20.05.2005 · Zwar endet der Vertrag Josef Ackermanns erst gegen Ende 2006. Doch beschließen die Aufsichtsräte großer Aktiengesellschaften in der Regel ein Jahr vorher über eine weitere Amtsperiode.
Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Josef Ackermann muß sich in den kommenden Monaten entscheiden, ob er eine Verlängerung seines Vorstandsvertrages anstrebt. Zwar endet sein laufender Vertrag nach Angaben des Geldhauses erst gegen Ende 2006. Doch beschließen die Aufsichtsräte großer Aktiengesellschaften in der Regel ein Jahr vorher über eine weitere Amtsperiode. Bei Ackermann dürfte dies daher noch in diesem Jahr der Fall sein.
Am Donnerstag hat die Bank versucht, einer Meldung dieser Zeitung vom 19.Mai über Rücktrittsgedanken Ackermanns im Zusammenhang mit einer Neuauflage des Mannesmann-Prozesses den Wind aus den Segeln zu nehmen. Eine neuerliche Gerichtsverhandlung strebt nicht zuletzt Generalbundesanwalt Kay Nehm an. "Berichte über Personaldiskussionen entbehren jeglicher Grundlage. Sie sind absolut spekulativ, und wir dementieren sie", lautet die offizielle Stellungnahme. Ackermann selbst zeigte gestern auf dem ISC-Symposium der Universität St. Gallen, dessen Präsident er ist, keine Anzeichen von Amtsmüdigkeit. Ganz im Gegenteil äußerte er sich überzeugt, daß wegen der überzogenen Angriffe der Sozialdemokraten gegen seine Person sich die negative Stimmung in den Medien ändern werde. Schweizer Banker, die Ackermann aus seiner Zürcher Zeit gut kennen, halten einen vorzeitigen Amtsverzicht für unwahrscheinlich. "Das ist nicht sein Stil, der will das durchstehen", meint zum Beispiel Walter Kielholz, der Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse.
Widerstand gegen Ackermann nicht zu erkennen
Widerstand innerhalb der Bank gegen eine Vertragsverlängerung Ackermanns ist nicht zu erkennen. Sollte er sich dennoch zu einem Amtsverzicht entschließen, stürzte dies Deutschlands größtes Geldhaus in eine Führungskrise, da auch der Aufsichtsratsvorsitzende Rolf Breuer wegen seiner Niederlage als Aufsichtsratschef der Deutschen Börse und der Auseinandersetzung mit dem früheren Medienmogul Leo Kirch angeschlagen ist. Traditionell rekrutiert die Bank den Vorstandssprecher aus der eigenen Führungsriege. Allerdings besteht der Vorstand nach einer Strukturreform durch Ackermann nur noch aus drei Mitgliedern neben dem Vorstandssprecher, von denen sich keines kurzfristig für die Spitzenposition anbietet. Im geschäftlich entscheidenden Group Executive Committee sind Michael Cohrs und Anshu Jain die starken Führungspersönlichkeiten, die aber als englischsprachige Investmentbanker für das Amt des Vorstandssprechers ebenfalls kaum in Frage kommen dürften. Ackermann selbst wurde lange Zeit vorgeworfen, in der Bank einseitig die Investmentbanker zu bevorzugen. Im Jahr 2000 hätten sie eine Fusion von Deutscher Bank und Dresdner Bank verhindert. Vier Jahre später hieß es, Ackermann habe unter dem Einfluß der Investmentbanker in London die bekanntgewordenen Fusionsgespräche mit der amerikanischen Citigroup geführt. Daneben tauchte mehrfach das Gerücht einer Sitzverlagerung der Deutschen Bank nach London auf. Vor diesem Hintergrund war Ackermann in jüngerer Zeit um so mehr bemüht, als Förderer des Finanzplatzes Frankfurt und des Bankgeschäfts in Deutschland aufzutreten.
Wie langfristig die Personalplanung in der Deutschen Bank angelegt ist, zeigt sich nicht zuletzt am Beispiel des amtierenden Vorstandssprechers. Der Schweizer Ackermann war 1996 von der Credit Suisse kommend in den Vorstand eingetreten. 2002 wurde er Vorstandssprecher. Gleichwohl sind strategische Fragen immer noch ungeklärt. So meint zum Beispiel die Investmentbank Merrill Lynch in einer aktuellen Studie, die Deutsche Bank müsse sich endlich zwischen einer Rolle als Investmentbank und einer Bank für Vermögensverwaltung, Firmenkunden und gehobene Privatkunden entscheiden. Bei einer Abwendung vom Investmentbanking seien entsprechende Akquisitionen notwendig - eventuell auch im Inland.
Geschäftliche Erfolge
Geschäftlich hat Ackermann gerade in jüngerer Zeit Erfolge vorzuweisen. 2004 verbesserte die Deutsche Bank ihren Gewinn vor Steuern um 46 Prozent auf vier Milliarden Euro. In diesem Jahr soll die Eigenkapitalrendite vor Steuern von 16 auf 25 Prozent zulegen. Sollte Ackermann einen Amtsverzicht erwägen, würde dies kaum wegen der Bank geschehen. Der Gegenwind kommt vor allem aus Justiz und Politik. Neben seiner Rolle im Mannesmann-Prozeß kam der Vorstandssprecher wegen des Gewinnsprungs 2004 bei gleichzeitigem Personalabbau um weltweit 6400 Mitarbeiter in die Kritik vor allem der SPD. Eher ein Randthema ist die vor wenigen Tagen auf Eis gelegte Honorarprofessur an der Universität Frankfurt.
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