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Die Geschichte von Fannie und Freddie Zwei alte Giganten

07.09.2008 ·  Die Hypothekenbanken Fannie und Freddie haben vielen Amerikanern den Traum vom eigenen Haus finanziert. Nun bekommen sie einen staatlichen Vormund. Den Grundstein für die beiden Institutionen hat Franklin D. Roosevelt im Rahmen seiner „New Deal“-Politik gelegt. Ein Blick in die Geschichte.

Von Lisa Nienhaus
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Präsident Franklin D. Roosevelt legt den Grundstein für zwei Institutionen, deren miserable Finanzlage heute ganz Amerika erschüttert: 70 Jahre später. Im Rahmen von Roosevelts "New Deal"-Politik wird 1938 die Federal National Mortgage Association gegründet, die erst als FNMA abgekürzt wird und später den Namen Fannie Mae erhält. Dabei sind Roosevelt und seine Mitstreiter von einer hehren Absicht getrieben. Nach der Großen Depression wollen sie den Verarmten wieder ins Leben helfen. Das heißt auch: ihnen wieder zu einem Haus verhelfen.

Für den Geschmack der Politiker geben die privaten Banken den Hausbauern nicht genug Kredite. Deshalb schaffen sie ein staatliches Gebilde, das die Kreditverträge der Banken und Hypothekenbanken aufkauft - und ihnen damit Geld gibt, um Kredite an weitere Menschen zu vergeben. Fannie Mae ist geboren. Das Unternehmen, das so wichtig für den amerikanischen Immobilienmarkt ist, tritt also gar nicht in Kontakt mit den Bauherren, sondern mit deren Banken - und sorgt durch Sicherheiten dafür, dass mehr Menschen Kredite bekommen.

1968 wurde Fannie Mae privatisiert

Fannie Mae beginnt ihre Karriere als staatliche Organisation. Das erleichtert ihr Geschäft erheblich. Denn sie hat Zugang zu Staatsgeld und kann sich dadurch deutlich günstiger refinanzieren als alle privaten Konkurrenten. Die Regierung begreift schnell, welch ein Juwel sie geschaffen hat. 1954 beginnt sie mit einer Teilprivatisierung. 1968 wird Fannie Mae in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und privatisiert. Die Regierung unter Präsident Lyndon Johnson braucht das Geld, um den Vietnam-Krieg zu finanzieren.

Doch Fannie Mae verliert ihren quasi-staatlichen Sonderstatus dadurch nicht. Sie wird von einem regierungseigenen zu einem regierungsgeförderten Unternehmen. Implizit gilt: Bei Schwierigkeiten springt der amerikanische Staat ein. Die guten Konditionen bleiben. Und Fannie Mae entwickelt ein einträgliches Geschäftsmodell. Sie finanziert den Kauf von Hypothekendarlehen dadurch, dass sie sie bündelt und weiterverkauft - als quasi-staatsgesicherte Darlehenspakete mit sicherer Rendite. Die Anleger greifen gerne zu.

Angst vor einem Monopol: 1970 wird Freddie Mac gegründet

Doch der Erfolg von Fannie Mae schürt Ängste vor einem übermächtigen Monopol. Deshalb erhält sie 1970 Konkurrenz durch ein zweites regierungsgefördertes Unternehmen: die Federal Home Loan Mortgage Corporation, genant Freddie Mac. Die große Schlacht zwischen den beiden bleibt aber aus. Stattdessen erobern sie gemeinsam den Markt - in wahnsinniger Geschwindigkeit. Während sie 1971 erst sechs Prozent aller amerikanischen Hypothekendarlehen halten oder garantieren, sind es heute mehr als 50 Prozent. Dabei nutzen sie geschickt die Differenz zwischen ihren niedrigen Kapitalkosten und dem hohen Ertrag, den die Hypotheken abwerfen (Alan Greenspan nennt das später "the big, fat gap": "die große, fette Kluft").

Fannie und Freddie schrauben ihre Gewinne in schwindelerregende Höhen. Und sie nutzen das Geld, um allen Politikern zu zeigen, wie unverzichtbar sie für Amerika sind. Mit sehr großzügigen Spenden an wichtige Abgeordnete und mit Stiftungen, von denen jede mehr als 20 Millionen Dollar für gemeinnützige Zwecke verteilt - pro Jahr. Auch für die Aktionäre bleibt genügend übrig. Sie lassen zu, dass Fannie Mae und Freddie Mac, die einst nur sehr gute Kredite garantieren durften, von 1991 an ihre Anforderungen senken.

Der Großteil der sehr schlecht besicherten Darlehen findet aber nicht seinen Weg in die Hände der zwei Giganten. Trotzdem bringt die Finanzkrise Fannie und Freddie ins Wanken. Denn die fallenden Hauspreise sorgen dafür, dass auch einst solvente Kreditnehmer ihre Raten nicht mehr zahlen können. Fannie Mae und Freddie Mac machen 2007 Milliardenverluste. Erste Banker unken, die Unternehmen seien bald zahlungsunfähig. Im Juli beschließt der Kongress, dass die Regierung handeln muss. "Too big to fail" lautet das Schlagwort - zu groß, um eine Pleite zu riskieren. Nach 70 Jahren sind Fannie und Freddie bald wohl wieder dort, wo sie herkamen: unter staatlicher Obhut.

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Jahrgang 1979, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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