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Deutsche Bank Kirch stürzt die Hauptversammlung ins Chaos

25.05.2007 ·  Seit Jahren tobt eine Fehde zwischen dem ehemaligen Medienunternehmer Leo Kirch und der Deutschen Bank. Kirch wirft dem Finanzinstitut vor, für den Untergang seines Imperiums verantwortlich zu sein. Auf der Hauptversammlung kam es zu einem vierstündigen Schlagabtausch.

Von Daniel Schäfer
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Die seit Jahren tobende Fehde mit dem ehemaligen Medienunternehmer Leo Kirch hat die Hauptversammlung der Deutschen Bank am Donnerstag durcheinander gewirbelt. Die Geduld der mehr als 4000 Aktionäre in der Frankfurter Festhalle wurde auf die Probe gestellt, nachdem der Aufsichtsrat einen Bestätigungsbeschluss zur Wahl des Aufsichtsratschefs Clemens Börsig im vergangenen Jahr kurzfristig in der Tagesordnung nach vorne verlegte. Was dazu dienen sollte, weitere Anfechtungen durch Kirch zu verhindern, artete in einen mehr als vier Stunden dauernden mündlichen Schlagabtausch zwischen Kirch-Vertretern und dem Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann aus. Statt der hohen Gewinnsteigerungen und der kräftig aufgestockten Dividende beherrschte damit der Dauerzwist mit Kirch die Hauptversammlung. Erst mehr als fünf Stunden nach Beginn der Veranstaltung konnte mit der Aussprache über das vergangene Geschäftsjahr begonnen werden.

Der mittlerweile 80 Jahre alte Kirch wirft der Deutschen Bank und ihrem ehemaligen Vorstandschef Rolf Breuer vor, für den Untergang seines Medienimperiums verantwortlich zu sein. Seit Jahren überzieht der Münchener Unternehmer Deutschlands größte Bank mit Klagen. Erst am Mittwoch hatte Kirch die Deutsche Bank beim Landgericht München auf 1,6 Milliarden Euro Schadensersatz verklagt. Insgesamt erhebt er Anspruch auf 3,4 Milliarden Euro.

Aktionärsschützer: „Theater“

Anwälte aus dem Umfeld Kirchs nahmen ebenso wie dessen einstiger Geschäftskollege Dieter Hahn immer wieder das Wort auf der Versammlung. Ausgelöst wurde das Chaos durch eine Klage Kirchs vor dem Landgericht Frankfurt. Dieses hatte die Wahl Börsigs im vergangenen Jahr für nichtig erklärt, weil einige Fragen zu seiner einstigen Rolle als Finanzvorstand nicht ordnungsgemäß beantwortet worden seien. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Deutsche Bank ist in Berufung gegangen. Dennoch ließ die Bank die Wahl Börsigs am Donnerstag von den Aktionären nochmals bestätigen, wozu Aufsichtsratsmitglied Klaus Hartmann für mehrere Stunden die Versammlung leitete. Erst nachdem Börsig mit großer Mehrheit im Amt bestätigt worden war, konnte dieser das Ruder wieder übernehmen.

Aktionärsschützer zeigten wenig Verständnis für die Scharmützel Kirchs. „Wir müssen uns ein derartiges Theater nicht noch einmal antun“, sagte Martin Buhlmann von der Schutzvereinigung VIP. Er erntete ebenso Applaus wie Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), der anmerkte: „Das sollte dort geklärt werden, wo es hingehört – nämlich im Gerichtssaal.“ Allerdings hätte Vorstandschef Ackermann nach Ansicht Niedings die Turbulenzen verhindern können, wenn er die Fragen Kirchs im Vorjahr ordentlich beantwortet hätte.

Rekorddividende für die Aktionäre

Ackermann äußerte ebenfalls seinen Unmut über das Vorgehen der Anwälte. „Ich würde lieber mit Ihnen über die Strategie der Bank sprechen“, sagte er. Unter Anspielung auf das Dilemma der Bank, angesichts mancher Nachteile ihres Hauptsitzes in Deutschland keinen Fusionspartner aus dem Ausland zu finden, ergänzte er: „Glauben Sie, dass irgendjemand seinen Sitz hierher verlegen will, wenn er das hier miterlebt? Ich glaube nicht.“ Der Schweizer bekräftigte jedoch, dass sich die Bank durch die fortschreitende Konsolidierung in Europa nicht unter Zugzwang gesetzt fühle. Größere Zukäufe oder Fusionen stünden derzeit nicht im Vordergrund. „Wir wollen Deutschland nicht verlassen.“ Aktionärsschützer Nieding äußerte sich skeptisch: „Wie wollen Sie angesichts der noch recht niedrigen Marktkapitalisierung verhindern, dass die Bank selbst zum Übernahmekandidaten wird?“ Die Deutsche Bank kommt derzeit auf einen Börsenwert von rund 62 Milliarden Euro, während die größten europäischen Wettbewerber wie HSBC eine Marktkapitalisierung von um die 100 Milliarden Euro haben. Mit mehr als 60 Milliarden Euro habe die Bank aber die kritische Masse überschritten, von der an man vor einer Übernahme geschützt sei, sagte Ackermann.

Auf Nachfrage eines Aktionärs gab Ackermann das Gehalt des erweiterten Führungskreises (Group Executive Committee) der Bank bekannt. Demnach haben die sechs nicht dem Vorstand angehörenden Mitglieder des Gremiums im vergangenen Jahr insgesamt knapp 100 Millionen Euro verdient, fast 10 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Den Aktionären konnte ein sichtlich gut gelaunter Ackermann, der sich in einer der Pausen unter die Aktionäre mischte und sich mit einzelnen Anlegern und Auszubildenden fotografieren ließ, eine um 60 Prozent auf 4 Euro je Aktie erhöhte Rekorddividende vorschlagen. „Wir sind auf Erfolgskurs“, sagte er. Gemessen an den Erträgen der ersten drei Monate, sei die Bank eine der drei erfolgreichsten Investmentbanken der Welt. Die Anlegerschützer lobten die Zahlen: „Aktionärsherz, was willst du mehr?“, fragte Nieding.

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