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Reparaturarbeiten : Bahnpendlern droht das Baustellenchaos

Reparieren und sanieren: Konstruktionsmechaniker der Bahn Bild: ddp Images

Die Bahn muss Brücken und Gleise sanieren. Wettbewerber der Bahn fühlen sich beeinträchtigt und schlagen Alarm – sie fordern einen Eingriff seitens der Marktaufsicht.

          Die S7 schlängelt sich durch das Bergische Land von Wuppertal über Remscheid nach Solingen. Seit Ende 2013 fahren dort die silberfarbenen Züge der Privatbahn Abellio, die sich bei der Neuvergabe der Strecke gegen die Deutsche Bahn durchgesetzt hat. Die gewonnene Ausschreibung hat Stephan Krenz schon einige Male Bauchschmerzen bereitet, weil Abellio die zugesicherten Pünktlichkeitsquoten nicht einhalten konnte. Erst mussten die Fahrgäste wegen Reparaturarbeiten an der alten Müngstener Eisenbahnbrücke bei Solingen fast ein Jahr lang auf den Bus umsteigen. Kaum war die Strecke wiedereröffnet, blockierten nach einem Hang-Abrutsch Felsbrocken und Geröll wochenlang die Gleise.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          „Wir müssen Hunderttausende Euro an Pönalen bezahlen, weil sich Reparatur- und Aufräumarbeiten durch DB Netz monatelang hinziehen“, ärgert sich der Vorsitzende der Geschäftsführung. Auf den Kosten ist das Unternehmen, ein Ableger der niederländischen Staatsbahn, sitzengeblieben. Selbst wenn die Netztochter der Deutschen Bahn, auf deren Trassen die Wettbewerbsbahnen angewiesen sind, grob fahrlässig handele, ließen die Schienennutzungsbedingungen keine Schadensersatzforderungen zu, sagt Krenz. „Im Extremfall verdient die DB Netz sogar noch. Wenn Baustellen weiträumig umfahren werden müssen, kassiert sie zusätzliche Trassengebühren.“

          „Es fehlt der finanzielle Anreiz“

          Behinderungen wie auf der S7 sind kein Einzelfall. Hunderte von Eisenbahnbrücken müssen saniert, zahlreiche Streckenabschnitte nachgebessert, Stellwerke und Signalanlagen modernisiert werden. Der Bund hat das Budget dafür eigens aufgestockt. Bahn-Chef Rüdiger Grube veranschlagt den Investitionsbedarf in den kommenden Jahren auf mehr als 30 Milliarden Euro. Ärger ist programmiert. „Wenn es so weitergeht und die Eisenbahnverkehrsunternehmen bei Planung und Umsetzung nicht beteiligt werden, wird es ein Baustellenchaos auf der Schiene geben“, warnt Krenz.

          Er fordert zusätzliche Kompetenzen für die Bundesnetzagentur, damit die Aufsichtsbehörde wirksamer eingreifen kann. Dabei spricht der Manager nicht nur für Abellio, sondern als Präsident des Branchenverbandes Mofair für die gesamte Bahn-Konkurrenz, die darauf pocht, dass ihnen der Staatskonzern bei der Trassennutzung keine Steine in den Weg legt.

          Die Bundesregierung hat zwar im Januar eine Reform der Eisenbahnregulierung auf den Weg gebracht. Darin gebe es aber immer noch keine ausreichenden Vorgaben für die Qualität und Leistungsfähigkeit des Eisenbahnnetzes. „Es fehlt der finanzielle Anreiz, damit die DB Netz besser wird“, sagt Krenz. So vermisst er in dem Entwurf eine Haftungsregelung und ein wirksames Schlichtungsverfahren bei Streitigkeiten über Streckenstörungen. „Wir brauchen unbedingt ein besser abgestimmtes Baustellenmanagement. Es kann nicht sein, dass sich DB Netz regelmäßig zu Lasten der Betreiberunternehmen für die aus ihrer Sicht billigste Lösung entscheidet, ohne die Belange der Betreiber ausreichend zu berücksichtigen“, sagt Krenz. Typisch seien die vielen Vollsperrungen, obwohl häufig durchaus eine einspurige Verkehrsführung möglich bleibe.

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