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Deutsche Daxkonzerne Pilgerfahrt nach Dubai

12.11.2006 ·  Derzeit weilen Vertreter von acht deutschen Daxkonzernen am Arabischen Golf. Dort buhlen sie um das große Geld der Scheichs. 15 Milliarden Dollar will der Emir investieren, doch auch er hat nur ein Ziel: Geld verdienen.

Von Rainer Hermann und Rainer Hank
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Es ist eine Pilgerfahrt in den Orient. Seit gestern weilen die Finanzchefs von acht schwergewichtigen deutschen Aktiengesellschaften in Dubai. Von Daimler bis Siemens, von SAP bis Lufthansa sind es lauter feine Adressen. Im Troß der Finanzchefs ziehen die Fachleute für das Geldsammeln (Investor Relations). In deren Computern befinden sich jede Menge Folien, die ihre Unternehmen in den schönsten Farben präsentieren. Denn ihre Gastgeber sind Scheichs aus dem Golf von Arabien.

„Gewinn nach Steuern 38 Prozent, Auftragseingang plus 15 Prozent“, prahlt Siemens-Finanzchef Joe Kaeser. Sein Münchner Unternehmen preist der Manager als wachstumsstark: Medizintechnik, ein Zukunftstrend; Anlagenbau in der ganzen Welt, ein großes Geschäft. „Da unten ist das viele Geld“, heißt es auch bei der Lufthansa. Kein Wunder, daß die Firmen ihre erste Garde geschickt haben.

Einladung aus Dubai fiel nicht vom Himmel

„Road Show“ nennen die Finanzleute in den Unternehmen solche Pilgerfahrten. Und spielen den Ausflug nach Dubai herunter: „Business as usual“, wie es auch in London oder New York abzulaufen pflege. Doch solch eine geballte Einladung zu einer Investorenkonferenz nur für Deutsche kommt dann doch nicht alle Tage vor. „Deutsche Unternehmen sind für arabische Investoren doppelt interessant, weil sie lohnende Investments bedeuten und gleichzeitig begehrte Technologien und Know-how für deren boomende Märkte bieten“, sagte Alexander Dibelius, Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs gestern in Dubai. Die Bank fungiert dort als Quartiermacher für die Deutschen und hat die Konferenz gesponsert.

Wie Manna ist die Einladung an die Finanzchefs gleichwohl nicht vom Himmel gefallen. Zeichen für das Interesse arabischen Kapitals an deutschen Unternehmen sind seit Monaten zu sehen. Zu Jahresanfang kaufte sich das Emirat Dubai mit einer Milliarde Dollar bei Daimler-Chrysler ein und wurde auf einen Schlag drittgrößter Aktionär des Autobauers. Ein Auge werfen die Scheichs seit längerem auch schon auf den krisengeschüttelten Luftfahrtkonzern EADS.

„Der Aktienkurs von EADS ist im Keller“

Der Staat Dubai ist in Wirklichkeit so etwas wie eine große Finanzholding. Politik wird nicht nach einer Verfassung gemacht, sondern nach einem „Business Plan“. „Dubai Holding“ heißt die Organisationszentrale des Staates Dubai. Der starke Mann dort heißt Samir al Ansari. Ansari war es auch, der die Deutschen eingeladen hat - als Chef der Investmentgesellschaft „Dubai International Capital“ (DIC), eines Tochterunternehmens der „Dubai Holding“. Binnen Monaten will Ansari nämlich einen arabischen Fonds einrichten, der bald über zwei Milliarden Dollar verfügen soll und in einigen Jahren sogar 15 Milliarden Dollar. Kein Wunder, daß die Deutschen hoffen, daß der Kurs ihrer Aktien von diesem Geldsegen profitieren wird.

Ein erster Kaufkandidat des Fonds könnte, wie gesagt, die EADS werden. Die Emirates Airline ist mit 45 Bestellungen für den A380 der wichtigste Kunde von Airbus. „Der Aktienkurs von EADS ist im Keller, und Airbus ist ein Problem“, beobachtet Ansari. Gut so, denn ein Problem biete stets auch Chancen, sagt der Investor.

Es gibt nur ein Ziel: „Wir wollen Geld verdienen“

Die Kehrseite mußte gestern dagegen Daimler-Chrysler erleben. Jetzt, da der Preis für die Aktien bei 45 bis 50 Euro liege, sei die Möglichkeit für einen Teilausstieg aus der Beteiligung gegeben, orakelte Ansari. Und bestätigte damit sein altes Dogma: „Wir wollen Geld verdienen.“ Ob das Investment kurz- oder langfristig ist und in welcher Branche das Geld angelegt wird - das alles ordnet sich diesem Ziel unter.

Ansari hat sein Geschäft von der Pike auf gelernt. Bevor er die Führung des Investitionsarms der Dubai Holding übernahm, sanierte er, der einst bei Ernst & Young in die Lehre ging, als Finanzchef den staatlichen Aluminiumriesen Dubal. Dann war er als Büroleiter die rechte Hand von Scheich Muhammad bin Rashid Al Maktoum, dem Herrscher Dubais. Die beiden, Ansari und der Emir, gelten als die Erfinder der „Dubai AG“. Der Gruppe gehören allein in den Vereinigten Staaten 21.000 Wohnimmobilien, nicht eingerechnet die noble Hoteladresse des „Essex House“ am New Yorker Central Park. Für 1,2 Milliarden Dollar hat Ansari gerade 100 Prozent der britischen Hotelgruppe Travelodge, für 1,5 Milliarden Dollar die Tussaud-Gruppe mit ihren Wachsfigurenkabinetten gekauft.

Erfolg zeugt Erfolg, und Kapital zieht Kapital an

In Dubai hat längst die Zukunft nach dem Öl begonnen. In drei oder vier Jahren wird dort der letzte Tropfen Öl aus dem Wüstenboden sprudeln. Viel Erdöl hatte Dubai ohnehin nie. Und so wurde das Emirat zum Modell für eine Petrodollarwirtschaft, die ohne eigenes Öl auskommt, dafür aber anderen Petrodollarinvestoren Anlagemöglichkeiten bietet. Keine andere Wirtschaft in Arabien, Afrika und Südasien ist so liberal wie die in Dubai. Zudem legen viele Golfaraber nach dem 11. September 2001 ihr Geld nicht länger in den Vereinigten Staaten an.

Erfolg zeugt Erfolg, und Kapital zieht weiteres Kapital an. Pläne für eine Metropole von zehn Millionen Einwohnern hängen auf dem Reißbrett. Kaum ein internationales Unternehmen kann sich mehr dem Sog der Stadt entziehen. Auch die Dax-Unternehmen nicht.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.11.2006, Nr. 45 / Seite 35
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Jahrgang 1956, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in der arabischen Welt mit Sitz in Abu Dhabi.

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