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Deklarationspflicht bei Parfums Chanel in Eigenproduktion

Die EU will Parfümhersteller dazu verpflichten, die genauen Inhaltsstoffe ihrer Düfte anzugeben. Was Allergiker schützen soll, sehen Parfümeure mit Unbehagen.

© Plainpicture Vergrößern Können allergische Reaktionen hervorrufen: Abgeerntete Rosenblüten

In seiner Branche, sagt David Albrecht zwar, sei es derzeit eigentlich „nicht so spannend“. Neue Dufttrends wird es im gerade angebrochenen Jahr 2013 wenige geben - Weihrauch, Harze und arabische Hölzer vielleicht. Spannung kommt in diesen Wochen aber aus Brüssel: Denn die EU will einige Düfte verbieten. Viele synthetische Duftstoffe stehen auf dem Prüfstand, im Sinnes des Verbrauchers.

Dass auch sogenannte natürlich Düfte oft nicht nur aus Pflanzen und Hölzern gewonnen werden, sondern dass deren Bestandteile teils den natürlichen Vorbildern nachgeahmt werden, ist kein Geheimnis. Höherwertige Parfums bestehen zwar zu einem hohen Anteil aus natürlichen Essenzen, enthalten aber immer auch synthetische Duftsttoffe. Einen Duft, der sich zu hundert Prozent aus natürlichen Inhaltsstoffen zusammensetzt, gibt es nicht, sagt Albrecht, ein Frankfurter Parfümeur und Vorstandsmitglied des Deutschen Parfümverbandes.

Gegen Allergien

Dabei sind es gerade die natürlichen Duftstoffe, die dieses Jahr spannend machen könnten. Die Europäische Union will künftig bei Inhaltsstoffen von Duftwässern auf eine strengere Kennzeichnungspflicht achten. Demnach sollen bestimmte Essenzen in ihrem Einsatz beschränkt, einige sogar ganz verboten werden. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde schon im Dezember 2012 angekündigt.

Grund für die neue Parfum-Politik seien Allergien: So sollen Verbraucher zukünftig besser vor Unverträglichkeiten und allergischen Reaktionen auf bestimmte Inhaltsstoffe geschützt werden. Mindestens drei Prozent der EU-Bürger seien aktuell bereits von Parfümallergien betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass Allergien in den kommenden Jahren in den Industrienationen weiter zunehmen werden.

In Deutschland leiden derzeit etwa 30 Prozent der Bevölkerung an einer Allergie. Nach Nickel sind Duftstoffe der zweithäufigste Auslöser für allergische Reaktionen. Grundsätzlich wird bei Kosmetikprodukten zwischen solchen Produkten, die auf der Haut bleiben (Leave-on-Produkte), zu denen auch Duftwässer zählen, und solchen, die abgespült werden (Rinse-off-Produkte), wie etwa Shampoos, unterschieden. Insbesondere natürliche Essenzen in Leave-on-Produkten würden allergische Reaktionen hervorrufen. Daher empfiehlt der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der Europäischen Kommission (SCCS) nun, den Anteil von zwölf natürlichen Substanzen auf 0,01 Prozent im Parfum zu beschränken.

„Wenn dieses Gesetz kommt, bin ich am Ende“

Darunter fallen auch Duftstoffe wie Lavendel, Nelken- oder Rosenöl, deren Nutzung zum Teil schon stark eingeschränkt ist. Auch das wegen seiner kräftigen Note häufig eingesetzte Eichenmoos wurde zunehmend wegen des Risikos von Hautreizungen limitiert. Nun soll es ganz verschwinden. Da diese traditionellen Essenzen aber als Grundzutaten vieler Duft-Klassiker gelten, könnten manche Hersteller zukünftig gezwungen sein, einige ihrer erfolgreichsten Rezepturen zu ändern. „In der Kosmetikindustrie läuft die Prüfung und Folgenabschätzung zu den Empfehlungen des SCCS. Insbesondere die Verwender natürlicher Substanzen wie etwa Rosenöl als Teil zukünftig zusätzlich deklarationspflichtiger oder in der Anwendung beschränkter Stoffe wären hier betroffen“, sagt Martin Ruppmann, Geschäftsführer des Kosmetikverbandes KVE. Es sei davon auszugehen, dass Eingriffe in die Rezepturen langjährig bewährter Düfte mit erheblichen wirtschaftlichen Belastungen für die Hersteller verbunden sind, meint Ruppmann.

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