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Demografischer Wandel in Unternehmen : Mit dem Alter wachsen die Herausforderungen

Auch Alte können es: DGB-Chef Michael Sommer in Frankfurt Bild: Simone M. Neumann

Immer mehr Betriebe reagieren auf den demographischen Wandel. Sie bieten ihren Arbeitnehmern reduzierte Arbeitszeiten, Demographiefonds und Gesundheitsprogramme an.

          Kerstin Pickl spürt den demographischen Wandel hautnah. Weil Fachkräfte knapper werden, steigt die Wertschätzung der Arbeitgeber für ihre qualifizierten Mitarbeiter. Für anspruchsvolle Tätigkeiten rufen sie sogar Eltern aus der Elternzeit zurück. Die Kinderbetreuung wird zum Engpass, und dann kommt Pickl ins Spiel. Sie leitet den Notkindergarten Fluggi-Land, den der Flughafenbetreiber Fraport vor zehn Jahren gegründet hat. „Wir hören häufiger von Eltern: ,Fraport hat mich zurückgeholt. Ich brauche schnell einen Betreuungsplatz‘“, berichtet Pickl. Geöffnet hat ihre Einrichtung von 6 bis 22 Uhr. Bis um 16 Uhr des Vortags kann man sich für den nächsten Tag einen Platz sichern: für einen Tag oder länger.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Angebot richtet sich an Schichtarbeiter, die Kinder außerhalb der Kernzeiten von Tagesstätten versorgen wollen, und an Eltern, die plötzlich wieder zum Einsatz gerufen werden. Ein gutes Konzept, findet Edgar Stejskal. Sein Konzern unternehme vieles, um mit dem demographischen Wandel fertig zu werden, sagt der Konzernbetriebsratsvorsitzende. Auch das kostengünstige konzerneigene Fitnessstudio und Zuschüsse für Sportaktivitäten lobt er. „Wir haben sehr anstrengende Jobs und wollen die Menschen möglichst lange im Arbeitsleben halten“, sagt Arbeitsdirektor Michael Müller.

          Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander

          Doch Stejskal fehlt es an einem Gesamtkonzept. Vor zwei Jahren hat er dem Vorstand eine Rahmenvereinbarung zum demographischen Wandel vorgelegt. Eine darin vorgesehene Altersstrukturanalyse hat Fraport fertiggestellt. „Es fehlt aber die Handlungsebene. Da stoßen wir noch auf eine Wand“, kritisiert der eloquente Hesse, der seine Glatze unter einer modischen Schiebermütze verbirgt. Stejskal will Gesundheitsschutz, den Einsatz von Migranten und Qualifikationserfordernisse der Zukunft aus einem Guss planen. Sein Konzept hat der Vorstand noch nicht unterschrieben.

          5000 Fraport-Mitarbeiter sind im Entladebereich des Frankfurter Flughafens eingesetzt: häufig mit schweren körperlichen Tätigkeiten. 43 Jahre ist das Durchschnittsalter mit zunehmender Tendenz. Ein Zehntel der Arbeitnehmer hat den sogenannten „Zehn-Kilo-Schein“ und darf etwa wegen eines Bandscheibenvorfalls nicht mehr auf dem Vorfeld eingesetzt werden. „Wir wünschen uns, dass unsere Arbeitsmedizin den Arbeitsschutz analysiert und Entlastungsschritte einbaut“, sagt Betriebsrat Stejskal.

          In vielen deutschen Betrieben klaffen der (gewerkschaftliche) Wunsch und die (betriebliche) Wirklichkeit im Umgang mit dem demographischen Wandel noch auseinander. Das hat Michael Sommer, der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, auf einer Reise ins Rhein-Main-Gebiet in dieser Woche erlebt. Einmal im Jahr sammelt er einen Tross von Journalisten um sich, um mit ihnen Einblicke in die reale Arbeitswelt zu wagen.

          Durchschnittsalter von 47 Jahren

          Auch im Internationalen Postzentrum am Frankfurter Flughafen macht man sich Gedanken über die Demographie. Das aktuelle Durchschnittsalter seiner Belegschaft liege bei 47 Jahren, sagt Niederlassungsleiter Peter Fery. Er ist darauf eingerichtet, dass es innerhalb eines Jahrzehnts auf mehr als 50 Jahre steigen wird. Gleichzeitig muss er für jüngere Arbeitnehmer attraktiv bleiben. „Wir stellen uns die Frage, wie kann ich es jedem Mitarbeiter ermöglichen, bis 67 zu arbeiten. Niemand soll aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden“, sagt Fery.

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