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„ioki“ : So will die Bahn Uber Konkurrenz machen

In Bad Birnbach gibt es schon eine Teststrecke für autonom fahrende Minibusse. Bild: dpa

Mit dem autonom fahrenden Elektrobus von der Haustür direkt zum Bahnhof und ab in den Zug: So stellt sich die Bahn in Zukunft Mobilität vor. Schon in wenigen Tagen soll es losgehen.

          Zurzeit sorgen sich Taxifahrer vor allem wegen der drohenden Konkurrenz durch den privaten Fahrdienst Uber. Bald aber könnte die Deutsche Bahn sie das Fürchten lehren – mit einer modernen Mischung aus Sammeltaxi und Anrufbus. Unter der Marke „ioki“ will der Konzern Angebote nach Bedarf („On-Demand“) und autonomes Fahren in den öffentlichen Verkehr bringen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Bahn-Personenverkehrsvorstand Berthold Huber sagte am Mittwoch in Berlin: „Unsere Vision ist es, unsere Angebote noch stärker an den individuellen Bedürfnissen unserer Kunden auszurichten, damit sie ihre täglichen Wege einfacher und flexibler gestalten können – ohne eigenes Auto, jederzeit auf Abruf, digital buchbar, in der Stadt wie auf dem Land und mit Anschluss an die Schiene.“ Hubers Plan ist Teil der Digitalisierungsoffensive der Bahn, in der sie Mobilitätsangebote entwickelt, die den Schienenverkehr ergänzen sollen. „Angesichts des Verkehrswachstums und der Probleme mit der Luftqualität brauchen wir einen Mix von Mobilitätslösungen“, sagte Huber. „Der Markt für individuellen öffentlichen Verkehr wächst schnell. Die Bahn will das mit der neuen Plattform unter einen Hut bringen.“

          Die 40 Mitarbeiter von ioki (kurz für: Input Output Künstliche Intelligenz) analysieren für Kommunen und Verkehrsunternehmen den Bedarf nach solchen On-Demand-Lösungen, begleiten behördliche Genehmigungsprozesse, bieten Fahrzeug- und Routenkonzepte sowie digitale Plattformen, über die Fahrgäste die Dienste nutzen können. Die Bahn investiert dafür einen zweistelligen Millionenbetrag.

          Sondergenehmigung für Bad Birnbach

          Funktionieren soll das Ganze so: Der Kunde bestellt sich den (dereinst) autonomen Elektrobus per App zur gewünschten Zeit vor die Haustür, um sich zum Bahnhof fahren lassen. Unterwegs sammelt der Shuttle-Bus weitere Fahrgäste mit ähnlichen Routen ein. Sein Weg wird durch intelligente Algorithmen gesteuert, um unnötigen Zeitverlust zu vermeiden. Die Kunden bezahlen für die Fahrten idealerweise über einen Aufschlag innerhalb des Tarifsystems ihres örtlichen Verkehrsunternehmens. In ausgereifter Form ist das zwar noch Zukunftsmusik. Aber die Deutsche Bahn will Pionier sein, wie Michael Barillère-Scholz, Vice President Autonomous Driving and New Mobility, betont. Die offene Plattform habe den Vorzug, dass Fahrgäste keinen „App-Zoo“ verwalten müssten, wie bei den Wettbewerber mit ähnlichen Angeboten.

          Noch im Oktober soll die erste autonom verkehrende Buslinie Deutschlands im niederbayerischen Bad Birnbach starten. Zunächst fährt der Bus dort noch mit einem Fahrer, der in Krisensituation das Fahrzeug stoppen kann. Zum Eingewöhnen wird die Bahn eine Art Linienverkehr anbieten – und zwar kostenlos. Auch eine Bus-Bestellung per Telefon soll möglich sein, um die Nutzung beispielsweise älteren Fahrgästen ohne Smartphone zu erleichtern. Wegen der rechtlichen Hürden für die Personenbeförderung hat die Bahn sich für Bad Birnbach eine Sondergenehmigung des Landkreises gesichert.

          Erstmal mit professionellen Fahrern unterwegs

          Derzeit gibt es keine standardisierte Zulassung autonomer Fahrten. Bis spätestens 2025 strebt ioki die ersten regulären autonomen Verkehrsangebote an. Dabei legt die Bahn Wert auf den Unterschied zu Uber und betont, man werde bis zur Serienreife des autonomen Fahrens nur mit professionellen Fahrern unterwegs sein.

          Eine Sondergenehmigung gewährt auch Hamburg der Bahn. Dort testet ioki im nächsten Jahr einen per App buchbaren Shuttleservice mit 100 Fahrzeugen zum Anschluss an die S-Bahn. Dabei teilen sich mehrere Fahrgäste ein Fahrzeug. Zudem bekommt Hamburg ein Testfeld mit Bahnhofsanschluss für autonom verkehrende Elektrobusse. Gerade ist die Bahn dabei, geeignete Routen zu identifizieren. Weitere Pilotvorhaben in Deutschland sind in Planung.

          Bahnvorstand Huber hat große Ambitionen: „Der Fahrgast soll möglichst nicht länger als zehn Minuten warten müssen. Wenn die Busse einmal autonom fahren, ist das alles auch zu heutigen Preisen möglich, integriert in die Nahverkehrs-Tarifsysteme“.

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