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Der Vorstandschef der Sony-BMG im Gespräch „Mit der Musikflatrate bekommen Sie alles von uns“

Sony-BMG, der zweitgrößte Musikkonzern der Welt, kündigt die rasche Einführung eines pauschalen Abonnementangebots im digitalen Musikvertrieb an. Im Interview mit der F.A.Z. erklärt Vorstandschef Rolf Schmidt-Holtz, wie er mit seiner Flatrate die Talfahrt der Musikbranche stoppen will.

© Andreas Pein Vergrößern Rolf Schmidt-Holtz: „Ich bin mir sicher, dass die großen Musikkonzerne weiter gebraucht werden”

Sony-BMG, der zweitgrößte Musikkonzern der Welt kündigt ein neues Abonnement-Angebot und Kooperationen mit Handyherstellern an. Im Interview mit der F.A.Z. spricht Rolf Schmidt-Holtz, wie er so die Talfahrt der Musikbranche stoppen will.

Herr Schmidt-Holtz, eine ganze Generation junger Menschen will für Ihre Musik nichts mehr bezahlen. Wie soll es weitergehen für Plattenkonzerne wie Sony-BMG?

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Erstaunlich gut wird es weitergehen für uns. Weil wir mittelfristig durch attraktive digitale Angebote und neue Geschäftsmodelle wieder Wachstum sehen werden. Und weil wir fantastische Künstler haben - Etablierte wie Newcomer. Nehmen Sie nur Leona Lewis dieses Jahr. Deshalb geht es Sony-BMG sehr gut. Wir haben den Gewinn im vergangenen Jahr um 15 Prozent gesteigert, obwohl der Musikmarkt letztes Jahr weltweit um etwa 10 Prozent geschrumpft ist.

Wie hat dieses Jahr begonnen?

Für uns sehr gut. Aber der CD-Absatz im Markt fällt mindestens genau so stark wie im vergangenen Jahr.

Das Wachstum im Digitalgeschäft kann die Einbußen bei den CDs nicht ausgleichen. Wann bekommt die Musikindustrie wieder festen Boden unter die Füße?

Das ist die Hunderttausend-Dollar-Frage. Ich erwarte, dass die Branche noch zwei bis drei Jahre schrumpft, sich dann stabilisiert und danach wieder wächst.

Wie wollen Sie das schaffen?

Wir haben viele Ideen. Zum Beispiel ein Abonnement-Angebot im digitalen Musikvertrieb, an dem wir zur Zeit arbeiten. In der einfachsten und vielleicht attraktivsten Variante wäre das eine Art Musikflatrate für alle Mp3-Spieler inklusive den iPod: Für einen monatlichen Beitrag steht Ihnen die gesamte Musikwelt offen. Mit der Musikflatrate bekommen Sie alles von uns - vom brandneuen Charthit bis zu Beethoven.

Abonnement heißt: Wenn ich nicht mehr weiterbezahle, kann ich auch nichts mehr anhören. Richtig?

Wenn Sie das Abonnement nicht verlängern, wird natürlich auch der Musikzugang gesperrt. Es wäre aber sogar vorstellbar, dass die Kunden die Musik teilweise eben nicht nur anhören können, sondern auch einige Titel downloaden und damit besitzen. Sie können sich so eine digitale Musiksammlung aufbauen.

Wie viel würde das kosten?

Sechs bis acht Euro im Monat sind realistisch. Das ist halb so viel, wie eine CD kostet. Und bedenken Sie: Am Ende des Jahres würden Ihnen zusätzlich 40 oder 50 Lieder gehören.

Und rechnet sich das für Sie?

Wenn es genügend Interessenten gibt, ja. Unsere Marktforschung zeigt, dass eine große Zahl von Kunden ein solches Angebot attraktiv findet.

Kommt die Musikflatrate dieses Jahr?

Wenn alles glatt läuft, kann es klappen. Wir führen Gespräche.

Auch mit den anderen großen Musikkonzernen?

Das Angebot wird umso attraktiver, je größer die Musikauswahl ist. Ich sage nicht, dass es uninteressant wäre, wenn wir es allein machen. Aber es wäre sicher nicht so spannend.

Können Sie Ihre Musikflatrate ohne den Marktführer Apple durchsetzen?

Apple ist ein sehr starker Partner für uns. Wir reden mit Apple, so wie wir mit vielen anderen Unternehmen auch reden.

Ist Apples Macht zu groß?

Der Marktanteil ist riesig. Andererseits hat Apple ein tragfähiges digitales Geschäftsmodell für den Musikmarkt entwickelt, und davon profitieren wir beide.

Sie könnten Apple ja boykottieren und auf andere Vertriebspartner setzen?

Das wäre gegenwärtig nicht in unserem Interesse, und wenn wir es vorhätten, würde ich es Ihnen nicht sagen.

Können Sie denn von den 99 Cent, die Apple heute für den Download eines Lieds verlangt, leben?

Verglichen mit den Margen im CD-Geschäft, ist unsere digitale Gewinnspanne gut. Aber wir können trotzdem nicht glücklich mit den heutigen Preisen sein. Sie spiegeln den Wert der Musik nicht ausreichend wider. Unsere Marktforschung zeigt, dass die Kunden bereit sind, für die richtige Musik mehr zu zahlen. Und wir werden versuchen, dies durchzusetzen.

Wie denn?

Zum Beispiel gibt es die Kooperation „Comes with Music“, die Universal Music mit Nokia abgeschlossen hat. Wer ein bestimmtes Handy kauft, zahlt einen einmaligen Aufpreis und hat somit unbegrenzten Zugang zur Musik. Man bezahlt also für die Musik im Paket mit einem Mobiltelefon. Das ist eine große Wachstumschance für die Musikindustrie.

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