12.01.2010 · In Detroit beginnt die Automesse. Die amerikanischen Hersteller wollen nach überstandener Radikalkur ein Lebenszeichen von sich geben und Hoffnung verbreiten. Das wird nicht leicht, denn der Automarkt erholt sich nur langsam.
Von Roland Lindner, DetroitAus Sicht der amerikanischen Autobranche ist das einzig Gute am Jahr 2009, dass es endlich vorüber ist. Die Region um die amerikanische Autometropole Detroit, in der die drei großen amerikanischen Autohersteller General Motors (GM), Ford und Chrysler ihren Sitz haben, kämpft schon seit Jahren gegen einen allmählichen Niedergang. Aber 2009 war das Jahr eines beispiellosen Bebens, das in die Geschichtsbücher eingehen wird. GM und Chrysler stürzten in die Insolvenz - und die Unternehmen sind nur deshalb nicht vollständig liquidiert worden, weil die amerikanische Regierung ihnen Milliardenbeträge für die Sanierung zuschoss. GM ist heute mehrheitlich ein Staatskonzern. Eine unfassbare Demütigung für das einst stolze Unternehmen.
Die North American International Auto Show (NAIAS), die am Montag in Detroit begonnen hat, ist für die amerikanischen Autohersteller die Gelegenheit, ein Lebenszeichen von sich zu geben. Leicht wird das nicht, denn es ist bestenfalls eine zaghafte Erholung des Automarktes zu erwarten. Trotzdem wird damit gerechnet, dass die Stimmung auf der Messe diesmal nicht ganz so desolat ist wie im vergangenen Jahr, als die Wirtschaftskrise auf einem Höhepunkt war und die Branche noch mitten in einer Abwärtsspirale steckte. Nach den überstandenen Radikalkuren dürfte diesmal zumindest ein bisschen Hoffnung in die Messehallen des Cobo-Center in Detroit zurückkehren. Schließlich kann es schlimmer als 2009 kaum noch kommen.
Verlust auch bei Toyota
Vor einem Jahr ließ die Trostlosigkeit auf der Messe erahnen, welche Erschütterungen der Branche bevorstanden. Einige Hersteller waren der Messe gleich ganz ferngeblieben, was für brache Flächen in der Halle sorgte. Andere beschränkten sich auf einen Minimalauftritt: Chrysler zum Beispiel, traditionell für aufwendige Messepräsentationen bekannt, hatte nur einen großen Teppich ausgelegt, auf dem Autos geparkt wurden. In den Monaten nach der amerikanischen Automesse jagte dann eine Schreckensmeldung die nächste. Die Regierung drängte Chrysler und GM in die Insolvenz. Chrysler ging dabei eine Notallianz mit dem italienischen Fiat-Konzern ein. GM wurde unter Staatskontrolle gestellt und sah sich gezwungen, mehrere Marken wie Pontiac oder Saturn sterben zu lassen.
Die schlechten Nachrichten beschränkten sich aber nicht nur auf amerikanische Hersteller. Selbst das Vorzeigeunternehmen Toyota aus Japan musste erstmals in seiner Geschichte einen Verlust vermelden. Der Autoabsatz auf dem amerikanischen Markt stürzte insgesamt im vergangenen Jahr um 21 Prozent auf 10,4 Millionen Fahrzeuge ab. Bis vor wenigen Jahren hatte die Branche noch regelmäßig mehr als 16 Millionen Autos verkauft.
Ford schlägt sich besser als die Konkurrenz
Es gab allerdings auch ermutigende Signale. So konnte sich Ford von seinen beiden amerikanischen Konkurrenten abgrenzen. Das Unternehmen brauchte keine milliardenschweren staatlichen Finanzspritzen und konnte ein Insolvenzverfahren vermeiden. Ford ist von der Krise keineswegs unberührt geblieben, schlägt sich aber besser als die Konkurrenz. Der Autoabsatz des Unternehmens sank auf dem Heimatmarkt im vergangenen Jahr um 15 Prozent, GM und Chrysler mussten Rückgänge von 30 und 36 Prozent hinnehmen. In seinem jüngsten Quartalsbericht wies Ford sogar überraschend einen Nettogewinn von fast einer Milliarde Dollar aus.
Allgemein hat sich das Bild zum Jahresende hin etwas aufgehellt. Im Dezember legten die Verkaufszahlen in Amerika deutlich zu - es war der zweitbeste Monat des Jahres nach dem August, als das Geschäft von der staatlichen Abwrackprämie angekurbelt wurde. Mit Blick auf das neue Jahr herrscht in der Branche keinesfalls Euphorie, aber immerhin die Hoffnung auf eine zaghafte Belebung des Geschäfts. Die Absatzprognosen von Experten und Unternehmen für den amerikanischen Markt bewegen sich um 11,5 Millionen Fahrzeuge. Das würde einem Wachstum von mehr als 10 Prozent gegenüber 2009 entsprechen, läge damit aber noch immer deutlich unter dem Niveau früherer Jahre. Weltweit sagt das CAR-Institut der Universität Duisburg für dieses Jahr einen Absatzzuwachs von 4 Prozent auf 55 Millionen Fahrzeuge voraus.
Nur 41 Neuheiten
Auf der Messe in Detroit werden sich einige Hersteller bemühen, Aufbruchstimmung zu verbreiten. Richtig klotzen will Ford mit einer Ausweitung seiner Standfläche um fast 50 Prozent. Dies sei der größte Messestand in der Geschichte des Unternehmens, heißt es. Sogar zwei Fertigungsroboter karrt der Hersteller in die Halle. Chrysler zeigt sich diesmal zumindest wieder mit einem echten Messestand und entsprechenden Requisiten. Auf der anderen Seite wird Chrysler diesmal radikal mit einer Tradition brechen und keine offizielle Pressekonferenz abhalten. Das unterstreicht nach Auffassung von Analysten, dass das Unternehmen keine Neuheiten im Köcher hat. Der mangelnde Nachschub an neuen Produkten gilt in der Branche als die größte Herausforderung des Unternehmens.
Die Messe liefert noch andere Indizien, dass die Krise noch längst nicht vorüber ist. So wurde die Veranstaltung in diesem Jahr verkürzt. Sie fängt erst an einem Montag an und nicht wie üblich an einem Sonntag. Zudem wird es in Detroit diesmal nur 41 Neuheiten geben - nach 53 beziehungsweise 58 in den beiden Vorjahren. Auf der diesjährigen Messe wird sich der Trend zu kleineren und energiesparenden Autos fortsetzen. Die Zeiten, in denen vor allem die amerikanischen Hersteller große Pick-up-Transporter und andere Benzinschlucker in den Vordergrund rückten, scheint endgültig vorbei zu sein.
Die Deutschen wollen wieder einen starken Auftritt
Ford zeigt die neue Version seines Kompaktwagens Focus. Auch die schon im Dezember auf der Automesse in Los Angeles enthüllte Version des Kleinwagens Fiesta für den amerikanischen Markt dürfte in Detroit prominent plaziert werden. GM stellt eine Studie für die nächste Generation des Kleinwagens Aveo vor. Auch alternative Antriebe werden in Detroit wieder eine große Rolle spielen. Toyota setzt weiterhin auf Hybrid-Autos, die mit einer Mischung aus Elektro- und Verbrennungsmotor laufen. Das Unternehmen will in Detroit ein kleineres Hybrid-Auto, unterhalb des erfolgreichen Modells Prius, präsentieren. Die Messe hat zudem in diesem Jahr zum ersten Mal eine separate Fläche für Elektroautos verschiedener Hersteller geschaffen.
Die deutschen Hersteller wollen an ihren starken Auftritt im vergangenen Jahr anknüpfen, als sie mit einigen viel beachteten Neuheiten für Furore sorgten. Unter anderem bringt BMW ein Elektroauto für die Einser-Reihe als Studie nach Detroit. Mercedes-Benz zeigt die Cabrio-Version der E-Klasse. Audi bringt die neue Version des A8, die im Dezember auf einer separaten Veranstaltung ihre Weltpremiere feierte, erstmals auf eine Messe.
Chinesische Unternehmen immer aggressiver
Viel Aufmerksamkeit dürften die chinesischen Hersteller finden, zumal das Land im vergangenen Jahr die Vereinigten Staaten erstmals als größten Automarkt der Welt abgelöst hat. Chinesische Unternehmen werden auch immer aggressiver bei der Akquisition westlicher Marken und Technologien. So steht Geely vor der Übernahme der schwedischen Marke Volvo, die bislang Ford gehört. Baic hat den Kauf von Technik der ebenfalls schwedischen Marke Saab vereinbart, die von GM zur Schließung freigegeben worden ist. In Detroit wird unter anderem der chinesische Hersteller Byd vertreten sein. Auf einer Veranstaltung am Rande der Messe will das indische Unternehmen Tata erstmals in Amerika sein Mini-Auto Nano zeigen, das im vergangenen Jahr bei seiner Enthüllung als „billigstes Auto der Welt“ Schlagzeilen machte.
Vor wenigen Tagen hatten Gerüchte die Runde gemacht, wonach der amerikanische Präsident Barack Obama nach Detroit kommen könnte. Das Weiße Haus hat dies mittlerweile dementiert. Trotzdem wird die Politik auf der ersten Detroiter Messe nach den spektakulären Staatsbeteiligungen Präsenz zeigen. Für den Montag hat sich eine Delegation des amerikanischen Kongresses unter der Führung von Nancy Pelosi, der Sprecherin des Repräsentantenhauses, zu einem Besuch angesagt. Pelosi sowie der amerikanische Verkehrsminister Ray LaHood kündigten außerdem separate Pressekonferenzen an. LaHood versuchte am Eröffnungstag Aufbruchstimmung zu verbreiten. Er sagte, die Staatshilfen seien eine gute Investition gewesen: „Heute ist ein neuer Tag für die Industrie.“ In die gleiche Kerbe schlug GM-Chef Ed Whitacre, der zudem fast die gleichen Worte wählte: „GM war für die Regierungen eine gute Investition. Wir werden alles zurückbezahlen und ihre Erwartungen übertreffen“, versprach er.
| Name | Kurs | Prozent |
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| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2428 | −0,48% |
| Rohöl Brent Crude | 104,33 $ | −2,36% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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