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Asylbewerber bringen Geld : Die Flüchtlingsindustrie

Wohnungen und Aufträge stapeln sich: An den Flüchtlingen wie hier in Berlin verdienen die Hersteller von Wohncontainern genauso wie... Bild: action press

Deutschland ist für Flüchtlinge das Land der Träume. Und für viele Deutsche sind Flüchtlinge eine traumhafte Einnahmequelle. Einblicke in ein Milliardengeschäft.

          Wenn das Hotel Anna jemals so gestrahlt hat wie die edel aussehende Internetseite, auf der das Hotel angepriesen wird, dann müssen diese Zeiten lange her sein. Die graue Fassade macht einen tristen Eindruck, blass weht vor dem Eingang eine Deutschlandfahne. Das Ambiente ist wenig einladend: Nebenan gibt es einen Lidl-Supermarkt, auf der Straßenseite gegenüber verkauft ein Großhändler Handyzubehör. Kann man hier im Frankfurter Stadtteil Griesheim heutzutage erfolgreich ein Zwei-Sterne-Hotel betreiben, in dem ein Doppelzimmer zu Messezeiten 139 Euro kostet (ohne Frühstück)? Besonders einfach scheint es nicht zu sein. „Es gibt ja viele Hotels direkt in Frankfurt, und wir liegen etwas außerhalb“, sagt die Frau, die sich am Telefon als Hoteldirektorin vorstellt und ihren Namen unter keinen Umständen in der Zeitung lesen will.

          Brigitte  Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Besonders besorgt klingt die Frau dennoch nicht: Seit etwa einem Jahr muss man sich in dem Hotel über die Gästezahlen viel weniger Gedanken machen. Denn das neue Geschäftsmodell funktioniert anders. 89 Asylbewerber sind in dem Hotel derzeit untergebracht, zudem knapp 80 Menschen, die zuvor keinen festen Wohnsitz oder keine Wohnung hatten. Ein guter Teil der Zimmer ist jetzt dauerhaft belegt, die Rechnung zahlt die Stadt. Für einen Hotelier muss das ein Traum sein, selbst wenn der Preis niedriger ist als die übliche Übernachtungsgebühr. Der normale Hotelbetrieb läuft weiter, betont die Direktorin. Man habe sogar einen zusätzlichen Hausmeister eingestellt. „Bei uns ist alles sauber, alles ruhig“, sagt die Frau, die verhindern will, dass das Hotel Anna nur noch als Flüchtlingsunterkunft wahrgenommen wird.

          Wie viel Geld die Stadt je Flüchtling überweist, wollen weder das Frankfurter Sozialdezernat noch die Hoteldirektorin verraten. Der Preis ist Verhandlungssache und wird nicht öffentlich gemacht. Anderswo ist man weniger schweigsam. Ein Mann, der in zwei unterfränkischen Orten 35 Asylbewerber aus Pakistan, Syrien und Iran in seinen Pensionen einquartiert hat, lässt durchblicken, dass 25 Euro je Nacht und Flüchtling in seinem Fall ein realistischer Preis sind. Bei 35 Asylbewerbern und ganzjähriger Belegung würde die Pauschale so fast 320.000 Euro im Jahr in die Kasse spülen.

          Dem Pensionsbetreiber, einem bodenständig wirkenden Typ, nimmt man ab, dass ihm das Schicksal seiner bedürftigen Gäste nicht egal ist. Er macht aber auch keinen Hehl daraus, dass sich die Sache lohnt: „Natürlich haben auch finanzielle Erwägungen eine Rolle gespielt. Vorher war die Auslastung nicht so hoch wie heute.“ Auch wenn 25 Euro je Nacht eher ein vergleichsweise hoher Wert sind – auch bei einer etwas geringeren Pauschale kann sich das Geschäft lohnen.

          Einnahmequelle Flüchtlinge: lange Liste an Profiteuren

          Das Hotel und die Pension sind nur zwei Beispiele für Dutzende Hotels im ganzen Land, die Flüchtlinge als Einnahmequelle entdeckt haben. Etwa 5,6 Milliarden Euro kostet die Versorgung der erwarteten 450.000 Asylbewerber in diesem Jahr, schätzen die Bundesländer. Zentrale Statistiken, die zeigen, wohin das Geld fließt, existieren nicht. „Es ist völlig unübersichtlich, wofür das Geld ausgegeben wird, da wissen wir kaum etwas“, kritisiert Bernd Mesovic, der stellvertretende Geschäftsführer der Organisation Pro Asyl.

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