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Die deutsche „Warenhaus AG“ Die Idee gewinnt an Charme

02.11.2011 ·  Eine Konsolidierung der Branche gilt als überfällig. Hertie und Horten sind schon weg. Immer wieder macht nun die Idee von der „Deutschen Warenhaus AG“ die Runde.

Von Christine Scharrenbroch, Düsseldorf
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Das Warenhaus als Geschäftsmodell hat es in Deutschland schwer. Schon mehrfach - zuletzt aus Anlass der Karstadt-Pleite im Jahr 2009 - wurde sein Ende ausgerufen. Nur mit geringeren Kapazitäten und besseren Konzepten halten Fachleute es im hart umkämpften deutschen Einzelhandel auf Dauer für überlebensfähig. Mit ihrer mehr als 150 Jahre alten Tradition gelten die Warenhäuser als die Dinosaurier der Branche. Der Strukturwandel ist drastisch: Hatten die Kaufhausfilialen in den siebziger Jahren noch einen Anteil von 15 Prozent des Einzelhandelsumsatzes, sind es heute noch 3 Prozent. Ein traditioneller Name nach dem anderen ist in den vergangenen Jahren untergegangen. Von dem einst starken Quartett Kaufhof, Karstadt, Hertie und Horten sind nur die beiden erstgenannten übrig. Die Zahl der einst 400 Warenhaus-Standorte hat sich in dieser Zeit annähernd halbiert.

Ein wichtiger Schritt

Die zur Metro-Gruppe gehörende Galeria Kaufhof aus Köln ist mit 125 Standorten in 80 Städten der größte deutsche Warenhausbetreiber vor Karstadt und steht seit Jahren bei der Metro auf der Verkaufsliste. Den Grundstein für den Kaufhof legte einst der junge Kaufmann Leonhard Tietz, als er 1879 ein kleines Textilgeschäft in Stralsund eröffnete. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Wandel vom regionalen Kaufhaus zum deutschlandweiten Warenhausunternehmen vollzogen. Ein wichtiger Schritt war 1994 die Übernahme der Mehrheit an Horten.

Auch durch die Schließung unrentabler Filialen ist es Kaufhof-Chef Lovro Mandac in den vergangenen Jahren gelungen, Kaufhof von einem ertragsschwachen Unternehmen in einen Anbieter zu verwandeln, der die Kapitalkosten verdient. Im Jahr 2010 hat Galeria Kaufhof (19 200 Mitarbeiter) 3,5 Milliarden Euro umgesetzt. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern belief sich auf 138 Millionen Euro. In der ersten Jahreshälfte 2011 wurden 17 Filialen renoviert. Vier Standorte sollen im kommenden Jahr mit dem Auslaufen der Mietverträge geschlossen werden.

Der Platzhirsch

Kaufhof-Chef Lovro Mandac hat sich deutliche Änderungen im Sortiment vorgenommen. Das Angebot an Textilien und Outdoorartikeln soll gestärkt werden. Der Textilanteil soll von 48 auf mehr als 50 Prozent erhöht und im Niveau gehoben werden. Die Kunden erwarteten eine große Auswahl an Textilien, sagt Mandac. Für unerlässlich im Sortiment hält er Heimtextilien, Kosmetik, Schreibwaren, hochwertige Lebensmittel und Spielwaren. Kaufhof soll sich mit dem jeweiligen Platzhirsch am Ort messen.

Mandac gilt als großer Befürworter einer "Deutschen Warenhaus AG", die einst der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ins Spiel gebracht hatte und die im Zuge der Karstadt-Schieflage vom scheidenden Metro-Chef Eckhard Cordes aufgewärmt wurde. Immer wieder wird seitdem über die Möglichkeit einer Fusion von Kaufhof und Karstadt spekuliert. Kämen die Warenhausriesen unter ein gemeinsames Dach, könnte auf eine der beiden teuren Unternehmenszentralen verzichtet werden. Mit der unweigerlichen Schließung von einigen Dutzend unrentablen Häusern würden zudem Überkapazitäten beseitigt. Mit der Warenhausallianz könnte darüber hinaus der Weg für Zusammenschlüsse auf europäischer Ebene geebnet werden, die auch der internationale Kaufhausinvestor Maurizio Borletti immer wieder ins Spiel zu bringen versucht. Mit einer Konsolidierung des Warenhausmarkts in Europa, nicht nur in Deutschland, ist laut Kaufhof-Chef Mandac früher oder später zu rechnen.

Nicht nur auf den Schwierigkeiten des Geschäftsmodells beruhte die Insolvenz von Karstadt, mit 115 Standorten der zweite große Anbieter. In den Ruin hat das Unternehmen jahrelanges Missmanagement getrieben. Während in defizitären Edelkaufhäusern viel Geld verbrannt wurde, blutete das Gros der Filialen aus. Nach der Übernahme durch den Milliardär Nicolas Berggruen 2010 will Karstadt-Chef Andrew Jennings die Kette sanieren, ohne Filialen zu schließen. Die Standorte sollen modernisiert, die Sortimente überarbeitet und die Struktur gestrafft werden. Vorgesehen ist die Aufteilung in die drei Säulen Premiumhäuser, Karstadt Sport und Warenhäuser. Für 2011 hat Jennings steigende Umsätze in Aussicht gestellt. Zahlen zu Umsatz und Ertrag gibt Karstadt als nicht an der Börse notiertes Unternehmen nicht bekannt.

Auf Kosten der Warenhäuser haben sich in den vergangenen Jahren vor allem vertikale Filialisten wie Esprit, Zara und H&M dynamisch entwickelt. Sie steuern den gesamten Prozess vom Design über die Produktion bis hin zur Ladentheke selber. Auch das deutsche Modeunternehmen Gerry Weber beschreitet erfolgreich diesen Weg. Profiteure sind zudem Discounter wie Kik oder die Aldi-Gruppe, inzwischen einer der größten Textilhändler Deutschlands.

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Jahrgang 1970, freie Autorin im Wirtschaftsteil.

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