Home
http://www.faz.net/-gqe-xssj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Deutsche Großunternehmen auf Einkaufstour Die Dax-Konzerne greifen wieder an

Deutsche Großunternehmen sichern sich durch strategische Übernahmen Marktpositionen auf der Welt. Das ist das Fazit des Übernahmejahres 2010. Zwar ist die Zahl der Übernahmen nach der Krise nur leicht gestiegen - der Wert legt aber deutlich von 79 auf 106 Milliarden Euro zu.

© F.A.Z.

Deutsche Großunternehmen nutzen die Krise, um ihre internationale Stellung durch Übernahmen zu festigen. Trotz der Euro-Schwäche greifen viele deutsche Unternehmen in diesen Monaten gerade auch in Nordamerika an. Das ist nach Aussage von Axel Gollnick, geschäftsführender Partner der Kronberger M & A International GmbH, eine der Haupttendenzen des Übernahmejahres 2010. Dabei gehen die deutschen Dax-Konzerne nach seiner Ansicht außerordentlich geschickt vor, fast lautlos. Während der Übernahmeversuch des spanischen Bau- und Dienstleistungskonzerns ACS bei dem Essener Baukonzern Hochtief international hohe Wellen schlägt und aus Angriff, Abwehr, Reaktion und Gegenreaktion besteht, haben Merck, SAP und die Deutsche Bahn im Ausland börsennotierte Gesellschaften mit Zustimmung des jeweiligen Managements zügig erworben. Nimmt man andere Übernahmen im Ausland durch Dax-30-Unternehmen hinzu (Deutsche Bank, Kali + Salz, Münchener Rück, Volkswagen), zeigt sich ganz deutlich, dass deutsche Großunternehmen quer durch alle Branchen im Ausland auf Einkaufstour sind.

Georg Giersberg Folgen:

Die Merck KGaA hatte Ende Februar allen ausstehenden Aktionären des amerikanischen Life-Science-Unternehmens Millipore Corporation, Billerica (Massachusetts), ein Übernahmeangebot unterbreitet, das die Zustimmung des Managements wie auch der Aktionäre fand. Am 15. Juli konnte die 5,2 Milliarden Euro teure Übernahme abgeschlossen werden. Die Aktien der neuen Tochtergesellschaft werden von der Börse genommen.

Mehr zum Thema

Der Kauf der englischen Arriva

Ähnlich ist auch das Softwareunternehmen SAP vorgegangen. Über die amerikanische Tochtergesellschaft Sheffield hat das Walldorfer Unternehmen den kalifornischen Datenbankspezialisten Sybase Inc. für 4,6 Milliarden Euro erworben. Auch dessen Aktien wird es bald nicht mehr an der Börse geben.

Infografik / Unternehmensübernahmen mit deutscher Beteiligung / Kaufpreis © F.A.Z. Vergrößern

In die gleiche Kategorie – deutscher Konzern rundet internationale Marktposition durch Übernahme im Ausland ab – gehört auch der Kauf der englischen Arriva durch die Deutsche Bahn. Auch dieses Geschäft, das die Bahn 2,8 Milliarden Euro kostete, ist abgeschlossen. Kartellamtsauflagen wie der Verkauf der Arriva Deutschland-Gruppe an ein Konsortium aus der italienischen Staatsbahn Ferrovie dello Stato (mit ihrer Personenverkehrssparte Trenitalia) und dem Finanzinvestor Cube hat der Vorstand bereits zugestimmt. Damit können die Italiener in Deutschland Regionalzüge fahren. Dem Vernehmen nach zahlt Trenitalia nach Abzug von Verbindlichkeiten netto 170 Millionen Euro. Für die Bahn war die Arriva-Übernahme der zweite große Abschluss in diesem Jahr. Im Frühjahr hatte die DB Schenker Rail, eine Tochtergesellschaft der Bahn, ihren Anteil an der italienischen Güterbahn Nordcargo von 49 auf 60 Prozent aufgestockt. Einschließlich der DB Schenker Rail Italia ist die Deutsche Bahn jetzt der zweitgrößte Güterbahnbetreiber Italiens. Im Vorjahr hatte man den polnischen Güterbahnkonzern PCC Logistics übernommen.

Für Gollnick kommen in diesen herausragenden Übernahmen des zu Ende gehenden Jahres auch eindeutig weitere Trends des Übernahmejahres 2010 zum Ausdruck. Mit zwei Übernahmen, für die jeweils mehr als 5 Milliarden Euro gezahlt wurden, „haben wir nach den Krisenjahren eine erste Rückkehr der Megadeals zu verzeichnen“. Dazu gehört neben der Übernahme von Merck in Amerika der zweite Megadeal des ehemaligen Eon-Chefs Wulf Bernotat. Seine letzte Amtshandlung vor der Übergabe der Amtsgeschäfte an Johannes Teyssen war der Verkauf der amerikanischen Tochtergesellschaft Eon US LLC für 5,8 Milliarden Euro an PPL Corporation. Damit hat Bernotat Eon vor der Übergabe an seinen Nachfolger deutlich entschuldet. Aber schon das drittgrößte Übernahmegeschäft unter deutscher Beteiligung passt wieder in das Muster: SAP kauft in Amerika zu – und bleibt mit 4,6 Milliarden Euro auch nur knapp unter der Marke für Megadeals von 5 Milliarden Euro.

1 | 2 | 3 | 4 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Weitere Meldungen Milliarden-Übernahmeangebot in Amerika: Krankenversicherer Anthem will Cignar kaufen

In der amerikanischen Gesundheitsbranche könnte es bald zu der größten Übernahme unter auf Versicherungen spezialisierten Konzernen kommen und der Wohnungskonzern Deutsche Annington plant ebenfalls weitere Übernahmen. Mehr

22.06.2015, 07:22 Uhr | Wirtschaft
Rekordbilanz iPhone beschert Apple historischen Gewinn

Das iPhone hat dem amerikanischen Technologiekonzern Apple im vierten Quartal des vergangenen Jahres einen Rekordgewinn in der Wirtschaftsgeschichte beschert. Wie das Unternehmen mitteilte, kletterte der Profit in dem Zeitraum auf gut 15,8 Milliarden Euro. Der Umsatz lag nach Angaben des in Kalifornien ansässigen Unternehmens bei umgerechnet 66 Milliarden Dollar. Mehr

28.01.2015, 13:36 Uhr | Wirtschaft
Dauerstreit Media-Saturn soll verkauft oder geteilt werden

Um die Zukunft der Media-Saturn-Holding tobt ein emotionaler Dauerstreit. Jetzt plädieren die Minderheitsgesellschafter für mehr Sachlichkeit. Woran sie nun basteln. Mehr Von Brigitte Koch und Carsten Knop

25.06.2015, 18:14 Uhr | Wirtschaft
SwissLeaks So hat die HSBC Geld gewaschen und Steuern hinterzogen

Unter dem Namen SwissLeaks sind spektakuläre Vorwürfe gegen die Schweizer Tochter der britischen Bank HSBC bekannt geworden: Systematische Beihilfe zu Steuerhinterziehung und Geldwäsche.Es geht um Vermögen von mehr als 100 Milliarden Euro. Wie die Bank das gemacht hat... Mehr

25.02.2015, 10:44 Uhr | Wirtschaft
Düngemittelhersteller Kanadier wollen Dax-Konzern K+S übernehmen

Dem Kasseler Dax-Konzern K+S droht der Verkauf ins Ausland. Ein kanadischer Konkurrent bietet mehr als 40 Euro je Aktie. Sollten die Pläne aufgehen, wäre es die spektakulärste Übernahme des Jahres. Mehr Von Klaus Max Smolka

25.06.2015, 22:44 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.12.2010, 08:27 Uhr

Eine neue Tarifwelt?

Von Heike Göbel

Bahn und Lokführergewerkschaft haben sich auf einen Tarifvertrag geeinigt. Das ging aber nur mit Hilfe der Schlichter. Ein normaler Tarifkonflikt war das nicht. Mehr 8


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --