Home
http://www.faz.net/-gqi-1696k
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Die Marke Apple An diesem Apfel misst sich die Welt

Alle Firmen wollen plötzlich werden wie Apple. Selbst deutsche Autohersteller glauben nicht mehr an ihr Produkt. Jetzt ist Steve Jobs ihr Gott. Er macht vor, wie man Produkte sexy werden lässt. Wie schafft er diese Faszination für ein Produkt?

© AP Vergrößern „Manager des Jahrzehnts”, und „globaler Cheftrendsetter”: Apple-Gründer Steve Jobs

Als die Jungs noch davon träumten, an Autos zu schrauben, in früheren Zeiten also, gab es für jedwedes Produkt kein höheres Lob als dieses: Dieses ist der Mercedes unter den Gurkenhobeln, jenes der Porsche unter den Rasenmähern.

Georg Meck Folgen:    

Nun laufen in Stuttgart immer noch tolle Autos vom Band, ihren Status als Kultobjekt aber büßen sie ein. Schmerzhaft erfährt Daimler-Chef Dieter Zetsche, dass sich die Jugend nicht mehr über PS und Hubraum definiert, sondern über Dinge, die ein Automanager traditionell als Elektrospielzeug verachtet hat. „Wenn ich jungen Leuten ein neues Modell zeige, fragen die zuerst: Passt da mein iPod rein, bin ich mit dem iPhone online?“, berichtet, einigermaßen fassungslos, ein BMW-Vorstand.

Mehr zum Thema

Die Prioritäten haben sich verschoben, Gegenwehr zwecklos: Nicht BMW und Daimler definieren den Lebensstil der nächsten Generation, sondern Marken wie Apple, die ehemalige Computer-Klitsche aus Kalifornien. Von der iPhone-Epoche tönt es in den Feuilletons bereits. Apple-Gründer Steve Jobs, „Manager des Jahrzehnts“ und als „iGod“ verehrt, wird zum „globalen Cheftrendsetter“ („Weltwoche“) ernannt. Selbst ausgewachsene Konzernchefs jenseits der IT-Branche antworten heute auf die Frage nach ihren Visionen: „Wir wollen es so machen wie Apple.“ Alle wollen sie so schick, so begehrt und auch so profitabel werden. Wenn etwa der Lego-Chef erklärt, wie er künftig mehr Bauklötze verkaufen will, greift er auf Apple zurück: Das solle zu ebenso einer Marke werden, „die die Menschen für unverzichtbar halten“.

Infografik / Apples Aufstieg (part 1) © F.A.Z. Vergrößern

Der Markenwert Apples liegt noch immer hinter Mercedes und BMW

Und wenn Metro-Chef Eckhard Cordes, immerhin einer der größten Händler der Welt, nach einer Strategie für morgen gefragt wird, zückt er sein iPhone. Die Automanager, verunsichert durch Krise und Ökodebatte, wünschen sich heute nur eines: dass ihre Produkte von der nachwachsenden Zielgruppe als auch nur annähernd so cool empfunden werden wie iPod oder iPhone.

So ist es kein Zufall, dass BMW sein Geheimlabor, wo nach dem Auto von morgen geforscht wird, „Project i“ getauft hat. Was passiert, wenn die letzte Stunde des Verbrennungsmotors schlägt? Fahren dann alle elektrisch? Und womit verdienen dann die bayerischen Motorenbauer ihr Geld? BMW werde zum Mobilitätsdienstleister, entgegnet Konzernchef Norbert Reithofer. Und da der bodenständige Bayer nicht zu wolkig klingen mag, verweist auch er auf das Vorbild Steve Jobs: „Apple hat es mit den Apps fürs iPhone vorgemacht: Man kann auch mit Diensten Geld verdienen, nicht nur mit dem Gerät.“ Will sagen: Notfalls überleben wir, auch wenn wir keine Autos mehr verkaufen. Wenn, ja, wenn wir ein bisschen so werden wie Apple.

Das Seltsame ist: Niemand wundert sich darüber, dass selbst ein stolzer Konzern wie BMW einer Nachwuchsfirma hinterherrennt, die vor 15 Jahren vor dem Ruin stand und bis heute gerade ein Drittel der BMW-Belegschaft beschäftigt. Als 1999 erstmals der Wert von Marken in Dollar und Cent ermittelt wurde, landete Apple abgeschlagen auf Platz 36 (ein Platz hinter AOL, das bereits vom Lauf der Geschichte verschluckt wurde). Inzwischen hat sich das Apfel-Logo auf Platz 20 hochgearbeitet, liegt damit aber noch immer hinter Mercedes und BMW. (Siehe Tabelle.)

Größter Musikeinzelhändler der Welt

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Neue Apple-Produkte Zur Revolution verdammt

Das iPhone 6, die erste Digitaluhr des Konzerns und ein neues Bezahlsystem: Kann Tim Cook damit aus dem Schatten von Steve Jobs treten? Mehr

09.09.2014, 22:27 Uhr | Wirtschaft
Unterschiedliche Reaktionen auf Apple-Präsentation

Während sich Marktforscher skeptisch zeigten, ob die neuen iPhones und die Apple Watch wirklich der große Wurf sind, geriet ein Style-Experte angesichts der High-Tech-Uhr ins Schwärmen. Mehr

10.09.2014, 13:11 Uhr | Wirtschaft
Apple-Aktie Und ewig lockt das Gewinnpotential

Apple-Fans weltweit sind vom neuen iPhone 6 und der Smartwatch begeistert. An der Börse wurde das Spektakel nüchtern aufgenommen. Der Aktienkurs gibt nach, doch das Papier ist im Hightech-Bereich nach wie vor eine Klasse für sich. Mehr

10.09.2014, 13:27 Uhr | Finanzen
Spannung vor Apple-Präsentation

Am Dienstag will der US-Konzern seine neuesten Produkte vorstellen. Experten rechnen mit einem größeren Display für das iPhone 6 und einer Apple-Smartwatch. Mehr

09.09.2014, 16:09 Uhr | Technik-Motor
Apple iPhone 6 und 6 Plus im Test Beim iPhone wird nicht gespart

Am Freitag kommen zwei neue iPhone-Modelle in die Geschäfte. Beide Geräte sind jenseits von Bauform und neuem Betriebssystem eine Evolution, keine Revolution. Das zeigt unser Test. Mehr

17.09.2014, 05:45 Uhr | Technik-Motor
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.04.2010, 10:14 Uhr

Paris braucht Druck

Von Christian Schubert, Paris

In Berlin wirbt Premierminister Valls um Verständnis dafür, dass Frankreich erneut von den europäischen Defizitzahlen abweicht. Er sollte diese Nachsicht nicht bekommen. Mehr 23 33


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Alibaba lässt Amazon und Ebay alt aussehen

Alibaba geht an die Börse. Die Erwartungen an den Internetriesen sind groß. Das ist nicht unberechtigt: Die Chinesen haben schon jetzt mehr aktive Nutzer und einen höheren Gewinn als Amazon und Ebay. Mehr Von Anne-Christin Sievers 2