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Deutsche Bank Ärger für Ackermann

20.10.2006 ·  Leo Kirch verdächtigt den Chef der Deutschen Bank der Anstiftung zur Untreue und hat Strafanzeige gestellt. Ausgerechnet jetzt: Denn in der kommenden Woche beginnt die zweite Runde des Mannesmann-Prozesses. Sollte er rechtskräftig verurteilt werden, wird Josef Ackermann zurücktreten. FAZ.NET-Spezial.

Von Gerald Braunberger
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Seit dem 26. Oktober drückt Josef Ackermann an zwei Tagen in der Woche wieder die Anklagebank. Denn an diesem Tag begann in Düsseldorf die zweite Runde im Mannesmann-Prozeß. Ackermann, der einer von insgesamt sechs Angeklagten ist, muß sich dem Vorwurf stellen, er habe bei der Übernahme von Mannesmann durch die britische Telefongesellschaft Vodafone im Jahre 2000 in seiner Eigenschaft als Mannesmann-Aufsichtsrat Managern ungerechtfertigt Prämien zu Lasten der Firma Mannesmann gewährt und sich so der Untreue schuldig gemacht.

Ausgerechnet jetzt hat Leo Kirch, der seit dem Verlust seines Medienimperiums einen juristischen Kampf gegen die Bank führt, Strafanzeige gegen ihn gestellt. Weil er Ackermann in einem anderen Fall der Anstiftung zur Untreue verdächtigt. (Siehe auch: Kirch stellt Strafanzeige gegen Ackermann)

Die Anzeige wurde zudem dem Landgericht Düsseldorf zur Kenntnis zugeschickt. Der Ausgang des Verfahrens dort ist völlig offen. Im ersten Mannesmann-Prozeß 2004 wurden Ackermann und seine Mitangeklagten vom Düsseldorfer Landgericht freigesprochen. Ende 2005 hob der Bundesgerichtshof die Urteile auf und ordnete eine Neuverhandlung in Düsseldorf an.

Ackermann hat vorgesorgt

Ackermann hat stets seine Unschuld beteuert. Doch er hat auch Vorsorge für den Fall einer rechtskräftigen Verurteilung getroffen. Dann dürfte der Schweizer vom Vorstandsvorsitz der Deutschen Bank zurücktreten und auf die Auszahlung der Restjahre seines noch bis 2010 laufenden Arbeitsvertrags verzichten. „Es gibt ein Leben nach der Deutschen Bank“, sagte Ackermann vor einigen Monaten öffentlich.

Innerlich scheint sich der Schweizer mit der Möglichkeit eines Schuldspruchs arrangiert zu haben. Wie anders ist es zu erklären, daß er - beraten von Medienleuten aus seinem Heimatland - als Gesprächspartner für gleich zwei Bücher über sein Leben zur Verfügung stand, wo die allermeisten Topbanker schon eine einzige Biographie über sich empört zurückweisen würden? Der Eindruck entsteht, Ackermann ziehe mit den beiden Büchern bereits die Bilanz eines erfolgreichen Managerlebens.

Die Deutsche Bank träfe der Verlust schwer

Wie der Buchautor Erik Nolmans („Josef Ackermann und die Deutsche Bank“, Orell Füssli Verlag) schreibt, hat der Schweizer seiner Familie und auch Freunden seine Zukunft längst beschrieben: Reisen will er, viel Zeit in Manhattan verbringen, wo er eine Wohnung besitzt, und vielleicht noch einmal einen beruflichen Neuanfang wagen, zum Beispiel bei Private Equity.

Die Deutsche Bank träfe der Verlust ihres Spitzenmannes schwer. Denn Ackermann hat die Bank in den vergangenen Jahren auf Vordermann gebracht; sie ist das einzige deutsche Kreditinstitut von internationalem Rang. In einer ersten, 2002 begonnenen Phase richtete der Schweizer die Bank auf Kerngeschäfte aus, was unter anderem den Verkauf der meisten Industriebeteiligungen und erhebliche Kostensenkungen zur Folge hatte. In einer zweiten Phase ging die Bank daran, ihre Erträge zu steigern, um Ackermanns Ziel einer Vorsteuerrendite von 25 Prozent auf ihr Eigenkapital zu erreichen. Dies gelang erstmals 2005.

Machtfülle wie kein früherer Spitzenmann

Auf einer Konferenz stellte Ackermann kürzlich Phase drei vor: Die Bank will 2008 vor Steuern 8,4 Milliarden Euro (2005: 6,1 Milliarden) verdienen, weiterhin eine Rendite von mindestens 25 Prozent vor Steuern ausweisen, ihren Gewinn je Aktie um eine zweistellige Rate im Jahr steigern und ansehnliche Dividenden ausschütten.

Der Schweizer verfügt über eine Machtfülle wie wohl kein früherer Spitzenmann. Er ist Vorstandsvorsitzender und damit klare Nummer eins, während seine Vorgänger als Vorstandssprecher immer wie eine Art Primus inter pares daherkamen. Auch aus dem Aufsichtsrat hat Ackermann keinen Gegenwind zu fürchten.

Bemühungen um ein besseres Image

In den vergangenen Monaten hat sich der Schweizer auffällig um ein besseres Image in Deutschland bemüht. Er trat häufiger auf Veranstaltungen auf und zeigte mit dem Kauf der Berliner Bank und Teilen der Norisbank ein gewisses Interesse für den Heimatmarkt der Deutschen Bank. In der Öffentlichkeit kam diese Offensive gut an - in ihrer geschäftspolitischen Bedeutung überschätzen sollte man sie nicht. Die beiden Banken verdienen im Jahr zusammen nicht mehr als das Investmentbanking der Deutschen Bank in zwei oder drei Wochen.

Ackermanns juristische Kalamitäten haben längst innerhalb und außerhalb der Bank die Frage nach dem Namen eines Nachfolgers entstehen lassen. Dem Schweizer sind diese Spekulationen nicht recht, alleine, er weiß, daß er sie nicht unterbinden kann. Die Bank hat, nach allem, was zu hören ist, längst Vorsorge getroffen. Um wen es sich handelt, ist jedoch nicht bekannt.

Unklarheit über den Kronprinzen

„Früher konnte man die Kronprinzen der Deutschen Bank ziemlich einfach identifizieren“, heißt es bei der Konkurrenz in einem anderen Frankfurter Bankenturm. „Dieses Mal ist es unmöglich.“ Denn ein Nachfolger Ackermanns müßte einerseits bei den mächtigen Investmentbankern in London und New York wohlgelitten sein, andererseits sollte er gleichzeitig auch das Deutsche an der Deutschen Bank verkörpern können.

Aus diesem Grund kursiert seit Monaten der Name Jürgen Fitschen. Der 58 Jahre alte Deutsche gehört der erweiterten Geschäftsführung an, wo er die in mehreren Ländern angesiedelten regionalen Geschäfte der Bank überwacht; zudem soll er die Bank auf ihrem deutschen Heimatmarkt voranbringen. Da Fitschen über internationale Erfahrung verfügt, erscheint er manchen Insidern zumindest als Übergangslösung denkbar. Über sein Ansehen bei den Investmentbankern sind jedoch divergierende Schilderungen zu hören. Mal heißt es, er werde dort respektiert, dann ist wieder zu hören, Fitschen fehle das Standing, weil er keine direkte Ergebnisverantwortung habe.

Spekulationen über Anshu Jain

Seit einigen Wochen wird in Medien auch Anshu Jain, der erst 43 Jahre alte Investmentbanker „mit dem goldenen Händchen“, als Kronprinz genannt. Jain verdient zwar sehr viel Geld für die Bank, galt aber bisher nicht als Kandidat für den Vorstandsvorsitz, da er in London besser bezahlt wird als Ackermann und nach Ansicht von Kennern überdies kein Interesse besitzt, den Vormann der Bank mit einer starken Präsenz in Frankfurt zu spielen.

Ob sich daran etwas geändert hat, ist fraglich. Die von einem Magazin verbreitete Behauptung, Jain lerne Deutsch, soll jedenfalls ebensowenig der Wahrheit entsprechen wie ein angebliches Drängen des gebürtigen Inders, sich bei den Größen der deutschen Wirtschaft bekannt zu machen. Unbestritten ist dagegen, daß sich der hessische Ministerpräsident Roland Koch bei einem kürzlichen London-Besuch mit dem Investmentbanker traf und dies auch stolz über die Presse verbreiten ließ. Daraus eine Spekulation auf die Ackermann-Nachfolge abzuleiten erscheint nicht zwingend.

Dem Thema Fusion wird die Bank nicht ausweichen können

Wer immer die Bank in den kommenden Jahren führen wird, muß sich mit deren strategischer Ausrichtung befassen. Die Deutsche ist heute in etwa da, wo sie die Altvorderen Hilmar Kopper und Rolf Breuer sehen wollten, als sie in den neunziger Jahren die Strategie vorgaben: als eine der führenden Investmentbanken der Welt und als eine Geldmaschine für ihre Aktionäre.

Doch für diesen Rang existiert keine Ewigkeitsgarantie. Die Konkurrenten wachsen, und nicht wenige wachsen schneller, zum Teil durch Übernahmen und Fusionen. „Die Deutsche Bank kann heute bei Deals aller Größenordnungen mithalten“, sagt ein Manager eines internationalen Wettbewerbers. „Daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Aber wenn die Konkurrenz immer mächtiger wird, kann es geschehen, daß die Deutsche eines Tages nicht mehr überall mithalten kann. Und dann hat sie ein Problem.“

Ackermann oder sein Nachfolger werden dem Thema Fusion mit einer anderen großen Bank daher auf längere Sicht nicht ausweichen können, auch wenn die Deutsche derzeit davon nichts hören will. Sollte Ackermann der Bank erhalten bleiben, wäre das der krönende Deal seiner Laufbahn.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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