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Detroit-Auto-Show Das Hybridauto trifft den Zeitgeist

11.01.2005 ·  Der kombinierte Verbrennungs- und Elektromotor ist das Messethema in Detroit. Hohe Wachstumsraten werden erwartet und die deutschen Anbieter hinken hinterher.

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Arnold Schwarzenegger hat eine Vorliebe für das Hybridauto entwickelt. Der Gouverneur von Kalifornien gesteht den Fahrzeugen mit kombiniertem Verbrennungs- und Elektromotor das Privileg zu, auf den Autobahnen die für Fahrgemeinschaften reservierten Fahrspuren zu nutzen, selbst wenn nur eine Person im Auto sitzt; ein wertvolles Privileg mit Blick auf die verstopften Straßen in den Metropolen Los Angeles und San Francisco.

Schwarzenegger trifft den Zeitgeist, der auch auf der Detroit Auto Show gepflegt wird und Messethema ist. General Motors räumt ihm einen ungewöhnlich breiten Raum ein, präsentiert nicht nur den sportlichen Geländewagen GMC Graphyte als Konzeptauto, sondern präsentiert prominent den Opel Astra Diesel Hybrid. Dabei gibt es die Marke in den Vereinigten Staaten gar nicht. Ford stellt inmitten seiner Sport-Geländewagen (SUV) seinen Escape auf, als wäre ein Hybridauto das normalste der Welt. Mercedes erlaubt sich die Präsentation der S-Klasse, mit Hybridmotor, versteht sich. Und schließlich stellt der Pionier des Hybrids, Toyota, seine Produktpalette auf einer Fläche aus, die so groß ist wie dessen stark beworbene neue Marke Scion.

„Ultimative Antwort auf Fragen der Umwelt“

"Der Hybridmotor ist die ultimative Antwort auf die Beseitigung des Ungleichgewichtes in der Umwelt", sagte GM-Chef Rick Wagoner in Detroit. Haken an der Sache ist, daß die umweltfreundliche Antriebstechnologie, die 25 bis 30 Prozent Treibstoff einspart und damit den Schadstoffausstoß deutlich vermindert, eher für Stadtfahrten denn für lange Strecken geeignet ist. Daß sich ausgerechnet Schwarzenegger für den Hybrid stark macht, liegt an den Umweltauflagen für Emissionen in Kalifornien, den härtesten der Welt überhaupt. Und die Nachfrage im Sonnenstaat wird wohl Haupttreiber für die erwarteten starken Zuwachsraten im Absatz des Hybrid sein und für dessen wachsende Popularität. Das belegt auch eine Umfrage der Unternehmensberatung KPMG unter 110 Spitzenmanagern aus der Autoindustrie: 74 Prozent der Befragten sehen vor allem bei diesen Fahrzeugen Wachstumspotential.

Das Prognose-Institut B & D Forecast rechnet für 2010 mit einem Absatz allein in Amerika von 1,2 Millionen Hybriden, 7 Prozent des unterstellten Gesamtmarktes von 17 Millionen Autos gegenüber erwarteten rund 250.000 Autos (Anteil 1,4 Prozent) in diesem Jahr. Fünf Jahre später soll der Absatz 3 Millionen Hybridautos erreichen, womit der Anteil am stagnierenden Gesamtmarkt fast 18 Prozent erreicht und damit das Gros der von B & D Forecast weltweit erwarteten mehr als 5 Millionen Verkäufe darstellt, mit je 1 Million Stück in Europa und Japan. Gefördert werde der Absatz durch steigende Benzinpreise. Zudem müsse der Hybrid nicht gegen das vorhandene Vorurteil des Diesels ankämpfen.

Jünger, gebildet, besser verdienend kauft Hybrid-Autos

Es sind vor allem jüngere, gebildete und besser verdienende Käuferschichten, die sich den derzeitigen Luxus eines Preisaufschlages für den Hybrid von rund 3.000 Dollar im Vergleich zum traditionellen Auto leisten, der durch die Treibstoffersparnisse kaum zu kompensieren ist. "Schaut her, ich bin ein Grüner", charakterisiert Bob Lutz, zweiter Mann bei GM und verantwortlich für Produktentwicklung, die Einstellung eines Hybrid-Fahrers. Damit liefert er zugleich eine weitere Erklärung für das Modethema: Das Hybridauto verbessert werbewirksam das Image der Hersteller und spricht damit lukrative Käuferschichten an.

Selbst Porsche nimmt sich des Themas an und hat Interesse an der Toyota-Hybrid-Antriebstechnik für seinen sportlichen Geländewagen (SUV) Cayenne gezeigt. Und nun arbeiten General Motors und Daimler-Chrysler in einem Milliardenprojekt zur Entwicklung einer neuen, leistungsstärkeren Hybrid-Generation zusammen, deren Motoren schon 2007 in wichtigen und volumenträchtigen GM- sowie Chrysler-Modellen in den Vereinigten Staaten sowie in einigen Mercedes-Autos eingebaut werden sollen. Dazu werden die beiden Partner in einem Gemeinschaftsunternehmen die Entwicklung bündeln, um sich die hohen Entwicklungskosten zu teilen. Jeder der beiden muß einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in Euro dafür bereitstellen. Dieses neue Projekt könnte dem Minisegment der Hybridautos einen neuen Schub geben. Mit der Technologie sollen sportliche Fahrleistungen und sparsamer Verbrauch auch in schweren Fahrzeugen möglich werden.

Das konnte der Toyota Prius als ausgereiftes und mit Abstand führendes Modell bisher nicht leisten. Doch auch die Japaner, die 1997 erstmals dieses Auto angeboten haben, arbeiten an einer Leistungssteigerung und an einer erweiterten Palette; eine Herausforderung für die Konkurrenz. In diesem Jahr wollen die Japaner 300.000 Hybridfahrzeuge weltweit verkaufen, mit Abstand die meisten in den Vereinigten Staaten. Im vergangenen Jahr produzierte Toyota 120.000 Hybrideinheiten, 2 Prozent der Gesamtproduktion der Konzerns. In den Vereinigten Staaten verkauft sich der Prius so häufig wie die Mercedes E-Klasse.

Deutsche Marken setzen auf verbesserte Dieselmotoren

Die deutschen Marken haben auf spritsparende und auch technologisch deutlich verbesserte Dieselmotoren für den amerikanischen Markt gesetzt. Aber: "Die deutschen Hersteller laufen vier bis fünf Jahre hinterher", resümiert Ferdinand Dudenhöffer von B & D Forecast. "Wie beim Diesel-Partikelfilter hat der Stolz der deutschen Ingenieure dazu geführt, daß der Hybrid nicht ernst genommen wurde." Das Gemeinschaftsunternehmen von GM und Daimler-Chrysler zeigt aber auch, daß beide den Hybrid als eine Überbrückungsstrategie nutzen, bis andere alternative Antriebskonzepte wie Brennstoffzelle oder Wasserstoff marktfähig werden. Seit vielen Jahren arbeiten die Unternehmen bereits an der Entwicklung solcher Konzepte. Doch die Marktreife ist vor 2010 nicht zu erwarten.

Quelle: kön., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.01.2005, Nr. 8 / Seite 14
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