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Startbahn ohne Fluglotsen : Dieser Flughafen wird bald ferngesteuert

Am Flughafen Leipzig-Halle sitzen noch Fluglotsen mit Sicht im Tower. Bild: dpa

Die deutsche Flugsicherung baut ein Kontrollzentrum in Leipzig auf. Dort werden dann Fluglotsen sitzen – und Flugzeuge mehrere hundert Kilometer entfernt dirigieren. Warum eigentlich?

          Flugzeuge heben ab, aber im Kontrollturm am Rande der Startbahn sitzt kein Fluglotse. Was befremdlich klingt, führt die Deutsche Flugsicherung (DFS) in diesem Jahr hierzulande ein. Als erster wird der Flughafen Saarbrücken mit Kameras und Sensoren umgerüstet. Die Lotsenaufgaben übernimmt zwar keine Maschine, doch die Zuständigen sitzen nicht mehr im Saarland, sondern in Leipzig. Dort wird ein neues Zentrum für die sogenannte Remote-Tower-Control (RTC) aufgebaut, um von Herbst an Kontrollen des Flugverkehrs zu bündeln, wie die DFS mitgeteilt hat. Von 2019 an soll auch der Flughafen Erfurt von dort überwacht werden, später sollen die Dienste für Dresden verlagert werden.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Von der Umstellung erhofft sich die DFS Einsparungen, weil sie ihr Personal effizienter einsetzen könne. An kleineren Standorten ist es ein Kostentreiber, dass alle Arbeitspositionen besetzt sein müssen, obwohl weniger Flugzeuge landen als an den Großflughäfen. Fachleute sehen die Chance, kaum profitable Flughäfen wirtschaftlicher zu überwachen, statt sie zu schließen. „Mit RTC entwickeln wir die Technologie der Zukunft“, ist Klaus-Dieter Scheurle, der Vorsitzende der DFS-Geschäftsführung, überzeugt. Passagiere müsse das nicht beunruhigen. „Durch einen effizienteren Personaleinsatz unter einem einheitlichen Betreiberkonzept können wir langfristig Kostensenkungen erreichen – bei einem sogar erhöhten Sicherheitsniveau.“

          Mit ihren Plänen ist die DFS in Europa nicht allein. In Großbritannien wird der Londoner City-Airport umgerüstet, in Ungarn sollen die Budapester Lotsen vom Tower in Büros umziehen. Auf dem kleinen Flughafen im nordschwedischen Örnsköldsvik ist die Fernkontrolltechnik schon im Regeleinsatz. Mehr als 15 Jahre nach ersten Vorüberlegungen zieht die DFS nach. Tests hatten ergeben, dass die Fernüberwachung nur reibungslos funktioniert, wenn Lotsen das aktuelle Geschehen dennoch sehen können. Kameras sollen hochauflösende Aufnahmen liefern, die zu einem 3-D-Bild zusammengesetzt werden, das Rundumsicht und das Heranzoomen von Ausschnitten ermöglicht. Bei Dunkelheit und schlechter Sicht helfen Infrarotbilder.

          In der RTC-Technik sieht die DFS auch ein Zusatzgeschäft und will dies als Dienstleistung weiteren Flughäfen anbieten. Ohnehin steht die Flugsicherung vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Obwohl die Zahl der kontrollierten Flugbewegungen über Deutschland 2017 um 3 Prozent auf den Rekordwert von 3,2 Millionen stieg, sanken die Einnahmen um fast 6 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Ursache ist eine Gebührensenkung. Der Satz für Flugstrecken sank um 16 Prozent, der für An- und Abflüge um 18 Prozent. Der Jahresüberschuss schrumpfte daher auf knapp 31 Millionen Euro, ein gutes Drittel des Vorjahreswertes. Für 2018 erwartet Scheurle einen weiteren Anstieg der Flugbewegungen auf 3,4 Millionen, setzt aber den Stellenabbau fort, der ohne Kündigungen erfolgen soll. Seit 2012 ist die Zahl der Mitarbeiter um knapp 800 auf 5378 gesunken.

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