte Karan Millionen in Deutschland. Doch Märchen decken sich nicht immer mit der Wahrheit.

Von Hendrik Ankenbrand
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Es wäre die Krönung seiner Karriere: Am Mittwoch soll der parteilose Hamburger Multimillionär Ian Kiru Karan (71) zum Wirtschaftssenator der Hansestadt gewählt werden. Gemeinsam mit dem designierten Bürgermeister Christoph Ahlhaus soll Karan den Stadtstaat aus dem Chaos führen, in das Ole von Beust die Koalition aus CDU und Grünen, die in Hamburg GAL heißen, mit seiner überraschenden Rücktrittsankündigung gestürzt hatte.

Dass Ahlhaus den Geschäftsmann Karan, der seine Millionen mit dem Verleih von Schiffscontainern verdient hat, zum Senator machen will, hat die Hamburger Wirtschaft zumindest vor den Kameras und Mikrofonen begeistert aufgenommen. Ein Mann aus der maritimen Wirtschaft für die Stadt, deren Herz im Hafen schlägt - das passe, verlautete es aus Handelskammer und Reedereien. Mit der strahlenden Persönlichkeit des charismatischen Karan, der seit langem unzählige soziale Hilfsprojekte, Theater, Museen, die neue Elbphilharmonie und Spendenaktionen für Flutopfer äußerst spendabel unterstützt und sich dafür ausgiebig von der Hamburger Presse feiern lässt, falle etwas Glanz auf die Hamburger Politik und ihre Wirtschaft.

„Ein Leben wie im Märchen“

In der Tat liest sich die bisher bekannte Biographie des Aufsteigers spannend wie das Skript zu einem Hollywoodfilm. Er habe „ein Leben wie im Märchen“ hatte es in den zahlreichen Porträts von Karan geheißen: Geboren 1939 im heutigen Sri Lanka, der Vater ist Kampfpilot der britischen Royal Air Force und wird über Afrika von der deutschen Wehrmacht abgeschossen. Die Mutter ist bereits bei der Geburt verstorben, Karan wächst als Waise auf. In den sechziger Jahren, so will es die in den unzähligen Porträts immer wieder erzählte Legende, studiert er an der renommierten „London School of Economics“ (LSE) und fliegt sechs Monate vor Studienende ohne Abschluss von der Elite-Universität. Der angebliche Grund: Karan habe gegen den Vietnam-Krieg protestiert.

Der Wirtschaftssenator in spe scheint es mit der Wahrheit nicht immer so genau zu nehmen. Nun gibt er zu, dass nicht seine angeblich politisch linke Einstellung der Grund für den Rausschmiss gewesen sei. „Das stimmt nicht. Der wahre Grund waren meine hohen Fehlzeiten“, sagte Karan nun.

Zu viel mit den Medien „kokettiert“

Überhaupt decken sich Legende und Wahrheit nicht zu 100 Prozent. Lange bevor Karan Ende vergangenen Jahres im Hamburger Freihafen pompös seine Einbürgerung feierte, hatte der britische Staatsbürger erzählt, wer ihn überhaupt auf die Idee gebracht habe, Deutscher zu werden: Die Bundeskanzlerin höchstpersönlich. Nach einer Veranstaltung sei Angela Merkels Integrationsbeauftragte Maria Böhmer auf ihn zugekommen. „Sie sagte, dass Frau Merkel finde, ich solle mit gutem Beispiel vorangehen und endlich die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen. Es hat mich schwer beeindruckt, dass die Kanzlerin dies höchstpersönlich empfiehlt“, zitierte die „Bild“-Zeitung Karan. Böhmer erinnert sich daran heute anders: „Die Bundeskanzlerin hat Herrn Karan nicht gebeten, die Staatsbürgerschaft anzunehmen.“ Auch Karan gibt nun die unwahre Darstellung über die Einbürgerung zu: „Das ist falsch. Merkel hat mich niemals dazu aufgefordert.“ Er habe in der Vergangenheit zu viel mit den Medien „kokettiert“. Das bereue er.

Ebenfalls bereut Karan die Unterstützung für den Rechtspopulisten und früheren Hamburger Innensenator Ronald Schill, der es als „Richter Gnadenlos“ mit seiner neu gegründeten Partei auf Anhieb in die Regierungskoalition mit der CDU schaffte und später von Bürgermeister Beust entlassen wurde - Schill soll Beust gedroht haben, eine vermeintliche Affäre zwischen dem Bürgermeister und dem Justizsenator zu enthüllen. Auch Karans Unterstützung für Schill stellt sich nun größer heraus als bisher bekannt: Karan räumte ein, der Schill-Partei sowie ihrem Nachfolger „Partei Rechtsstaatliche Offensive“ insgesamt dreimal Geld gespendet zu haben, zuletzt im Jahr 2004. Insgesamt habe es sich um 44.500 Euro gehandelt.

570.000 Euro für die CDU

Schill sei „ein guter Kumpel“ gewesen, sagt Karan. Die Unterstützung des Populisten, die in Hamburger Wirtschaftskreisen als „politische Blindheit“ bezeichnet wird, begründet Karan mit seinem Verlangen nach gesellschaftlicher Akzeptanz. „Wenn Ausländer in Deutschland Straftaten begehen, haben Sie es als Dunkelhäutiger schwer, auch wenn Sie gesetzestreu sind“, so Karan. Vom Vorgehen Schills gegen kriminelle Ausländer habe er sich deshalb erhofft, von den elitären hanseatischen Machtzirkeln endlich anerkannt zu werden. Seine politische Heimat sei aber die CDU. Dieser hat Karan laut Bundestag über die Jahre hinweg 570.000 Euro gespendet.

Wirtschaftlich hat Karan über die Jahre mehrmals Rückschläge erlitten. Dreimal hätten seine Firmen „kurz vor dem Abgrund“ gestanden, sagte der Unternehmer. Er sei aber nie pleitegegangen.

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