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Digitalisierung : DB Schenker holt sich Tipps aus dem Silicon Valley

Firmenlogo von DB Schenker auf einem Güterwaggon: Das Unternehmen will sich der Digitalisierung annehmen. Bild: dpa

Die Tochtergesellschaft der Bahn entdeckt die Digitalisierung und hat sich bei Google und Co. inspirieren lassen. Bald sollen Algorithmen das Geschäft unterstützen.

          Vor wenigen Tagen trafen sich 120 Topmanager des Logistikkonzerns DB Schenker an einen unwirtlichen Ort. Sie besuchten die alte Dortmunder Kokerei Hansa, die 1992 stillgelegt wurde. Hansa ist heute - so formuliert es die zuständige Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur - eine „begehbare Großskulptur“, die faszinierende Einblicke in die Geschichte der Schwerindustrie des 20. Jahrhunderts biete. Die Logistikmanager jedenfalls waren beeindruckt. Dort, wo mehr als 60 Jahre lang das industrielle Leben in Ofenbatterien brodelte, wo Steinkohle mit Temperaturen von mehr als 1000 Grad Celsius zu Koks gebacken wurde, ist es nur noch dreckig, schmierig, dunkel und kalt.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schenker-Chef Jochen Thewes hatte seinen Grund, die Kollegen aus der ganzen Welt ausgerechnet dorthin einzuladen. Am konkreten Beispiel wollte er ihnen klarmachen: Die Welt verändert sich, heute schneller denn je. Noch präsentiert sich die Logistik als halbwegs stabile Großbranche. Eine Branche, in der die Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn mit ihren 66.000 Mitarbeitern den Markt im europäischen Landverkehr anführt und in der globalen Luft- und Seefracht zu den drei größten Anbietern zählt. Doch Thewes weiß: Der schöne Erfolg von gestern, eine stolze Historie von 145 Jahren, all das zählt morgen nicht mehr. Egal, wie groß und wichtig eine Industrie einmal war, für die Zukunft muss das nichts heißen. Die Digitalisierung krempelt gerade so manchen Wirtschaftssektor um. Warum sollte das, was sich im Hotel- und Taxigewerbe tut - also die wachsende Dominanz von Vermittlern wie Booking.com oder Uber -, ausgerechnet am Transport- und Frachtgeschäft vorbeigehen?

          Thewes zumindest gibt sich überzeugt, dass auch seine Branche vor dramatischen Umbrüchen steht. „Unsere Industrie wird sich grundlegend verändern in der nächsten Zeit, und wir werden uns als Schenker verändern müssen“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. Gerade im reinen Vermittlungsgeschäft, ob das nun ein Voll-Lkw von Hamburg nach München sei oder ein Container von Schanghai nach Rotterdam, werde es herausfordernd:

          „Diese reinen Transportleistungen werden unter Druck kommen.“ Bisher habe man als Industrie kaum darauf reagiert, geschützt von einem komplexen und regulierten Umfeld. Ein Fehler, glaubt Thewes, der seit 2015 an der Schenker-Spitze steht: „Wir haben uns zu lange zu sicher gefühlt.“ In den vergangenen Jahren hätten Internet-Plattformen viel Geld in die Logistik gesteckt. „Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Welle stark anwächst.“

          „Die Digitalisierung ist bei uns inzwischen Chefsache“

          Diese Sorge treibt nicht nur den Logistikableger, sondern den gesamten Bahnkonzern um. Schon Rüdiger Grube hatte als Bahn-Chef im vertraulichen Gespräch seine Befürchtung geäußert, dass das Unternehmen als „Lohnkutscher“ enden könne, wenn man nicht gegensteuere. Also als billiger Zuarbeiter von Online-Anbietern, die künftig die gesamte Reisekette von Haus zu Haus vermitteln. Als „Lohnkutscher“ sei freilich nichts zu verdienen. Deshalb gehörte die Digitalisierung zu den Lieblingsthemen des zurückgetretenen Bahn-Chefs. Und deshalb gehört die Digitalisierung auch zu den Lieblingsthemen der Tochtergesellschaft DB Schenker. „Die Digitalisierung ist bei uns inzwischen Chefsache. Es vergeht keine Vorstandssitzung, wo wir das Thema nicht auf der Agenda haben und prüfen, wo sind die Gefahren, wo gibt es neue Möglichkeiten“, erläutert Thewes.

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