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James Bond : Der längste Werbespot der Welt

Mit der Lizenz zum Werben für Omega: Daniel Craig. Bild: AP

Im neuen James-Bond-Film „Spectre“ jagt wieder ein Markenprodukt das nächste. Die Produktionskosten sind immens. Die Wirkung von 007 ist es aber auch – so hoffen zumindest die Werbepartner.

          Wenn am Montagabend in London der neue James-Bond-Film „Spectre“ Weltpremiere feiert, dann wird auf der Leinwand der feinen Royal Albert Hall am Hyde Park nicht nur ein 150 Minuten dauerndes Feuerwerk technischer Spielereien zu sehen sein, sondern auch eine Dauerwerbesendung. Der Anzug von Tom Ford, die Uhr von Omega, die Unterhose von Sunspel: Kein anderer Kinofilm weckt derart die Begehrlichkeiten von Markenherstellern wie James Bond alias 007. Und bei keinem anderen sind die Produzenten so aufgeschlossen, Produkte zu inszenieren – irgendwie müssen die Produktionskosten von angeblich mehr als 270 Millionen Euro schließlich finanziert werden.

          Julia Löhr

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Für keinen der vielen Werbepartner ist 007 so wertvoll wie für Aston Martin: „Die Beziehung zwischen uns und James Bond ist für uns und unsere Kunden extrem wichtig“, sagt Andy Palmer, der Vorstandschef der britischen Sportwagenschmiede. „Untrennbar“ seien die beiden Marken 007 und Aston Martin, glaubt Palmer. „Die eine ist ohne die andere schwer vorstellbar.“ Seit mehr als einem halben Jahrhundert profitiert das Unternehmen vom Ruhm des Geheimagenten ihrer Majestät: 1964, in „Goldfinger“, ist 007 zum ersten Mal in einen Aston Martin gestiegen. Das damals von Sean Connery über Schweizer Alpenpässe gelenkte Modell DB5 wurde dadurch zur Autolegende.

          Der seltenste Aston Martin aller Zeiten

          In zwölf der bislang 24 Bond-Filme fährt 007 einen Aston Martin. Für „Spectre“ hat das Unternehmen eigens ein – zumindest optisch – vollkommen neues Auto entworfen: Von dem Modell DB10 wurden nur zehn Exemplare gebaut – ausschließlich für die Filmaufnahmen, mit futuristischer Karbonfaser-Karosserie und einem Cockpit, das aussieht wie aus einem Computerspiel. Im Film hat der seltenste Aston Martin aller Zeiten seinen großen Auftritt während einer aberwitzigen Verfolgungsfahrt durch Rom. Auch wenn man es angesichts der wüsten Fahrweise des Geheimagenten kaum glauben mag: „Alle Autos haben die Dreharbeiten überlebt“, versichert Unternehmenschef Palmer.

          Stimmt es, dass Aston Martin für die Leinwandpräsenz seiner Produkte kein Geld an die Bond-Filmproduktionsgesellschaft Eon überweist? Solche indiskreten Fragen bürstet der Brite Palmer mit einem routiniert-knappen „Wir reden nicht über unsere Vertragsbeziehung“ ab. Kein Geheimnis ist dagegen, dass 007 der kleinen und wirtschaftlich gebeutelten englischen Edelmanufaktur nicht nur Publicity bringt, sondern auch dringend benötigte Extraerlöse: Um das schleppende Geschäft der Marke anzukurbeln, brachte Aston Martin dieses Jahr eine limitierte 007-Sonderedition seines Standardmodells DB9 auf den Markt.

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          Das Auto sieht zwar nicht ganz so spektakulär aus wie der Filmrenner von Hauptdarsteller Daniel Craig, dafür aber konnten betuchte Fans es käuflich erwerben: Das Sondermodell kostete mit 222.000 Euro noch einmal rund 35.000 Euro mehr als der herkömmliche DB9. Die 150 Exemplare der Bond-Edition waren dennoch sofort ausverkauft. Bei Großkonzernen mögen solche Stückzahlen kaum ins Gewicht fallen, doch für den Kleinserienhersteller Aston Martin ist das Extrageschäft mit 007 ein Geschenk des Himmels – zumal das Unternehmen seit Jahren hohe Verluste schreibt. Als Dankeschön bekamen die Käufer zu ihrem neuen Auto auch gleich noch eine James-Bond-Armbanduhr – natürlich vom Schweizer 007-Sponsor Omega.

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