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Detroit Autoshow Wettlauf in Amerika

08.01.2006 ·  Mit der Verkündung eines neuen Absatzrekords macht Daimler-Chrysler zu Beginn der Automesse in Detroit gute Stimmung. Die deutschen Autobauer reden dort den Diesel stark, da sie vom Hybrid-Boom überrascht wurden.

Von Henning Peitsmeier
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Seine bedeutendste Errungenschaft hat der japanische Autokonzern Toyota in Amerika 109.000 Mal verkauft: Es ist der Mittelklassewagen Prius. Der wird von den Amerikanern nicht so sehr wegen seines eher biederen Äußeren bewundert, sondern wegen seiner inneren Werte. Unter der Haube arbeitet unauffällig ein Hybridmotor, gewissermaßen eine Kreuzung aus Benzin- und Elektroantrieb. Toyotas Prius hat Kultstatus erlangt. Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger bekannte sich ebenso offen zu dem Mischling wie Hollywoodstar Leonardo Di Caprio.

Die Japaner haben einen Boom um den Hybridantrieb ausgelöst. Auf der Detroit Motor Show, der ersten bedeutenden Automesse des Jahres, sind mehr Hybridfahrzeuge denn je zu sehen. Als der Preis für eine Gallone Benzin im vergangenen Sommer auf einmal mehr als drei Dollar betrug, mußten auch die amerikanischen Hersteller General Motors und Ford einsehen, daß spritfressende Geländewagen und schwere Pick-ups selbst mit hohen Rabatten kaum loszuschlagen sind. Nun zeigen GM und Ford in den Detroiter Cobo-Hallen Hybrid-Fahrzeuge.

Deutsche vom Hybrid-Boom überrascht

Die Deutschen sind vom Hybrid-Boom überrascht worden. Zwar kommen aus dem Mutterland des Automobils mit Verspätung ebenfalls Hybride. Doch weil BMW, Mercedes-Benz & Co. nun der Makel von Hybrid-Spätstartern anhaftet und sie den Vorsprung von Toyota vorerst nicht aufholen können, haben sie anderes im Sinn: Nach dem Benzinpreisschock arbeiten sie an einer Diesel-Offensive. Bernd Gottschalk, Präsident des Verbands der Automobilindustrie, redet in Amerika die deutsche Technologie stark: "Je mehr der amerikanische Kunde über gestiegene Kraftstoffpreise und mehr ,miles per gallon' nachdenkt, desto größer werden die Chancen des Diesel. Seine Kraftstoffeffizienz macht ihn immer attraktiver."

Das stimmt. Doch der Selbstzünder ist in Amerika nur bei Lastern gefragt, hat ansonsten den Ruf einer Uralt-Technologie. Hybrid ist hip, klingt nach Zukunft, Diesel ist dreckig und stinkt - so weit die Vorurteile. Und wer fährt mit seiner Luxuskarosse schon gern an die Lkw-Zapfsäule? Zur Diesel-Geschichte in Amerika gehören auch einige fehlgeschlagene Selbstzünder-Versuche. In den achtziger Jahren scheiterte GM mit einem Diesel-Cadillac, und selbst die erste Diesel-S-Klasse von Mercedes-Benz (ein 300 SD) verkaufte sich nur schleppend.

Neue Chance für Diesel?

Doch im Oktober wird in den Vereinigten Staaten ein verbesserter Diesel-Kraftstoff für Personenwagen an den Tankstellen Einzug halten. Sollte die neue SRC-Dieseltechnologie (Harnstoffanreicherung) die komplizierten kalifornischen Abgasvorschriften von 2008 an schaffen, könnte der Diesel gegenüber dem Hybrid doch noch salonfähig werden. "Die Kunden registrieren schon, daß der Diesel auf längeren Strecken deutliche Vorteile hat. Schon heute kommen in Amerika auf ein Hybrid-Fahrzeug zwei bis drei Diesel", argumentiert VDA-Boss Gottschalk.

2004 wurden nach Angaben des Forschungsinstituts Polk 517.700 Diesel in Amerika zugelassen und 83 000 Hybrid-Autos. Allerdings ist der Pkw-Anteil beim Diesel nur in homöopathischen Dosen meßbar, während Toyota und auch Honda fast ausschließlich Personenwagen mit motorischen Doppelpacks anbieten. Und die Hybride wachsen überproportional. Toyotas treibstoffsparender Hybrid-Antrieb ist das Maß aller Dinge. Auch wenn er bei einem jährlichen Gesamtmarkt von rund 17 Millionen Fahrzeugen 2005 mit fast 200 000 Verkäufen ein Nischendasein führt, beeindrucken die Steigerungsraten: 2007 werden in Amerika mehr als 400 000 Hybride verkauft werden, heißt es in einer Studie von J.D. Power.

Achtzylinder-Hybrid von Toyota

Toyota läßt keine Automesse aus, um nicht immer neue Hybrid-Autos vorzustellen. In Detroit debütiert das Spitzenmodell eines Lexus LS480h mit Achtzylinder-Hybrid. Erschwinglich für die Masse dürfte der Toyota Camry sein, der schon als Benziner das Lieblingsauto der Amerikaner ist.

Lange haben die Deutschen die Japaner belächelt, haben wie der damalige Mercedes-Chef Jürgen Hubbert über die zweifelhafte Ökobilanz gewitzelt oder wie VW-Chef Bernd Pischetsrieder über die "Vergewaltigung der Physik" gelästert. Die physikalischen Vorzüge des Hybrid mögen nur im Stop-and-go des Stadtverkehrs zum Tragen kommen, wenn das Auto benzinsparend mit Batterie fährt, ansonsten aber wegen des höheren Gewichts auf allen übrigen Strecken sogar mehr Sprit verbraucht - den Amerikanern ist es egal. "Zugegeben", sagt Christoph Stürmer vom Prognoseinstitut Global Insight, "Toyotas Hybrid-Motor ist in erster Linie ein Marketingerfolg." Auch Stürmer sieht den Diesel-Direkteinspritzer des BMW 745d klar im Vorteil gegenüber dem Achtzylinder-Hybrid im Lexus. Dennoch: "Auf absehbare Zeit erwarten wir nicht, daß die Diesel-Technologie in Amerika einen Marktanteil von mehr als 10 Prozent erreicht, der Hybrid kann dagegen 25 Prozent erreichen."

Daimler-Chrysler meldet Absatzrekord

Vielleicht gelingt es Daimler-Chrysler, das Rennen gegen den Hybrid offener zu gestalten. In Detroit zeigt der Konzern zwar Diesel-Autos, nennt sie aber nicht mehr so. "Blue tech" heißt das Zauberwort. Und dann feiert Daimler auch noch die Weltpremiere der Mercedes GL-Klasse: Spitzenmotorisierung des siebensitzigen Geländewagens ist ein 4,6 Liter großer Achtzylinder mit 340 PS - der Benzin verbraucht.

Gute Stimmung verbreitet Daimler-Chrysler zum Start der Show durch die Mitteilung, im Jahr 2005 einen Absatzrekord von mehr als vier Millionen Autos eingefahren. Wie das Unternehmen am Sonntag mitteilte, hat die AG den weltweiten Absatz ihrer Pkw-Marken damit um 3,8 Prozent auf genau 4.046.700 Einheiten gesteigert. Der neue Vorstandschef Dieter Zetsche erklärte: „Sowohl die Chrysler Group als auch die Mercedes Car Group sind 2005 trotz schwieriger Rahmenbedingungen in der Automobilindustrie weltweit gewachsen.“ Für die Zukunft sieht er dank der Konzern-Produkte „eine solide Grundlage für nachhaltiges profitables Wachstum“.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.01.2006, Nr. 1 / Seite 35 mit Material von AP
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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent in München.

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