Herr Appel, Ihr amerikanischer Wettbewerber UPS ist mit der Übernahme des niederländischen Konkurrenten TNT Express gescheitert. Was bedeutet das für die Post?
Für uns ist die Entwicklung sicherlich positiv. Denn TNT ist jetzt erst einmal weiterhin vor allem mit sich selbst beschäftigt. Wir wissen aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, wenn sich die Aufmerksamkeit des Managements vor allem um die internen Hausaufgaben dreht. Erst nachdem wir uns vom inneramerikanischen Express-Geschäft getrennt hatten, konnten wir uns wieder vernünftig auf unsere Kunden und das laufende Geschäft konzentrieren. Die Folge: Unsere Servicequalität hat sich seither deutlich verbessert.
Wie geht es weiter auf dem Markt? Kommen jetzt Wettbewerber zum Zuge oder kann TNT allein weitermachen?
An solchen Spekulationen beteilige ich mich nicht. Fakt ist aber, dass TNT ohne weiteres dazu in der Lage sein sollte, ohne einen Partner weiterzuarbeiten. Und darüber hinaus steht fest, dass wir nicht für TNT bieten werden. Wenn die Europäische Kommission schon den Zusammenschluss mit UPS nicht genehmigt, braucht daran niemand einen Gedanken zu verschwenden. Wir wollen stattdessen das, was wir tun, noch besser machen und unseren Kunden das Leben weiter erleichtern. Wir haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.
Besser als in der Vergangenheit läuft in jedem Fall Ihr Paketgeschäft. Wird der Boom, der Ihnen der Onlinehandel dort beschert, so weitergehen?
Wir werden dort in den kommenden Jahren nicht weiterhin mit prozentual zweistelligen Wachstumsraten zulegen können. Aber wir erwarten durchaus ein jährliches Wachstum des Paketmarktes von 5 bis 7 Prozent. Und das ist schon sehr viel mehr als das erwartete Wachstum der Wirtschaft insgesamt. Davon werden wir als Marktführer mit unseren intelligenten, innovativen und vor allem kundenfreundlichen Dienstleistungen besonders stark profitieren.
Auf welchen Gebieten ist denn vor allem weiteres Wachstum zu erwarten?
Zum Beispiel im Lebensmittelhandel über das Internet. Die Briten decken schon rund 5 Prozent ihres Tagesbedarfs über Onlinebestellungen ab. Davon sind wir in Deutschland noch sehr weit entfernt - aber warum sollte es sich hier nicht auch in diese Richtung entwickeln?
Gibt es auch Gebiete, auf denen Deutschland in diesem Geschäft vorn ist?
Das lässt sich bestimmt von unseren Packstationen sagen. Ich habe immer gesagt, dass wir in dieses Thema investieren müssen. Jetzt werden die Stationen so gut angenommen, dass die Amerikaner das Thema entdeckt haben. Amazon investiert auf dem Heimatmarkt jetzt in Automaten für die Paketabholung und Google auch.
Amazon ist ein wichtiger Kunde von Ihnen, mit einigen neuen Angeboten wird Ihr Konzern aber auch zu einem Konkurrenten. Ist das ein Problem?
Nein. Unsere Angebote sind eine Ergänzung auf einem sehr schnell wachsenden Markt. Das gilt beispielsweise für kleine und mittelgroße Unternehmen, denen wir mit Meinpaket.de dabei helfen, im Onlinehandel präsent zu sein Oder auch für den Online-Supermarkt Allyouneed, an dem wir mehrheitlich beteiligt sind. Hier kann der Kunde über das Internet Lebensmittel und andere Produkte des täglichen Bedarfs kaufen. Da ist auf jeden Fall Platz für weitere solcher Angebote, ohne dass man sich gegenseitig schadet.
Ist diese stürmische Entwicklung im Onlinehandel nicht eine sehr schlechte Nachricht für den klassischen stationären Einzelhandel?
Es ist ja nicht so, dass diese Händler die neue Technik nicht auch zu ihrem Vorteil einsetzen könnten. Dabei wollen wir auch gerne helfen. Man könnte den Kunden als Händler doch zum Beispiel anbieten, Produkte, die sie im Laden gekauft haben, noch am selben Tag an die eigene Haustür liefern zu lassen. Das könnte zudem den Vorteil haben, dass Ware, die im Laden vielleicht schon gar nicht mehr verfügbar ist, von weiteren Kunden gekauft und dann eben aus dem Lager geliefert werden kann.
Geht die Internetbegeisterung der Deutschen Post so weit, dass Sie sich vorstellen könnten, ein Auge auf die Scout-Gruppe zu werfen?
Anders als bei TNT, wo eine Übernahme durch uns rein rechtlich nicht möglich ist, sage ich hier, was wir in solchen Fällen immer sagen: Kein Kommentar.
Bei aller Begeisterung über die Fortschritte im Onlinehandel muss man natürlich auch feststellen, dass die Post in dieser neuen Welt nicht immer erfolgreich ist: Ihr Produkt E-Postbrief entwickelt sich sehr schleppend. Das Unterfangen gleicht einem Marathon. Läuft die Post dabei bald gegen die berühmte „Wand“ bei Kilometer 30?
Wir haben einen sehr langen Atem. Ich bin davon überzeugt, dass es im Internet einen Bedarf für eine vertrauenswürdige Kommunikation geben wird. Manchmal brauchen Dinge eben länger als man es erwartet. Als die Deutsche Post an die Börse gegangen ist, haben alle gedacht, dass das Paketgeschäft zu einer ganz großen Wachstumsgeschichte wird. Tatsächlich ist viel Zeit vergangen, bis diese Vermutung Wahrheit geworden ist, denn es ist erst seit zwei Jahren so weit.
Und das heißt für den E-Postbrief?
Dass wir weiter an der Leistungsfähigkeit unserer technischen Plattform arbeiten, und dass wir mit weiteren, neuen Angeboten versuchen werden, die Kunden vom E-Postbrief zu überzeugen. Die Zeit wird kommen, dass die Menschen im Internet ausschließlich hundertprozentig verlässliche Angebote einfordern. Dann sind wir da, haben unsere Erfahrungen gesammelt. Im Übrigen ist das Risiko sehr begrenzt, denn wir müssten bei fehlendem Erfolg lediglich eine Abschreibung vornehmen. Aber dieser Fall wird nicht eintreten.
So oder so ist Ihre Briefsparte inzwischen zu einem Sammelsurium aus Briefen, Paketgeschäft, Reklame mit Werbebriefen und Online-Werbung geworden. Jetzt gibt es zudem den schon erwähnten Online-Handel über Allyouneed.com. Wird hier mit Gewalt versucht, das Schrumpfen des Traditionsgeschäfts zu verschleiern?
Also, zu verschleiern gibt es bei uns wirklich nichts! Wir sagen Jahr für Jahr, wie sich das Aufkommen in unserem traditionellen Briefgeschäft entwickelt. Und der Regulierer weiß auch ganz genau, wie sich die Profitabilität der einzelnen Teile unseres Briefbereichs entwickelt. Dem Aktionär wiederum wäre mit einer weiteren Aufteilung auch nicht gedient, vielmehr profitiert er von der Verbundzustellung die sich in der Zusammenfassung dieser Produkte in der Briefsparte ausdrückt.
Das Bundeswirtschaftsministerium will die Post stärker an die Kandare nehmen und durch die Reform des Postgesetzes eine Vorab-Kontrolle von Großkundenpreisen einführen. Gleichzeitig ermittelt das Bundeskartellamt wegen Dumping-Verdacht gegen die Post: Wettbewerber haben sich über Quersubventionierung und versteckte Rabatte im Geschäftskundenbereich beklagt. Was sagen Sie dazu?
Die Bundesnetzagentur hat alle Instrumente, um den Wettbewerb auf dem deutschen Postmarkt zu gewährleisten. Wir brauchen deshalb keine Verschärfung des Postgesetzes. Warum sollte eine Vorab-Kontrolle dieser Preise eingeführt werden? Und was das Kartellamt betrifft: Im Geschäftskundensegment bedienen wir schon heute nur noch weniger als zwei Drittel des Marktes. Das heißt, wir haben schon erhebliche Marktanteile abgegeben. Die Preise hat die Netzagentur gerade nochmals geprüft. Eine Bundesbehörde bemängelt nun also etwas, was eine andere längst abgesegnet hat. Wir halten stets alle Vorgaben ein.
Die Forderungen nach einer Portoerhöhung wurden ja erfüllt. Wie steht es nun um die übrigen Anliegen im Bereich des Universaldienstes: also zum Beispiel um die Verpflichtung zur Sechs-Tage-Zustellung? Will die Post immer noch einen Zustelltag streichen?
Anders als noch vor ein paar Jahren haben wir aktuell keinen Grund hierüber nachzudenken. Inzwischen werden die Volumina, die durch das langsam abschmelzende Briefgeschäft wegfallen, unter anderem über das Wachstum durch den Versand von Waren aus dem Onlinehandel ausgeglichen.
Auch im Filial- und Briefkastennetz gibt es keine weiteren Einschnitte?
Nein, auch da bleibt es bei der jetzigen Struktur.
Sind Sie auch schon amtsmüde, so wie René Obermann von der Telekom?
Ist Herr Obermann amtsmüde? Ich bin es jedenfalls ganz und gar nicht. Wir sind auf einem guten Weg und es gibt noch viel zu tun.
Nachdem das Finanzministerium seine Vorbehalte aufgegeben hat, will die Bundesregierung die Reform des Postgesetzes zügig vorantreiben. Noch im Februar soll das Kabinett darüber beschließen und die Novelle in den Bundestag einbringen, hieß es nach einem Treffen der Koalitionsspitzen. Ziel ist es, das Großkundengeschäft einer schärferen Kontrolle durch die Bundesnetzagentur zu unterwerfen. Unter anderem soll die Behörde Verträge vorab auf mögliches Preisdumping prüfen. Die Chancen dafür stehen schlecht: Die SPD-geführten Länder haben schon Widerstand im Bundesrat angekündigt.
bü.
@Sturm
Wolfgang Schulz (schulz99)
- 02.02.2013, 14:47 Uhr
.... Das muss ich noch loswerden . Erfahrungen mit DHL im Schadensfall .
BÜROKRATIE PUR !
Sebastian Sodbrenner (Sodbrenner)
- 02.02.2013, 14:17 Uhr
Filialnetz?
Michael Arndt (Mikel1962)
- 02.02.2013, 13:02 Uhr
schöne neue Welt
Wolfgang Schulz (schulz99)
- 02.02.2013, 12:16 Uhr
... wann wachen die Schlafmützen von DHL auf, und lernen vom
Hermes-Versand ?
Sebastian Sodbrenner (Sodbrenner)
- 02.02.2013, 08:26 Uhr
