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Veröffentlicht: 01.02.2013, 16:09 Uhr

DHL-Vorsitzender Frank Appel „Im Filialnetz gibt es keine weiteren Einschnitte“

Die Deutsche Post DHL profitiert von einem stark wachsenden Onlinehandel und den zugehörigen Paketen. Das lastet die Infrastruktur gut aus; auch beim Samstag als Zustelltag bleibt es.

© Kai Nedden Frank Appel ist ganz und gar nicht amtsmüde

Herr Appel, Ihr amerikanischer Wettbewerber UPS ist mit der Übernahme des niederländischen Konkurrenten TNT Express gescheitert. Was bedeutet das für die Post?

Für uns ist die Entwicklung sicherlich positiv. Denn TNT ist jetzt erst einmal weiterhin vor allem mit sich selbst beschäftigt. Wir wissen aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, wenn sich die Aufmerksamkeit des Managements vor allem um die internen Hausaufgaben dreht. Erst nachdem wir uns vom inneramerikanischen Express-Geschäft getrennt hatten, konnten wir uns wieder vernünftig auf unsere Kunden und das laufende Geschäft konzentrieren. Die Folge: Unsere Servicequalität hat sich seither deutlich verbessert.

Wie geht es weiter auf dem Markt? Kommen jetzt Wettbewerber zum Zuge oder kann TNT allein weitermachen?

An solchen Spekulationen beteilige ich mich nicht. Fakt ist aber, dass TNT ohne weiteres dazu in der Lage sein sollte, ohne einen Partner weiterzuarbeiten. Und darüber hinaus steht fest, dass wir nicht für TNT bieten werden. Wenn die Europäische Kommission schon den Zusammenschluss mit UPS nicht genehmigt, braucht daran niemand einen Gedanken zu verschwenden. Wir wollen stattdessen das, was wir tun, noch besser machen und unseren Kunden das Leben weiter erleichtern. Wir haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.

Besser als in der Vergangenheit läuft in jedem Fall Ihr Paketgeschäft. Wird der Boom, der Ihnen der Onlinehandel dort beschert, so weitergehen?

Wir werden dort in den kommenden Jahren nicht weiterhin mit prozentual zweistelligen Wachstumsraten zulegen können. Aber wir erwarten durchaus ein jährliches Wachstum des Paketmarktes von 5 bis 7 Prozent. Und das ist schon sehr viel mehr als das erwartete Wachstum der Wirtschaft insgesamt. Davon werden wir als Marktführer mit unseren intelligenten, innovativen und vor allem kundenfreundlichen Dienstleistungen besonders stark profitieren.

Auf welchen Gebieten ist denn vor allem weiteres Wachstum zu erwarten?

Zum Beispiel im Lebensmittelhandel über das Internet. Die Briten decken schon rund 5 Prozent ihres Tagesbedarfs über Onlinebestellungen ab. Davon sind wir in Deutschland noch sehr weit entfernt - aber warum sollte es sich hier nicht auch in diese Richtung entwickeln?

Gibt es auch Gebiete, auf denen Deutschland in diesem Geschäft vorn ist?

Das lässt sich bestimmt von unseren Packstationen sagen. Ich habe immer gesagt, dass wir in dieses Thema investieren müssen. Jetzt werden die Stationen so gut angenommen, dass die Amerikaner das Thema entdeckt haben. Amazon investiert auf dem Heimatmarkt jetzt in Automaten für die Paketabholung und Google auch.

Amazon ist ein wichtiger Kunde von Ihnen, mit einigen neuen Angeboten wird Ihr Konzern aber auch zu einem Konkurrenten. Ist das ein Problem?

Nein. Unsere Angebote sind eine Ergänzung auf einem sehr schnell wachsenden Markt. Das gilt beispielsweise für kleine und mittelgroße Unternehmen, denen wir mit Meinpaket.de dabei helfen, im Onlinehandel präsent zu sein Oder auch für den Online-Supermarkt Allyouneed, an dem wir mehrheitlich beteiligt sind. Hier kann der Kunde über das Internet Lebensmittel und andere Produkte des täglichen Bedarfs kaufen. Da ist auf jeden Fall Platz für weitere solcher Angebote, ohne dass man sich gegenseitig schadet.

Ist diese stürmische Entwicklung im Onlinehandel nicht eine sehr schlechte Nachricht für den klassischen stationären Einzelhandel?

Es ist ja nicht so, dass diese Händler die neue Technik nicht auch zu ihrem Vorteil einsetzen könnten. Dabei wollen wir auch gerne helfen. Man könnte den Kunden als Händler doch zum Beispiel anbieten, Produkte, die sie im Laden gekauft haben, noch am selben Tag an die eigene Haustür liefern zu lassen. Das könnte zudem den Vorteil haben, dass Ware, die im Laden vielleicht schon gar nicht mehr verfügbar ist, von weiteren Kunden gekauft und dann eben aus dem Lager geliefert werden kann.

Geht die Internetbegeisterung der Deutschen Post so weit, dass Sie sich vorstellen könnten, ein Auge auf die Scout-Gruppe zu werfen?

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