10.06.2009 · Seinen Vater setzte er in einem unblutigen Putsch ab, mit der Ausbeutung enormer Gasvorkommen modernisierte er sein Land: Der Emir von Qatar ist Diplomat, Unternehmer und Autonarr. Nun möchte er bei Porsche einsteigen.
Von Rainer HermannSeine Frau Mouza Bint Nasser Al Missned ist in den konservativen Golfmonarchien die einzige First Lady, die öffentliche Aufgaben wahrnimmt. Ihrem Mann, Scheich Hamad Bin Khalifa Al Thani, ist sie die erste Beraterin, und den Frauen von Qatar ist sie ein Rollenvorbild. Welchen Einfluss sie auf die Entscheidung der Herrscherfamilie nimmt, ob sie sich zum Beispiel an Porsche beteiligt, dringt nicht an die Außenwelt. In Berlin aber, das sie vor zwei Wochen besucht hat, bestätigte sie, dass Qatar natürlich an Porsche interessiert sei und mit dem Sportwagenhersteller verhandle.
Der Emir und seine Frau stehen für die Modernisierung eines kleinen Staats, der halb so groß ist wie Hessen, weniger als 1 Million Einwohner zählt, nach Russland und Iran aber über die drittgrößten Gasreserven der Welt verfügt. 14,4 Prozent aller bekannten Gasvorkommen liegen unter dem Boden von Qatar. Das macht die Untertanen des Emirs mit einem durchschnittlichen Einkommen von 100.000 Dollar pro Kopf zu den reichsten Bürgern auf dem Planeten.
Jährlich 20 Milliarden Dollar für Einkaufstouren im Ausland
Den Grundstein dazu legte Scheich Hamad Bin Khalifa, als er 1995 seinen Vater, der gerade in der Schweiz weilte, mit einem unblutigen Putsch absetzte. Der Vater wollte alles beim Alten lassen, der Sohn aber wollte in einer Region, die zu einem großen Sprung ansetzte, nicht länger das Schlusslicht sein. Als neuer Emir gab er den Befehl, mit der Ausbeutung der sagenhaften Gasvorkommen zu beginnen. Seither hat Qatar in die Gasförderung und in die petrochemische Industrie insgesamt 120 Milliarden Dollar investiert. Qatar ist seit Jahren eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften überhaupt. 2008 erreichte das Bruttoinlandsprodukt erstmals fast den Wert der seit 1995 getätigten Investitionen.
Die Gasbonanza spült Beträge, die das Land gar nicht absorbieren kann, in die Schatulle des Emirs. Er beauftragte seinen Cousin, den Ministerpräsidenten Hamad Bin Dschassim Al Thani, den er an die Spitze des Staatsfonds QIA berief, das Geld für die Zukunft anzulegen. Erst 2005 hatte Qatar seinen Staatsfonds gegründet. Seit dem Beginn der Krise erwarb die QIA auch 16 Prozent an der Bank Barclays und 10 Prozent an der Credit Suisse. Der Wert der QIA-Beteiligungen erreichte Mitte vergangenen Jahres 75 Milliarden Dollar. Davon ließ die Krise ein Drittel vorläufig wegschmelzen. Fachkreise schätzen aber, dass dem Emir und seinem Cousin für Einkaufstouren im Ausland weiter in jedem Jahr 20 Milliarden Dollar zur Verfügung stehen. Mit einem Zehntel davon könnten sie sich mit 25 Prozent an dem hoch verschuldeten Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche beteiligen.
Qatars Zukunft: Eher Bildungsstandort als Energielieferant
Geboren im Jahr 1950 und ausgebildet an der britischen Militärakademie Sandhurst, ist der Emir heute mehr Diplomat und Unternehmer denn Militär. Verteidigungsminister war er noch unter seinem Vater. Als er selbst Staatsoberhaupt wurde, machte er sich mit einer eigenwilligen Außenpolitik einen Namen, die mit vielen Tabus brach. Er scherte aus dem Israel-Boykott der arabischen Welt aus und pflegt seither gleichzeitig gute Beziehungen zu Israel und zu Iran. Er und sein Cousin, der Regierungschef, mischten sich in die Beilegung vieler regionaler Krisen ein, vernachlässigten dabei aber nicht die Wirtschaft. „Wir werden mit Sicherheit in die deutsche Automobilindustrie investieren“, sagte er jüngst. Auch Qatar habe über Daimler diskutiert. Investitionen in die Automobilindustrie machten Sinn, da Autos weltweit verkauft würden. Auch Hochtechnologie interessiere ihn, denn Qatar wolle ein Forschungsstandort werden.
Das ist wiederum das Dossier seiner Frau Mouza, die ihm sieben Kinder geboren hat. Im Hintergrund ist sie der Motor für die innenpolitischen Reformen, zu denen auch die Einführung des Frauenwahlrechts gehört. In der Öffentlichkeit leitet sie die Qatar Foundation, die das kleine Land zu einem Hochschul- und Forschungszentrum machen will. Da setzt der Emir ganz auf seine Frau: „Öl und Gas werden irgendwann zu Ende gehen. Das Wissen bleibt. Ich sehe Qatar langfristig mehr als Bildungsstandort denn als Energielieferant.“ Sechs amerikanische Spitzenuniversitäten hat First Lady Mouza bereits auf dem Campus angesiedelt. Scheich und Scheichin beklagen, dass deutsche Wissenschaftler zwar willkommen seien, aber kein Interesse zeigten.
Deutsche Wissenschaftler sind in Qatars Hauptstadt seltene Gäste, der Porsche-Chef Wendelin Wiedeking war dagegen schon wiederholt in Doha. Dort hat er im Fuhrpark des autovernarrten Emirs eine eindrucksvolle Palette seiner Fahrzeuge gesehen. Einen weiteren aus der Baureihe Panamera hat der Emir bestellt. Wenn der Wagen ausgeliefert wird, ist der Emir möglicherweise schon an Porsche beteiligt.
„Porsche und Stütze passen nicht zusammen“
Hans-Dieter Mohl (H.D.Mohl)
- 11.06.2009, 16:27 Uhr
Bewertungsprobleme
Wolf Doleys (Karneades)
- 12.06.2009, 01:24 Uhr
Nein zum volkswirtschaftlichen Ausverkauf!
Harry LeRoy (Cimon)
- 12.06.2009, 07:00 Uhr
Rainer Hermann Jahrgang 1956, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in der arabischen Welt mit Sitz in Abu Dhabi.
Jüngste Beiträge
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.375,45 | −1,34% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2428 | −0,48% |
| Rohöl Brent Crude | 104,33 $ | −2,36% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
Anonym bewerben? Ist das gut?