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Aktionäre der Deutschen Bank : Wie verlässlich sind die Investoren aus Qatar und China?

Was spielt sich im Schatten der Deutschen Bank ab? Bild: Reuters

Die Großaktionäre der Deutschen Bank geraten ins Visier der Aufsicht und der Justiz. Machen die beiden Anleger gemeinsame Sache?

          Die beiden Großaktionäre der Deutschen Bank aus China und Qatar werfen zunehmend Fragen auf. Zum einen prüfen die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB), ob sie die chinesische HNA Group sowie die qatarische Herrscherfamilie über ein sogenanntes Inhaberkontrollverfahren näher unter die Lupe nehmen sollten. Zum anderen hat der Frankfurter Anwalt Jan Bayer nach Informationen dieser Zeitung Klage beim Landgericht Frankfurt gegen die Deutsche Bank eingereicht, weil die beiden Großaktionäre in seinen Augen gemeinsame Sache machen und somit mehr Einfluss auf die Bank haben könnten als bekannt.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die HNA Group hat sich seit ihrem Einstieg bei der Bank im März in mehreren Schritten 9,9 Prozent der Anteile gesichert und ist damit größter Einzelaktionär. Damit ist der chinesische Mischkonzern bewusst unter der Schwelle von 10 Prozent geblieben, ab der die Bankenaufseher ein Inhaberkontrollverfahren einleiten würden. Eine solche Prüfung soll sicherstellen, ob Eigentümer verlässlich sind, woher ihre finanziellen Mittel stammen und welche strategischen Ziele hinter einem Investment stecken. Zwei Mitglieder der qatarischen Herrscherfamilie Al-Thani halten über ihre Investmentfonds offiziell 6,1 Prozent der Anteile. Über Optionen sollen sie aber ebenfalls knapp unter 10 Prozent liegen.

          Ein Indiz für einen maßgeblichen Einfluss

          Nach Angaben einer EZB-Sprecherin ist ein Inhaberkontrollverfahren auch unterhalb der Schwelle von 10 Prozent möglich. Das ist dann der Fall, wenn ein Anteilseigner maßgeblichen Einfluss auf eine Bank ausüben kann. Dies kann zum Beispiel vorliegen, wenn die Beteiligung dazu genutzt wird, Kredite von der Bank zu erhalten. Eine andere Möglichkeit wäre das abgestimmte Vorgehen beider Großaktionäre („acting in concert“), wodurch sie mehr Einfluss hätten als allein. Darauf zielt auch die Klage von Bayer ab. Auf der vergangenen Hauptversammlung haben Qatar und HNA gleich abgestimmt, was allerdings noch nicht auf eine Absprache hindeuten muss. In Finanzkreisen kursieren aber seit geraumer Zeit Gerüchte, wonach der frühere Deutsche-Bank-Manager und heutige Berater der Qatarer, Michele Faissola, den ersten Kontakt zu den Chinesen hergestellt haben soll. Belege gibt es dafür allerdings nicht. Offiziell sagen wollen dazu weder die Bank noch die Investoren etwas. Faissola war ein Vertrauter des früheren Vorstandschefs Anshu Jain und musste das Haus verlassen, als John Cryan an die Konzernspitze kam.

          Einfluss haben sich die beiden Anteilseigner aber auch im Aufsichtsrat der Bank gesichert. Auf der jüngsten Hauptversammlung wurden zwei Mitglieder in das Kontrollgremium gewählt, die sich ihnen mehr oder weniger direkt zuordnen lassen. Alexander Schütz ist Geschäftsführer des Wiener Vermögensverwalters C-Quadrat, der die Stimmrechte von HNA ausübt. Der Rechtsanwalt Stefan Simon soll von Qatar nominiert worden sein. Auch das kann ein Indiz für einen maßgeblichen Einfluss sein.

          „Das ist kein wirklich großer Vertrauensbeweis“

          Sollten bei dem Inhaberkontrollverfahren Zweifel an der Verlässlichkeit der Investoren aufkommen, könnte ihnen der Entzug oder die Einschränkung der Stimmrechte drohen. Die Prüfung liefe im Auftrag der EZB über die deutsche Finanzaufsicht Bafin. Deren Präsident Felix Hufeld hatte sich im Mai noch gelassen angesichts des chinesischen Großaktionärs bei der Deutschen Bank gezeigt. Seinen Worten zufolge begrüße man ausländische Investoren grundsätzlich bei deutschen Banken.

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          Zwei Entwicklungen könnten zu dem Sinneswandel bei den Aufsehern geführt haben. Zum einen könnte die Auseinandersetzung Qatars mit mehreren anderen Golfstaaten zu einer finanziellen Schieflage bei der Herrscherfamilie führen. Zum anderen hat die chinesische Regierung akquisitionsfreudige Privatkonzerne wie HNA gerade dazu angehalten, ihre Beteiligungen zu überprüfen. Man wolle wissen, ob ein „systemisches Risiko von einigen großen Unternehmen“ vorläge, teilte die chinesische Bankenaufsicht öffentlich mit. Auch die Staatsbanken, die Konzerne wie den wenig transparenten HNA-Konzern finanzieren, stehen dabei im Fokus. Zuvor hatte Zentralbankchef Zhou Xiaochuan ebenfalls öffentlich gewarnt, die Regierung toleriere keine „hohe Verschuldung, geringe Kapitalausstattung und ausfallenden Kredite“.

          Vor diesem Hintergrund ist interessant, dass HNA seine Beteiligung an der Deutschen Bank zum großen Teil mit Fremdkapital und Derivaten der UBS finanziert hat. „Das ist kein wirklich großer Vertrauensbeweis des größten Anteilseigners der Bank“, sagt Stuart Graham, Analyst bei Autonomous Research. Auch ein anderer wichtiger Aktionär, der namentlich nicht genannt werden will, wundert sich über die Konstruktion. Für einen langfristigen Investor sei sie ungewöhnlich. Ein unerlaubtes gemeinsames Vorgehen der beiden Großinvestoren will er aber nicht erkennen.

          Quelle: F.A.Z.

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