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Die erfolgreichsten Remakes aller Zeiten : Hollywood macht's nach

  • -Aktualisiert am

„Verblendung 2011“ Im Remake spielen die Hauptrollen Daniel Craig und Rooney Mara. Bild: interTOPICS

Das Remake von Stieg Larssons „Verblendung“ kostet sieben Mal so viel wie das erfolgreiche Original des Films von 2009. Verkehrte Welt? Keineswegs. Denn das Kalkül geht auf. Hollywood setzt auf die Hebelwirkung von Stars.

          Wie kann das funktionieren? Ein Buch, das jeder kennt, wird für zig Millionen Dollar verfilmt - obwohl es schon eine taufrische, erfolgreiche Filmversion gibt. Seit zwei Wochen läuft „Verblendung“ im Kino, die amerikanische Verfilmung des ersten Buchs der Bestseller-Trilogie von Stieg Larsson. Dabei ist die schwedische Filmversion kaum zwei Jahre jung.

           In der amerikanischen Verfilmung von Stieg Larssons „Verblendung“ wurde auf 3D verzichtet. Ein Symptom der dreidimensional begründeten Kinoflaute? Bilderstrecke
          Remakes : Hollywood macht’s nach

          Trotzdem wird jetzt abermals auf der Leinwand gemordet, geschändet und Motorrad gefahren, von den gleichen tätowierten oder melancholischen Figuren, nach derselben Story mit demselben grauslichen Finale. Regisseur David Fincher hat sogar an denselben Schauplätzen gedreht wie sein Vorgänger Niels Arden Oplev - aber für die siebenfache Summe.

          Ein einziger Flop kann das Aus bedeuten

          Und nicht nur der Schweden-Thriller wird nachgedreht. Remakes sind für die amerikanischen Studios der Renner. Die Neufassungen sind selten künstlerisch wertvoller als das Original, sie sind auch fast nie billiger als eine neue Produktion. Wozu also das Ganze? Gehen der Traumfabrik Hollywood die Ideen aus?

          Weit gefehlt - die Produzenten sind kühle Rechner. In Zeiten riesiger Filmbudgets, in denen schon ein Flop genügt, um ein ganzes Studio ins Wanken zu bringen, ist Sicherheit statt Innovation gefragt. Also langweilt man lieber einen Teil des Publikums, ehe das ganze Publikum eine neue Produktion boykottiert. „Das Geschäft mit neuen Kinofilmen birgt ein hohes Maß an Unsicherheit“, sagt Thorsten Hennig-Thurau, Professor für Marketing an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der sich seit Jahren mit der Filmproduktion befasst. „Wegen dieser Unsicherheit setzen die Studiobosse auf Fortsetzungen, Literaturverfilmungen und eben Remakes“, sagt der Wissenschaftler.

          Amerikanische Klassiker hat Hollywood schon immer gern neu verfilmt: 2011 waren es „Conan der Barbar“, „Planet der Affen“ oder „Das Ding aus einer anderen Welt“. Dieses Jahr hat "Der große Gatsby" mit Leonardo di Caprio eine zweite Chance. "Aber amerikanische Studios stürzen sich auch immer mehr auf ausländische Filme, die sie aufwändig neu machen", sagt Nico Hofmann, einer der erfolgreichsten deutschen Produzenten.

          Hollywood hat etwa den deutschen Erfolgsfilm „Das Experiment“ amerikanisiert und den schwedischen Vampirfilm „Let the right one in“. Soeben hat sich ein Studio die Rechte an dem französischen Überraschungserfolg "Ziemlich beste Freunde" gesichert. Bald werde man auch Til-Schweiger-Streifen wie "Kokowääh" als Remakes sehen, erwartet Hofmann.

          „Auch deutsche TV-Produktionen sind in Hollywood begehrt“, weiß er. „Die Rechte werden für hohe Summen verkauft.“ Hofmann, dessen Ostpreußen-Drama „Die Flucht“ der erfolgreichste TV-Film von 2011 war, hat schon mit Bruce Willis über die Rechte an dem DDR-Fluchtdrama „Der Tunnel“ verhandelt. Der Vorteil europäischer Produktionen für die Studios: Sie können sofort neu gemacht werden, da wenige amerikanische Zuschauer sie kennen.

          „Remakes sind beliebt, weil der Erfolg eines Films nach all den Jahren noch immer eine Blackbox ist2, sagt Jason E. Squire, Autor des Standardwerks „The Movie Business Book“. „Es gibt im Filmgeschäft keine Erfolgsgaranten. Nur eine Handvoll Stars sind garantierte Kassenschlager." Die Ausnahme seien Harry-Potter-Filme, die Vampir-Saga Twilight und die Serie zum Herrn der Ringe - alles Literaturverfilmungen. „Die Bücher wirken wie ein Hebel, der den Erfolg eines Films verstärkt“, sagt Jason E. Squire. Der bekannte Name des Buchs schiebt den Film an.

          Sicherheit ist den Studios auch deshalb so wichtig, weil viele börsennotiert sind. Ein einziger Flop kann den Kurs in den Keller schicken. Die Rechnung der getriebenen Studio-Bosse ist einfach: Lieber einen Erfolgsfilm fortsetzen als einen neuen machen. Lieber einen Bestseller oder Comic mit großer Fangemeinde verfilmen als das gute Drehbuch eines talentierten Filmstudenten. Lieber das Remake eines europäischen Films, der auf kleinerem Spielfeld bewiesen hat, dass er funktioniert. Die bekannte Story peppen die Studios eben mit größeren Stars und opulenteren Bildern auf.

          Eine sichere Bank

          „Verblendung“ muss den Studiobossen bombensicher erscheinen: Die Buch-Trilogie ist ein weltweiter Bestseller mit Millionen verkauften Exemplaren. In den Vereinigten Staaten hielt sich der erste Band von Stieg Larsson über 139 Wochen oben in den Buch-Charts.

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