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Debakel einer Fluggesellschaft Wie es um die Lufthansa bestellt ist

Das Hickhack um die Wahl Wolfgang Mayrhubers zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Lufthansa erschreckt - nicht nur die Beschäftigten. Von einem Burgfrieden unter den Aktionären kann keine Rede sein. Eine Analyse.

© REUTERS Vergrößern Finanzlasten: Für die chronisch ertragsschwachen Fluggesellschaften generell schwer zu schultern

Katerstimmung bei der Deutschen Lufthansa AG: Nach dem spektakulären Gerangel um die Wahl des neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrates ist die Ernüchterung groß bei den 117.000 Lufthanseaten. Seit zwei Jahren galt als ausgemacht, dass Wolfgang Mayrhuber den Posten des Chefkontrolleurs von seinem langjährigen Förderer Jürgen Weber erben wird. Doch vor Wochen meldete eine Gruppe institutioneller Investoren ernste Vorbehalte gegen diesen Machtwechsel an. Die Lage in der Führung der Lufthansa spitzte sich so kurz vor der Hauptversammlung am Dienstag dramatisch zu.

Ulrich Friese Folgen:  

Mayrhuber, der Lufthansa noch bis 2010 selbst führte, bekam Wind davon, dass ihm erste Adressen aus der Finanzwelt mangelnde Distanz zu seinem ehemaligen Arbeitgeber sowie seine Fülle weiterer Kontrollposten in anderen Unternehmen vorhielten. Die internationalen Standards für eine gute Unternehmensführung (Corporate Governance) waren aus ihrer Sicht damit nicht erfüllt. Den Verlust einer komfortablen Mehrheit an Aktionärsstimmen, um das Kontrollgremium zu führen, musste Mayrhuber seitdem fürchten. Er war daher zu Wochenbeginn zunächst fest entschlossen, seine Kandidatur zurückzuziehen.

Ein blamables Ergebnis

Doch wenige Stunden danach kassierte er diese Absage. Er vertraute Webers Hinweis, dass die Bedenken der rebellischen Investoren zerstreut würden. Doch von dem vermeintlichen Burgfrieden kann nach dem Abstimmungsverhalten der Aktionäre keine Rede sein: Mayrhuber erhielt 63 Prozent der Stimmen - ein auch im Vergleich zu anderen Dax-Unternehmen blamables Ergebnis. Dieser Denkzettel lässt vermuten, dass die Vorbehalte vieler Investoren keineswegs verschwunden sind. Sie haben stattdessen eindrucksvoll demonstriert, zu welchem Machtfaktor sie unter den deutschen Börsenwerten aufgerückt sind.

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Der Anteil institutioneller Investoren aus dem Ausland beläuft sich bei den 30 Dax-Unternehmen im Schnitt auf mehr als 50 Prozent. Die meisten orientieren sich bei ihrem Abstimmungsverhalten an der Institutional Shareholder Service (ISS) - eine in der Finanzwelt einflussreiche Organisation, die etwa 1.700 Kunden unter Vertrag hat und große Fondsgesellschaften oder Hedgefonds in Amerika berät.

Im Nachgang des globalen Umbruchs

Der Widerstand, der sich rund um die ISS bei den Investoren der Lufthansa formierte, wurde von der Führung fast sträflich unterschätzt. Denn diese Revolte beschränkte sich keineswegs nur auf ausländische Aktionäre, die insgesamt 36 Prozent an der größten Fluggesellschaft in Europa halten. Anders als vom Management vermutet, teilten auch die deutschen Fondsmanager die Sicht ihrer Kollegen von Templeton, Blackrock oder Franklin Ressources, dass für ein so global ausgerichtetes Unternehmen wie die Lufthansa auch die internationalen Regeln für gute Unternehmensführung zu gelten hätten.

Doch mit Weltläufigkeit ist es bei der Deutschen Lufthansa nicht so weit her. Beispielsweise stellen die geltenden Luftfahrtgesetze sicher, dass der Einfluss ausländischer Aktionäre die Höchstmarke von 50 Prozent nicht überschreiten darf, um die Start- und Landerechte für den Flugbetrieb in Europa zu erhalten. Im Tagesgeschäft ist der deutsche Traditionskonzern den Einflüssen der globalisierten Welt so ausgesetzt wie kaum ein anderes Unternehmen.

Schlagen etwa im Heimatmarkt die Preiskämpfe mit Billiganbietern wie Easyjet oder Ryanair negativ auf die Ergebnisrechnung durch, jagen der Lufthansa auf den Langstrecken außerhalb Europas staatliche Fluggesellschaften wie Emirates oder Turkish Airlines zunehmend Kunden und Marktanteile ab. Die Zukunftsfähigkeit des Konzerns, der im angestammten Passagiergeschäft nur noch eine operative Marge von 1,6 Prozent erwirtschaftet, hat im Nachgang des globalen Umbruchs schwer gelitten.

Allianz mit Asien oder der Golfregion

Angesichts des rasanten Wandels in der Luftfahrt schließt Vorstandsvorsitzender Christoph Franz eine enge Allianz mit einem Rivalen aus Asien oder der Golfregion keineswegs aus. Doch ein solcher Pakt, der auch in eine Kapitalbeteiligung münden kann, soll erst dann erfolgen, wenn das Passagiergeschäft nachhaltig profitabel ist. Die Lufthansa ist neben dem großen Kapitalbedarf für die Modernisierung ihrer überalterten Flotte auch mit finanziellen Risiken konfrontiert, die aus den geänderten Rechnungsvorschriften für Pensionsverpflichtungen (IAS 19) resultieren.

Im Zuge der seit Jahresbeginn umgestellten Bilanzierung hat sich die Eigenkapitalquote der Gesellschaft auf 15,4 Prozent nahezu halbiert. Gleichzeitig gipfeln ihre nicht gedeckten Pensionsverbindlichkeiten nach Berechnung von Union Investment bei 4,7 Milliarden Euro, was rund zwei Dritteln des aktuellen Börsenwerts entspricht.

Solche Finanzlasten sind für die chronisch ertragsschwachen Fluggesellschaften generell schwer zu schultern. Bei der Lufthansa könnte sich womöglich schon bald Bedarf für frisches Kapital auftun, deutete Finanzvorstand Simone Menne an. Dabei wäre die Beteiligung ausländischer Investoren sicherlich hoch willkommen. Aber nur dann, wenn die Lufthansa in Sachen Corporate Governance über jeden Zweifel erhaben ist.

Quelle: F.A.Z.

 
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