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Automobilklub : Der ADAC reformiert sich selbst

Einstimmig: Die Deligierten sind für das Reformkonzept. Bild: dpa

Deutschlands größter Automobilclub will die größte Vertrauenskrise in seiner Geschichte vergessen machen: Das Bekenntnis der Mitglieder zu den Reformen und dem neuen Präsidenten August Markl fällt eindeutig aus. Aber die Krise ist noch nicht vorbei.

          Die Nabelschau fällt kurz aus. In einem zweiminütigen Film zur Einstimmung auf die außerordentliche ADAC-Hauptversammlung wird noch einmal an die schlimme Krise erinnert. Deutschlands großer Automobilklub sei „eine totalverfilzte Organisation“, die „unter dem Deckmantel eines Vereins“ Geld verdiene, sagt ein junger Mann auf der Straße. „Das gute Image war dahin“, sagt eine Stimme aus dem Off. Doch als der Einspieler endet mit dem versöhnlichen Versprechen, dass man sich „auch morgen auf die Hilfe des ADAC verlassen“ könne, brandet erstmals Applaus auf. Als die Formalien beschlossen werden, strecken die Delegierten artig die Stimmkarten in die Höhe – alles einstimmig. Ihre Fragen sind meist eingebettet in Höflichkeiten, der Klub habe „einen gewaltigen Schritt nach vorn gemacht“ oder in Phrasen, dass im ADAC nach wie vor „gelbes Blut“ fließe. Man lobt die „gewaltige Teamleistung“, man beschwört die „tolle Gemeinschaft“. 

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          So harmonisch geht es zu in den gut vier Stunden an diesem Nikolaustag. Am Ende wird der bisher kommissarisch agierende Vizepräsident August Markl zum ordentlichen Präsidenten bis zum Jahr 2017 gewählt. Keinesfalls einstimmig, es gibt sogar 28 Nein-Sager. Aber 180 Ja-Stimmen sind deutlich genug, es gibt stehende Ovationen.

          Die Hauptversammlung des ADAC in der Münchner Zentrale ist nur für einen kleinen Teil der 19 Millionen Mitglieder vorgesehen: Genau 197 Vertreter und Abgeordnete haben die Regionalklubs entsandt, um gemeinsam mit dem Präsidium über ein Reformkonzept abzustimmen, das die größte Vertrauenskrise in der 111 Jahre währenden Geschichte vergessen machen soll. Schon am Abend zuvor haben sich die Delegierten getroffen, haben vorab vieles durchgespielt von dem, was am Samstag auch via Internet live übertragen wird. Nichts sollte dem Zufall überlassen werden. Ist diese Hauptversammlung gar eine Inszenierung für die Öffentlichkeit?

          August Markl wird zum neuen Präsidenten gewählt

          Der ADAC wolle Vertrauen zurückgewinnen, sagt Präsident August Markl. Vertrauen, das offenkundig abhanden kam im Zuge der Affäre um Manipulationen bei der Leserwahl zum Autopreis „Gelber Engel“ und dem Rücktritt des langjährigen Präsidenten Peter Meyer. Auch Meyer ist nach München gekommen, als Präsident des ADAC Nordrhein. Er hört zu, wie sein legitimer Nachfolger frühere Missstände anprangert und mehr Basisdemokratie verspricht. Die Mitglieder sollen in die Arbeit der Regionalklubs eingebunden werden, sollen in Internetforen diskutieren können. Der ADAC will „Idealverein“ bleiben, will „edel und gut sein“, wie ein Mitglied es nennt, ohne gemeinnützig zu sein.

          Seinen Vereinszweck will der ADAC aber auch weiterhin durch wirtschaftliche Tätigkeiten stützen. Schließlich setzt er Milliarden um mit dem Verkauf von Versicherungen oder Reisen. Aber die gewerblichen Aktivitäten dürfen den Vereinsstatus nicht beschädigen. Auch stehe „die Gewinnerzielungsabsicht nicht im Vordergrund“, sagt Markl. Und auch mögliche Konflikte zwischen Geschäftsinteressen und Verbraucherschutzaktivitäten soll es nicht mehr geben. „Gleichzeitig Testen und Verkaufen geht nicht“, hat Jürgen Heraeus, der Unicef-Deutschland-Vorsitzende und Sprecher des neuen ADAC-Beirats, dem Klub ins Stammbuch geschrieben. 360 Produkte und Dienstleistungen des ADAC wurden deshalb auf  Interessenkonflikte überprüft. Künftig verzichtet der ADAC also auf Batterietests und Schneekettentests, weil er diese Produkte weiterhin verkaufen will.

          Der ADAC trennt nun strikter den Verein von den Wirtschaftsaktivitäten. Viel ist von „Entflechtung“ die Rede, und von „Entherrschung“. So soll der Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst von einer GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Der Verein wird an der AG 74,9 Prozent der Anteile besitzen und nicht mehr 100 Prozent. Minderheitsgesellschafter der AG mit Sperrminorität soll eine neu zu gründende ADAC-Stiftung werden, in deren fünfköpfigem Stiftungsrat vor allem externe Mitglieder sitzen werden. „Volle Transparenz“, verspricht ADAC-Beirat Heraeus. Er vergleicht die ADAC-Krise mit dem Spendenskandal beim Kinderhilfswerk Unicef. So etwas sei nicht in drei Tagen vergessen, das werde Jahre nachwirken. Heraeus hört mit seiner ADAC-Arbeit nach der nächsten Hauptversammlung im Mai 2015 auf. „Wenn ich jünger wäre“, sagt er, „würde ich mich bei der Fifa umschauen.“ Die ADAC-Delegierten applaudieren und lachen. Und es klingt beinahe so, als seien sie erleichtert über all jene Organisationen, die in der Öffentlichkeit ein noch verheerenderes Bild abgeben.

          Klarheit erhofft sich der ADAC in der strittigen Frage, wie viel steuerpflichtige Versicherungsleistung in den ADAC-Beiträgen steckt. Allein aus den Steuerprüfungen für die Jahre 2007 bis 2009 muss der ADAC mit Nachzahlungen an den Fiskus von 150 bis 200 Millionen Euro rechnen. Sollten die Finanzbehörden mit ihrer Auffassung Recht behalten, müsste der ADAC auch für die Jahre nach 2009 nachzahlen. Und in München prüft das Amtsgericht seit Monaten, ob der ADAC noch die Voraussetzung für den Vereinsstatus erfüllt oder ob er doch eher ein Wirtschaftsunternehmen mit angeschlossenem Automobilklub ist.

          Quelle: FAZ.NET

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