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Die Porsches : Ein Clan, ein Imperium

Ferdinand Porsche mit seinen Enkelkindern Ferdinand Piëch (rechts) und Ferdinand Alexander Porsche Bild: obs

Die Familien Porsche und Piëch sind am Ziel: Volkswagen kommt unter ihre Kontrolle. Die Porsches bauen Europas größten Autokonzern. Ein Privatunternehmen mit 150 Milliarden Euro Umsatz.

          Der Plan klang tollkühn, wenn nicht größenwahnsinnig: Eine Familie kauft Europas größten Autohersteller. Porsche greift nach Volkswagen. Inzwischen kontrolliert der Stuttgarter Sportwagenbauer den fünfzehnmal größeren Konzern in Wolfsburg. Und das Publikum staunt noch immer, schon deshalb, weil die Geschichten in der Wirtschaft meist dem konträren Muster folgen: Pionier gründet Firma. Die wächst und wird irgendwann verkauft. Aus dem Familienunternehmen wird ein Konzern. So ist der gewöhnliche Lauf der Dinge.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun ist am Porsche-Clan nichts gewöhnlich. Die Familie hält es für die logischste Sache der Welt, dass aus dem VW-Konzern ihr Privateigentum wird. „Ohne Porsche kein Volkswagen“, so lautet der offizielle Anspruch der Sippe, die sich auf zwei Zweige, die Porsches und die Piëchs, verteilt: Ferdinand Porsche hat den VW-Käfer konstruiert. Sein Schwiegersohn Anton Piëch das erste Werk in Wolfsburg geleitet. Enkel Ferdinand Piëch gebärdet sich als VW-Vorstandsvorsitzender wie als Aufsichtsratschef wie der Alleinherrscher in Wolfsburg.

          Einheit von Volkswagen, Familie und Geld

          Trickreich, ruppig und bisweilen grausam hat der genialische Techniker sein großes Ziel verfolgt - die Einheit von Volkswagen, Familie und Geld. Die gehässigsten seiner Gegner unterstellen ihm gar, er habe den Konzern im Verbund mit den Gewerkschaften erst heruntergewirtschaftet, damit er für die Familie erschwinglich wurde. Die Rentabilität der VW-Werke war bis vor kurzem jedenfalls lausig, der Aktienkurs im Keller, die Kaufgelegenheit für den Clan günstig.

          Bild: F.A.Z.

          Jetzt, da Milliardär Piëch triumphiert, könnte er die Steigbügelhalter von der IG Metall, mit denen ihn nie wirklich etwas verband, wieder abschütteln. Die Möglichkeit dazu schafft er mit der Gründung der Porsche-Holding, einer Aktiengesellschaft nach europäischem Recht mit Sitz in Stuttgart. „Die europäische AG ist höchst mobil“, sagt der Hamburger Wirtschaftsprofessor Michael Adams. Die deutsche Mitbestimmung kann so ausgehebelt werden, der Sitz an einen steuerlich günstigeren Ort verlegt werden. Beides habe der Konzern nicht vor, schwören sie in Zuffenhausen. „Wer das behauptet, hat Porsche nicht verstanden.“

          100 Prozent an Porsche, 31 Prozent an VW

          Noch verfügt die Holding nicht mal über eine genaue Adresse, es gibt keine Büros und keine Angestellten. Groß wird der Apparat nicht werden, zehn bis zwanzig Finanzprofis genügen, um die Beteiligungen zu steuern: 100 Prozent an Porsche plus momentan 31 Prozent an Volkswagen. Den Chefposten übernimmt Wendelin Wiedeking, in Personalunion mit seinem bisherigen Job als Vorstandsvorsitzender beim Sportwagenbauer (ob der Spitzenverdiener unter Deutschlands Top-Managern sein Gehalt damit nochmals aufbessert, ist nicht zu erfahren).

          Vorsitzender des Aufsichtsrates wird nicht Ferdinand Piëch, das lassen die fein austarierten Machtverhältnisse im zweigeteilten Clan nicht zu: Solange ein Porsche lebt, muss ein Porsche an der Spitze von Porsche stehen.

          Wolfgang Porsche rückt an die Spitze

          Der mächtigste Porsche heißt im Moment mit Vornamen Wolfgang, ist Piëchs Cousin, lebt mit seiner Frau, einer Filmemacherin, in München (was ihm zu seinem Ärger manchen Eintrag in bunten Blättern beschert) und hat zu Beginn seines Berufslebens Yamaha-Motorräder nach Europa importiert. Dieser Wolfgang Porsche, ein gemütlich wirkender Herr Anfang 60, rückt jetzt an die Spitze von drei Aufsichtsräten: in der neuen Holding, der alten Sportwagen-AG sowie der Porsche-Handelsholding in Salzburg; dahinter verbirgt sich immerhin Europas größter Autohändler mit einem zweistelligen Milliardenumsatz. In anderthalb Dutzend Ländern verkaufen die Österreicher die Fahrzeuge der Familie: vom Polo bis zum Phaeton, vom Audi bis zum Bentley, vom Seat bis zum Skoda, vom Porsche bis zum Lamborghini. Und vielleicht führen sie bald auch noch Lastwagen.

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