18.05.2005 · Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat sich vehement gegen die Angriffe auf ihn in der laufenden Kapitalismusdebatte zur Wehr gesetzt. Zugleich bekräftigte der Schweizer, zum Abbau von 6.400 Stellen gebe es keine Alternative.
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat sich vehement gegen die Angriffe auf ihn in der laufenden Kapitalimusdebatte zur Wehr gesetzt. Zugleich bekräftigte der Schweizer, am geplanten Abbau von 6.400 Stellen bei der Bank festzuhalten.
„Niemand - zumindest niemand, den ich kenne - will einen 'Kapitalismus pur' und schon gar nicht einen 'Raubtier-Kapitalismus'", sagte Ackermann am Mittwoch auf der Hauptversammlung der Bank in Frankfurt vor rund 5200 Aktionären. „Das sind Vokabeln aus der Zeit des realen Sozialismus, und wohin der geführt hat, ist ja bekannt.“ Die Debatte schaffe keinen einzigen Arbeitsplatz und sorge im Ausland für Kopfschütteln. Die Kritik an Deutschlands größtem Institut und an seiner eigenen Person empfinde er als beschämend. Erfolg sei kein Selbstzweck. Vielmehr riskiere die Bank, ohne ihn im weltweiten Wettbewerb unterzugehen. Der Stellenabbau sei schmerzhaft, aber unumgänglich.
Verdi droht mit Kündigungsverbot für Unternehmen mit hohen Gewinnen
Die Deutsche Bank hatte 2004 den Überschuß mit 2,47 Milliarden Euro fast verdoppelt, bei der Bekanntgabe des Gewinns zugleich aber den Abbau von 6.400 Stellen angekündigt - davon 1920 netto in Deutschland. Ziel sei es, die Eigenkapitalrendite vor Steuern und Restrukturierungslasten weiter zu steigern. Bei Politikern und Gewerkschaften hatte dies einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. SPD-Chef Franz Müntefering hatte Ackermann persönlich mangelnde Unternehmerethik vorgeworfen.
Am Mittwoch demonstrierten rund 150 Vertreter des Betriebsrats und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vor dem Veranstaltungsort an der Frankfurter Messe. „Wenn Herr Ackermann nicht freiwillig den Personalabbau stoppt, dann werden wir für ein gesetzliches Kündigungsverbot für Unternehmen mit hohen Gewinnen kämpfen", erklärte Verdi-Bundesvorstand Uwe Foullong.
Kritik an der Öffentlichkeitsarbeit - „medialer Gau“
Die Kritik der Aktionäre betraf dagegen vor allem die Vermittlung der Abbaupläne und den rückläufigen Aktienkurs. Die Bank gehe in die richtige Richtung, aber auf Umwegen, sagte ein Kleinaktionär mit Blick auf die Verkündung des jüngsten Stellenabbaus bei gleichzeitigem Milliardengewinn. „In der Öffentlichkeitsarbeit machen Sie alles falsch.“ Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sprach von einem „medialen GAU". Zudem seien die drei Aktienrückkaufprogramme der Bank ohne Effekt geblieben. „Wir sind überhaupt nicht zufrieden, daß der Aktienkurs seit langem vor sich hindümpelt", sagte er. Die Deutsche Bank-Aktie notierte am Mittwoch mit 61,94 Euro um 0,5 Prozent fester.
Ackermann will sich von den Aktionären erneut den Rückkauf von Aktien in Höhe von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals absegnen lassen. Seit 2002 hat das Institut bereits rund ein Viertel der eigenen Papiere zurückgekauft und dafür an die zehn Milliarden Euro ausgegeben. Den Kurs beflügelte dies nicht: Er sank in den vergangenen zwölf Monaten mehr als vier Prozent.
Turbulenzen um Breuer und Kirch zum Auftakt
Ackermann bekräftigte den Willen zu Akquisitionen und kündigte an, Expansionsmöglichkeiten im Privatkundengeschäft zu prüfen. Die Bank sehe sich jedoch nicht unter Druck und werde nicht zu jedem Preis zukaufen, sagte er. Im Privatkundengeschäft gelte es etwa in Asien oder Osteuropa, eine mögliche Expansion in wachstumsträchtigen Märkten zu prüfen. Wie angekündigt wolle die Bank zudem weiter ihre Industriebeteiligungen verringern. Als Beispiele nannte Ackermann Aktienpakete an Tui, Daimler-Chrysler, Linde und der Allianz.
Zu Beginn der Hauptversammlung hatte ein Antrag des Pleite gegangenen Medienunternehmers Leo Kirch für Turbulenz gesorgt, in dem er Aufsichtsratschef Rolf Breuer wegen angeblicher Interessenkonflikte als Leiter der Hauptversammlung abberufen wollte. Die Forderung wurde jedoch mit klarer Mehrheit abgelehnt. Kirch wirft Breuer und der Deutschen Bank vor, seine Kreditwürdigkeit öffentlich in Frage gestellt und damit den Zusammenbruch seines Medienimperiums 2002 absichtlich betrieben zu haben. Der 78jährige überzieht das Institut seit Jahren mit Prozessen. Dabei geht es zum einen um den Vorwurf an sich, zudem ficht der Unternehmer Beschlüsse früherer Hauptversammlungen an.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.375,13 | −1,36% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2417 | −0,57% |
| Rohöl Brent Crude | 104,38 $ | −2,31% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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