20.01.2005 · Die Deutsche Bank will in jeder Abteilung die jeweils schlechtesten Kapitalmarktexperten entlassen, gleichgültig, wie gut sie sind. Das soll dem einen großen Ziel dienen: einer höheren Eigenkapitalrendite.
Von Christian von Hiller und Benedikt FehrEin einziges Thema treibt Josef Ackermann, den Vorstandssprecher der Deutschen Bank, in diesem Jahr um: Er will um jeden Preis das Ziel erreichen, die Eigenkapitalrendite vor Steuern auf 25 Prozent zu bringen. Dazu ist er auch bereit, Tausende von Investmentbankern in seinem Kapitalmarktgeschäft zu entlassen.
Quer durch alle Abteilungen werden Trennungen anstehen und quer durch alle Hierarchieebenen. Bereits im Dezember hatte die Bank angekündigt, in Deutschland 1920 Stellen abzubauen. Jetzt werden im internationalen Investmentbanking mindestens 2000 weitere Arbeitsplätze gestrichen. Seit dem Amtsantritt Ackermanns im Mai 2002 hat die Bank die Zahl der Beschäftigten bereits um rund 19 000 gesenkt (siehe Graphik).
„Upgrading“
Was amerikanische Investmentbanken seit längerem praktizieren, will Ackermann nun auch bei der Deutschen Bank verstärkt anwenden: In jeder Abteilung werden die jeweils schlechtesten Kapitalmarktexperten entlassen, gleichgültig, wie gut sie sind. "Upgrading" heißt die Methode. Das soll die Bank in Bewegung halten, damit sich ja kein Investmentbanker allzu sicher wähnt. Aber auch die älteren Investmentbanker müssen sich Sorgen machen, wobei man in diesem Geschäft schon jenseits der 40 Jahre zu den gestandenen Kollegen zählt. Sie beziehen in der Regel die höheren Gehälter, haben meist eine Familie gegründet und wollen sich nicht mehr nächtelang quälen, um ein Geschäft möglichst rasch abzuwickeln.
Das Mantra: 25 Prozent
25 Prozent - wie ein Mantra durchzieht die Zahl in diesen Wochen die Deutsche Bank. Dabei scheint das Ziel so ehrgeizig gar nicht zu sein. Am Ende des dritten Quartals schaffte die Bank immerhin eine Eigenkapitalrendite von, aufs Jahr hochgerechnet, 17,9 Prozent vor Steuern. Bereinigt, nach den Bilanzierungsmaßstäben der Bank, waren es sogar 19,7 Prozent. Doch diese Zahl war lediglich nach neun Monaten aufs Jahr hochgerechnet. Das traditionell schwächere vierte Quartal zieht die Rendite meist etwas nach unten. Und vor allem sind in dieser Zahl noch nicht die Sonderbelastungen von 600 Millionen Euro berücksichtigt, die Ackermann am vergangenen Freitag bekanntgegeben hatte. Berücksichtigt man diesen Effekt, erwartet Bankenanalyst Dieter Hein vom Frankfurter Analysehaus Fairesearch, daß die Eigenkapitalrendite vor Steuern im abgelaufenen Jahr 15,5 Prozent betrug.
Obwohl die Deutsche Bank in vielen Geschäftsbereichen Erfolge vorweisen kann, bleibt der Aktienkurs im Branchenvergleich abgeschlagen niedrig. Die geringe Börsenkapitalisierung macht die Bank anfällig für die Übernahme durch einen der viel größeren ausländischen Konkurrenten, legt zudem ihren eigenen Akquisitionsgelüsten Zügel an. Zwar steht die Deutsche Bank im Vergleich zu ihrer deutschen Konkurrenz gut da. Aber im Vergleich zu den internationalen Investmentbanken, mit denen sich Ackermann mißt, verzinst die Deutsche Bank den Kapitaleinsatz ihrer Anleger deutlich geringer. So weist die UBS für das dritte Quartal 2004, auf das Jahr hochgerechnet, eine Eigenkapitalrendite von 27,4 Prozent aus. Im ersten Halbjahr 2004 hätten die sieben wichtigsten Wettbewerber im Durchschnitt eine Vorsteuer-Rendite von 27 Prozent erzielt, stellte Ackermann vor einiger Zeit heraus.
Ironie des jüngsten Programms
Soll der Aktienkurs steigen, muß die Deutsche Bank das Kapital der Aktionäre höher verzinsen. Und Aktionäre sind zum großen Teil die Investmentbanker selbst, die einen hohen Anteil ihrer Bezüge in Form von Aktien der Deutschen Bank ausbezahlt bekommen. Wie hoch der Anteil der Investmentbanker insgesamt liegt, darüber gibt es lediglich grobe Schätzungen, die auch davon abhängen, ob nur der aktuelle Aktienbesitz betrachtet wird oder auch die versprochenen Titel einbezogen werden, die noch nicht zugeteilt worden sind. Die Zahlen schwanken deshalb zwischen 8 und 15 Prozent. Die Ironie des jüngsten Programms ist, daß viele Investmentbanker nun gehen müssen, damit die übriggebliebenen eine höhere Verzinsung auf ihre Aktien erhalten. Aber auch im Privatkundengeschäft und in der Vermögensverwaltung wäre ein weiterer Stellenabbau nicht überraschend.
Der Stellenabbau ist eine Maßnahme von vielen: So forciert Ackermann den Verkauf von Vermögenswerten. Nachdem die Industriebeteiligungen bis auf das große Paket bei Daimler-Chrysler weitgehend verkauft sind, stellte er zuletzt die Immobilien der Bank zum Verkauf. Mit den Erlösen finanziert er das nunmehr dritte Aktienrückkaufprogramm. Sinkt die Zahl der Aktien, steigt schon rechnerisch die Eigenkapitalrendite. Davon lassen sich die Analysten nicht blenden, hatte die Deutsche Bank vor einem Jahr doch auch ein absolutes Ertragsziel vorgegeben: "Ackermann muß sich daran messen lassen, ob er bis Ende 2005 sein Ergebnisziel von 6,5 Milliarden Euro vor Steuern schafft", sagt Hein.
Daran hegen viele Zweifel. Denn mit der Entlassung von Investmentbankern läuft Ackermann Gefahr, ausgerechnet jenen Bereich zu schwächen, der zuletzt die sicherste und größte Ertragsquelle für die Deutsche Bank war.
Auch die Dresdner und Commerzbank
Neben der Deutschen Bank haben auch die Dresdner Bank und die Commerzbank ihr Investmentbanking gestrafft und neu ausgerichtet. Dresdner Kleinwort Wasserstein (DRKW) hat im Dezember den Abbau von 240 Stellen bekanntgegeben. Die Bank hat nun rund 6000 Mitarbeiter, davon etwa 2500 in London und 2000 in Frankfurt. Vor drei Jahren zählte DRKW noch 8500 Mitarbeiter. Ihren früheren Anspruch, zu einer der global führenden Investmentbanken aufzusteigen, hat DRKW begraben, jetzt sieht man sich als ein führendes europäisches Haus mit internationaler Präsenz und Schwerpunkten Deutschland und Großbritannien. In Deutschland arbeitet DRKW eng mit dem Corporate Banking der Dresdner Bank zusammen, um den wachsenden Bedarf deutscher Unternehmen an neuartigen Finanzinstrumenten zu bedienen. Hintergrund ist, daß viele Mittelständler wegen der Spreizung der Risikomargen im klassischen Kreditgeschäft nach alternativen Finanzinstrumenten wie Mezzanine-Finanzierungen oder Forderungsverbriefungen suchen.
Die Commerzbank hat im vergangenen Herbst beschlossen, ihr Investmentbanking weitestgehend zurückzustutzen. Fokus ist seither die Bedienung ihrer Firmenkundschaft sowie die Entwicklung von Kapitalmarktprodukten für private Anleger. In diesem Zuge ist die Bank dabei, die Zahl der Mitarbeiter im Investmentbanking von 1275 auf knapp 800 zu reduzieren, davon 400 in Frankfurt und 300 in London. 2002 hatte die Commerzbank, die spät ins Investmentbankgeschäft gestartet war und nie kritische Masse erreicht hatte, zeitweilig rund 1600 Mitarbeiter im Investmentbankgeschäft.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.375,13 | −1,36% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2417 | −0,57% |
| Rohöl Brent Crude | 104,38 $ | −2,31% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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