01.02.2006 · Der Vertrag von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ist bis 2010 verlängert worden. Außerdem wurde Ackermann mit sofortiger Wirkung zum Vorsitzenden des Vorstands berufen; zuvor lautete sein Titel Vorstandssprecher.
Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank hat Josef Ackermann, dem Vorstandschef des Instituts, demonstrativ den Rücken gestärkt. Wie die Bank mitteilte, wird der Vertrag von Ackermann bis Ablauf der Hauptversammlung im Jahr 2010 verlängert. Zudem wurde er zum Vorsitzenden des Vorstands ernannt. Bislang war Ackermann nur Sprecher des Vorstands.
Der Aufsichtsrat beendete damit die Spekulationen über eine Abberufung Ackermanns, die nach der Aufhebung der Freisprüche im Mannesmann-Verfahren aufgekommen waren. Weiter hat der Aufsichtsrat den Vertrag von Personalvorstand Tessen von Heydebreck bis zur Hauptversammlung 2007 verlängert. Zudem schlägt das Gremium eine Erhöhung der Dividende von 1,70 auf 2,50 Euro je Aktie vor. Die Aktie stieg gestern zwischenzeitlich auf ein mehrjähriges Hoch von 90,15 Euro.
CEO amerikanischer Prägung
Schon vor seinem Amtsantritt im Mai 2002 hatte Ackermann dafür plädiert, das Spitzenamt in der Deutschen Bank in Richtung eines starken amerikanischen Chief Executive Officer (CEO) zu entwickeln. Denn internationale Investoren verlangten von den Unternehmen klare Führungsstrukturen. Diesem Ziel ist er nun ein Stück näher gekommen: Seine englische Amtsbezeichnung lautet in Zukunft „Chairman of the Management Board (Chief Executive Officer)“. Bisher war seine Position mit „Spokesman of the Management Board“ übersetzt worden.
Die Änderung stärkt auch die Stellung des Aufsichtsrats der Bank. Denn nur er kann einen Vorstandsvorsitzenden ernennen. Demgegenüber wird der Sprecher des Vorstands typischerweise von den übrigen Vorstandsmitgliedern gewählt und vom Aufsichtsrat nur bestätigt. Ein Pressesprecher der Bank verneinte die Frage, ob sich durch die Änderung des Titels Ackermanns Aufgaben änderten.
Erleichterung bei Verhandlungen
Aktienrechtler betonten, daß die Zuteilung der Aufgaben in der Geschäftsordnung eines Unternehmens geregelt sei. Oft sei darin etwa vorgesehen, daß der Vorstandsvorsitzende bei einer Abstimmung im Vorstand in einer Pattsituation ein doppeltes Stimmrecht habe. Das Gremium begründete die Änderung von Ackermanns Amtsbezeichnung mit „nationalen und internationalen Gepflogenheiten“.
Tatsächlich dürfte sich der Bankenchef mit dieser international üblichen Bezeichnung für den Spitzenmann eines Unternehmens in Zukunft bei Verhandlungen zum Beispiel mit amerikanischen und chinesischen Geschäftsleuten etwas leichter tun. Rechtlich entspricht sein Amt aber nicht dem eines amerikanischen CEO. Denn jener ist gegenüber den geschäftsführenden Mitgliedern des „Board“ weisungsgebunden, was für den deutschen Vorstandsvorsitzenden gegenüber den Vorstandsmitgliedern nicht gilt.
Aufsichtsrat unterstreicht sein Vertrauen
Nach dem für Ackermann ungünstigen Urteilsspruch im Mannesmann-Prozeß im Dezember waren Spekulationen aufgekommen, daß dessen Vertrag nur um zwei oder drei Jahre verlängert werde. Mit der Vertragsverlängerung bis Mai 2010 unterstreicht der Aufsichtsrat insofern sein Vertrauen in Ackermann. Der Schweizer Manager wird dann sein 62. Lebensjahr vollendet haben, der inoffiziellen Altersgrenze für Vorstandsmitglieder. Vermutungen zufolge hat Ackermann für den Fall, daß er wegen einer Verurteilung im Mannesmann-Verfahren zurücktreten muß, auf bestimmte Ansprüche aus der Vertragsverlängerung verzichtet.
Wie zu hören ist, hat er nicht die Absicht, nach Ausscheiden aus dem Vorstand für den Aufsichtsrat der Bank zu kandidieren. Damit könnte es bereits nach der Hauptversammlung 2008 zu einem Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats kommen, wenn die Amtszeit des Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Breuer endet. Es gab Spekulationen, wonach Breuer etwas länger im Amt bleiben könnte, damit Ackermann dann an seine Position rücken könne. Auch Heydebreck bleibt durch die Vertragsverlängerung bis zum Erreichen der inoffiziellen Altersgrenze von 62 Jahren im Amt. In den vergangenen Tagen hatte es Gerüchte gegeben, der Aufsichtsrat wolle ihn im Sommer dieses Jahres in den Ruhestand schicken.
Kräftige Dividendenerhöhung
Mit der vorgeschlagenen kräftigen Dividendenerhöhung will der Aufsichtsrat die Aktionäre an dem geschäftlichen Erfolg des Konzerns teilhaben lassen. In Finanzkreisen wird erwartet, daß Ackermann auf der an diesem Donnerstag stattfindenden Pressekonferenz über einen Rekordjahresgewinn des Konzerns von 3,6 bis 3,8 Milliarden Euro berichten wird. 2004 hatte die Deutsche Bank einen Nettogewinn von 2,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Anders als vor einem Jahr dürfte Ackermann diesmal kein Programm zum Abbau von Arbeitsplätzen ankündigen, ist zu hören.
Weil sich die amerikanischen Strukturen, in denen es keine Trennung zwischen Aufsichtsrat und Vorstand gibt, im Rahmen des deutschen Aktienrechts nicht umsetzen lassen, hat die Deutsche Bank bereits vor Jahren eine besondere Lösung entwickelt: Sie verkleinerte den Konzernvorstand auf vier Mitglieder, schuf zudem ein zehnköpfiges Group Executive Committee (GEC), das sich aus den Mitgliedern des Vorstands sowie den Leitern der Kerngeschäftsfelder zusammensetzt. Ackermann war und ist „Chairman“ dieses Group Executive Committee, was ihn sprachlich in die Nähe eines Chief Executive Officer gerückt hatte. Offiziell „unterstützt“ dieser Ausschuß die Entscheidungsfindung des Vorstands, doch gilt er weithin als das Machtzentrum.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.376,76 | −0,07% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2527 | −0,11% |
| Rohöl Brent Crude | 107,03 $ | −0,21% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
Anonym bewerben? Ist das gut?