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Deutsche Bank kommt nicht zum Zug Citibank geht für 4,9 Milliarden an Credit Mutuel

11.07.2008 ·  Die amerikanische Großbank Citigroup verkauft ihr deutsches Privatkundengeschäft an die französische Genossenschaftsbank Credit Mutuel. Mit dem Verkauf der deutschen Citibank an die Franzosen zieht die Deutsche Bank den Kürzeren. Das Institut hatte sich ebenfalls für die Privatkundenbank interessiert.

Von Benedikt Fehr
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In der Neuordnung der deutschen Bankenlandschaft ist die erste Entscheidung gefallen. Die amerikanische Großbank Citigroup teilte am Freitag mit, das Privatkundengeschäft der deutschen Citibank an die französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel zu verkaufen. Als Kaufpreis wurden 4,9 Milliarden Euro vereinbart, zuzüglich des Gewinns der Citibank, der bis zum Abschluss des Geschäfts aufläuft - vermutlich rund 300 Millionen Euro. Auf die Meldung hin stieg der Kurs der Postbank-Aktie um gut 2 Prozent. Die Börse spekuliert darauf, dass nun das Interesse an der Postbank, die ebenfalls zum Verkauf steht, steigen wird.

Die Citibank hat in Deutschland 3,3 Millionen Kunden, die von 6800 Mitarbeitern in 340 Filialen betreut werden. Die Bank ist vor allem im Geschäft mit privaten Kunden und Konsumentenkrediten stark. Durch den Verkauf der Citibank an Crédit Mutuel kommt die Konsolidierung unter den deutschen Privatbanken, die viele Fachleute für nötig halten, allerdings nicht voran. Denn die Franzosen sind in Deutschland bislang noch nicht vertreten, so dass die Citibank nicht in einer größeren Einheit in Deutschland aufgeht. Um die Citibank beworben hatte sich auch die Deutsche Bank, die hierzulande knapp 10 Millionen Kunden hat. Hätte sie den Zuschlag erhalten, hätte sie ihren Anteil am Geschäft mit deutschen Privatkunden kräftig erhöhen und damit an Kosteneffizienz gewinnen können.

Crédit Mutuel: Deutsche Citibank wird nicht umstrukturiert

In Finanzkreisen wird nun erwartet, dass sich die Deutsche Bank verstärkt auf die Postbank konzentriert. Als Interessenten an der Postbank gelten ferner - wenn auch mit vielen Fragezeichen - die spanische Bank Banco Santander sowie Commerzbank und Dresdner Bank. Die Commerzbank und die Allianz-Gruppe, zu der die Dresdner Bank gehört, diskutieren bereits seit einiger Zeit einen Zusammenschluss der zwei Großbanken. Sollte es dazu bald kommen - was in Finanzkreisen als offen gilt -, könnten Commerzbank und Dresdner Bank gemeinsam für die Postbank bieten. Viele Fachleute halten Zusammenschlüsse der großen deutschen Privatbanken für nötig, um deren im internationalen Vergleich eher mäßige Ertragskraft zu stärken. Durch einen Zusammenschluss können die Banken ihre teure datentechnische Infrastruktur besser auslasten. Vermutlich würden zudem „überlappende“ Filialen geschlossen sowie möglicherweise Tausende Mitarbeiter entlassen.

Die Übernahme der Citibank durch Crédit Mutuel wird solche Folgen nicht haben. Nach Aussage von Crédit-Mutuel-Generaldirektor Michel Lucas werden die Franzosen die Citibank zunächst ohne größere Änderungen unter dem jetzigen Vorstand weiterführen. Crédit Mutuel garantiere den Citibank-Mitarbeitern für 18 Monate ihren Arbeitsplatz; auch danach seien keine Entlassungen geplant, da man in Deutschland weiter wachsen wolle, teilte ein Sprecher der französischen Bank mit. Der Betriebsrat der Citibank hat sich deshalb erfreut über den Verkauf an Crédit Mutuel gezeigt. Die Transaktion, die noch der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden bedarf, soll im vierten Quartal abgeschlossen werden.

Branchenfachleute: Crédit Mutuel hat einen stolzen Preis gezahlt

Crédit Mutuel dürfe den Markennamen „Citibank“ nur begrenzte Zeit nutzen, sagte Lucas. Derzeit spreche man mit mehreren Fachleuten, wie die Bank künftig heißen solle. An dem noch bis zum Jahre 2025 laufenden Vertriebsabkommen mit der Versicherung Talanx werde man nichts ändern. Durch die Übernahme der Citibank erschließe sich Crédit Mutuel „einen zweiten Heimatmarkt“, heißt es in einer Presseerklärung. Damit nehme man „künftig eine bedeutende Position in Europa ein“. In Frankreich hat Crédit Mutuel 14,9 Millionen Kunden, die von knapp 60.000 Mitarbeitern in mehr als 5000 Filialen betreut werden. In Frankreich ist die Bank bei Eigenheim- und Verbraucherkrediten jeweils die Nummer zwei. Die Einlagen belaufen sich nach Angaben der Bank auf 470 Milliarden Euro. In kleinem Umfang ist die Bank auch in der Schweiz und in Luxemburg vertreten.

Die Citigroup hat ihr deutsches Privatkundengeschäft verkauft, um einen Teil der Verluste und Wertberichtigungen in Höhe von 43 Milliarden Dollar auszugleichen, die ihr bislang durch die Krise am amerikanischen Immobilienmarkt entstanden sind. Der Verkauf bringe einen Gewinn von rund 4 Milliarden Dollar, heißt es. Die jetzt verkaufte Einheit in Deutschland - das deutsche Firmenkundengeschäft und Investmentbanking zählen nicht dazu - hat 2007 nach Steuern 365 Millionen Euro verdient. Mit 4,9 Milliarden Euro - dem 3,5fachen des Buchwerts - habe Crédit Mutuel einen stolzen Preis gezahlt, sagten Branchenfachleute. In dem Preis sei eine Prämie enthalten, sich auf dem deutschen Markt zu etablieren. Die Deutsche Bank sei offensichtlich nicht bereit gewesen, solch eine Prämie zu bezahlen.

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