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Deutsche Bank Jain und Fitschen raten von Eurobonds ab

 ·  In ihrem ersten gemeinsamen Interview plädieren die neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank gegen gemeinsame Anleihen aller Euroländer. Eurobonds würden nicht helfen, die Probleme Europas kurzfristig zu lösen, sagten Jain und Fitschen der F.A.Z. Sie wollen ihre Bank wieder zum voll akzeptierten Partner der Realwirtschaft machen. 

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© Lüdecke, Matthias Anshu Jain und Jürgen Fitschen im Gespräch

Eurobonds, also gemeinsame Anleihen aller Euroländer, und eine Bankenunion, die große europäische Banken unter eine gemeinsame Aufsicht stellen würde, sind zur kurzfristigen Lösung der Probleme innerhalb der Währungsunion ungeeignet. Dieser Überzeugung sind Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank. „Sie helfen nicht bei der Lösung der Probleme, die Europa derzeit in den Augen internationaler Investoren so schwach aussehen lassen und kurzfristig gelöst werden müssen“, sagten Jain und Fitschen in ihrem ersten gemeinsamen Interview.

Sie warnen davor, Dinge, die Europa kurzfristig anpacken müsse, mit Entscheidungen zu vermischen, die man erst in einer „wirklich politisch und wirtschaftlich integrierten“ Europäischen Union treffen könne. Kurzfristig gelte es allein, Vertrauen zurückgewinnen. Das könne gelingen, wenn die stark verschuldeten Länder jeweils zu einer soliden Finanzpolitik zurückkehrten und tiefgreifende Reformen ihrer Arbeitsmärkte auf den Weg brächten. „Die Sozialisierung der Verantwortlichkeiten ist keine kurzfristige Lösung, gerade auch aus deutscher Sicht. Das wäre erst dann denkbar, wenn wir wirklich eine Politische Union hätten. Aber das ist noch nicht der Fall“, betonten beide im Gespräch mit dieser Zeitung.

Deutsche Bank will unter die fünf führenden Universalbanken

Unter ihrer neuen Führung strebt die Deutsche Bank an, in den kommenden fünf bis zehn Jahren zu den fünf führenden Universalbanken zu zählen. Anshu Jain und Jürgen Fitschen wollen die Bank zudem zu einem wieder voll akzeptierten Partner der Realwirtschaft machen. „Die künstliche Trennung zwischen Bank und Realwirtschaft in der öffentlichen Diskussion muss wieder verschwinden“, sagten Jain und Fitschen. Die Kapitalausstattung ihrer Bank halten sie für gut, den Aktienkurs für unterbewertet. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Kapitalanforderungen, also vor allem Basel III, aus eigener Kraft erfüllen werden – und das nicht erst im Jahr 2018“, sagten sie.

Zugleich spiegele sich im Aktienkurs der Deutschen Bank ein großes generelles Misstrauen gegenüber den Banken des Euroraums wider. „Wir werden mit einem Abschlag auf unseren Buchwert gehandelt, den es aufzuholen gilt.“ Sie seien vom Aufsichtsrat berufen worden, um langfristig den Wert der Bank zu steigern, betonten beide: „Wir werden das nicht auf eine Kennzahl reduzieren. Aber wir werden im Herbst klare Ansagen machen, wie wir die Leistungsfähigkeit und damit die Bewertung der Bank verbessern wollen.“

Jain und Fitschen wollen weiterhin Geschäfts- und Investmentbank verbinden

Dabei setzen Jain und Fitschen weiterhin auf das Modell einer Universalbank, also die Verbindung von Geschäfts- und Investmentbank. „Die Universalbank ist aus der Perspektive des Kunden ein sehr effektives Geschäftsmodell.“

Das Investmentbanking sei ein Herzstück der Deutschen Bank, aber es stehe außer Frage, dass dieser Bereich einige herausfordernde Jahre vor sich habe. „Als Stichwort nenne ich nur die Kapitalvorschriften rund um Basel III, mit denen das Kapital, mit dem bestimmte Investmentbanking-Aktivitäten zu unterlegen sind, möglicherweise verdoppelt oder gar verdreifacht werden muss“, sagte Jain. Mit der Postbank wiederum, werde man andere Kunden ansprechen als mit der Deutschen Bank, und man werde die Marken weiterhin klar trennen.

Jain weist die Unterstellung zurück, Londons Investmentbanker übernähmen die Deutsche Bank

Jain wies die Unterstellung zurück, die Bank werde nun von den in London beheimateten Investmentbankern übernommen, also von „Anshus Army“. Es gebe nicht eine Entscheidung, über die zuvor nicht gemeinsam lange diskutiert worden sei und über die Fitschen und er zuvor nicht vollständiges Einvernehmen erzielt hätten. „Diejenigen, die letztlich in oberste Führungspositionen berufen worden sind, arbeiten im Durchschnitt seit 15 Jahren für die Deutsche Bank.“

Bewusst wurden keine Externen in die neue Führung aufgenommen, um langjährige Loyalität gegenüber der Deutschen Bank zu honorieren. Weit oben auf der Tagesordnung stehe aber, die Zahl der Frauen in diesen Gremien zu steigern. Dies solle aber nicht durch eine Quote geschehen. „Wir haben von den Mitarbeitern das klare Signal bekommen, nicht auf der Basis von Quoten, sondern weiterhin auf der Basis von Leistung zu entscheiden“, sagte Fitschen.

Fitschen und Jain setzen sich selbstkritisch mit dem Geschäftsgebaren der Bankenwelt auseinander

Die rechtlichen Auseinandersetzungen, in die die Bank verwickelt ist, hätten die beiden lieber schon gestern mit Vergleichen beendet, doch müssten zuweilen viele Interessen berücksichtigt werden. Sehr selbstkritisch setzten sich Fitschen und Jain auch mit dem Geschäftsgebaren der Bankenwelt in den vergangenen Jahren auseinander: „Dass der Abstand zwischen dem, was wir tun, und dem, was in der sogenannten Realwirtschaft geschieht, in den Augen vieler Menschen zu groß geworden ist, sehen wir natürlich.“ Die Antwort müsse sein, die Bankgeschäfte nachhaltig zu machen, und zwar nicht nur im ökologischen Sinne. „Uns muss es auch um die sozialen und finanziellen Aspekte der Nachhaltigkeit gehen.“ Immerhin hätten viele Menschen inzwischen schon bemerkt, dass die Gehälter in der Industrie durchaus noch sehr viel höher sein können als in der Finanzwirtschaft.

Mit Blick auf Griechenland erkennen Jain und Fitschen an, dass es „viele gute Gründe“ gebe könne, dass Griechenland den Euro verlassen solle. „Aber wenn wir Griechenland im Euro halten könnten, wäre das ein gutes Zeichen.“ Wie groß die Ansteckungsgefahr für Italien und Spanien sei, hänge von der Entwicklung in Griechenland ab. „Ich glaube, das Programm des IWF ist sehr gut. Es wird in diesem Zusammenhang auch viel zu negativ über die erforderlichen Sparmaßnahmen gesprochen. Dieses Sparen ist ein Muss. Welche Wahl hat Europa denn?“ Sparen müsse natürlich mit Wachstumsimpulsen Hand in Hand gehen. „Wenn der Arbeitsmarkt reformiert wird, wirkt sich das positiv auf die Wirtschaft aus.“

Zugleich müssten unbedingt Maßnahmen ergriffen werden, die es möglich machten, Staatsanleihen sehr bald wieder als attraktiv einzustufen, auch unter Risikoaspekten. „Ein Modell, wie Banken ohne ein solches Szenario bestehen können, kann ich mir nur schwer vorstellen“, sagte Jain. Das würde ja bedeuten, dass man sich nur noch auf amerikanische, britische oder deutsche Staatsanleihen stützen könne – das wäre aber keine nachhaltig tragfähige Lösung.

Ihrem Vorgänger Josef Ackermann weinen die beiden keine Träne nach: „Er wird uns als jemand in Erinnerung bleiben, der die Bank erfolgreich durch schwierige Zeiten geführt hat. Jetzt schlagen wir ein neues Kapitel auf.“ Das wollen beide in großem Einvernehmen tun: „Wir hören einander zu und entscheiden dann, wenn der eine den anderen überzeugt hat, gemeinsam. Am Ende sprechen wir mit einer Stimme – in der Bank und außerhalb der Bank.“

Das komplette Interview mit Anshu Jain und Jürgen Fitschen lesen Sie am Freitag in der F.A.Z.

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