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De-Mail : Die Elektropost wird zum Milliardenmarkt

Verschlüsselt und beglaubigt: Werbung der Telekom für die De-Mail. Bild: dpa

Die Bürger mögen den elektronischen Behördenbrief nicht so sehr, Konzerne und Kommunen schon. Das merkt auch die Deutsche Post. Sie hatte sich einst daraus verabschiedet - jetzt will sie den Service doch noch anbieten.

          Noch im Sommer hatte es so ausgesehen, als habe die Post das Rennen um den digitalen Behördenbrief endgültig verloren. Auch eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission und ein „Brandbrief“ von Post-Vorstand Jürgen Gerdes an die Ministerpräsidenten der Länder waren wirkungslos verpufft.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die elektronische Kommunikation zwischen Bürgern und Ämtern hat dem „De-Mail-Standard“ zu folgen, so verlangt es das Anfang August in Kraft getretene E-Government-Gesetz. Doch den haben nur die Deutsche Telekom, der Internetanbieter 1&1 (GMX, Web.de) und Francotyp Postalia im Angebot. Die Deutsche Post dagegen hat zwar Millionenbeträge in ihren E-Postbrief gesteckt. Doch weil er nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht, schaut der Konzern bei der digitalen Behördenpost in die Röhre. Nun versucht er einen neuen Anlauf. „Wir befinden uns in sehr vielversprechenden Gesprächen über die De-Mail-Zertifizierung“, sagte ein Sprecher dieser Zeitung.

          Die Wende kommt überraschend. Im Frühjahr hatte sich die Post aus dem Zulassungsverfahren verabschiedet, weil sie die Vorschriften für die Identifizierung der Kunden nicht hinnehmen wollte. Die Post fragt und speichert mehr Daten ab als im Gesetz vorgesehen. Auch wenn es dabei „nur“ um die Personalausweisnummer und die ausstellende Behörde geht, verweigert ihr der Bundesdatenschutzbeauftragte deshalb sein Zertifikat. Alle anderen Genehmigungen und Prüfungen habe der Konzern erfolgreich absolviert. Eine Änderung ihres eigenen „Postident-Verfahrens“ hat die Post bisher strikt abgelehnt. Wie eine Lösung aussehen könnte, verrät der Konzern noch nicht. Auch eine Sprecherin des Datenschutzbeauftragten verweigerte wegen des „laufenden Verfahrens“ jeden inhaltlichen Kommentar.

          Privatkunden nutzen den Dienst bisher kaum

          Allein die Behördenbriefe kommen auf ein Marktvolumen von rund einer Milliarde Euro im Jahr. Die Internetanbieter zielen aber weit darüber hinaus. So schätzt die Telekom, dass sich mit Hilfe von De-Mail bis 2018 rund 40 Prozent aller Briefsendungen digitalisieren lassen. „Wir haben immer gesagt, dass wir unsere Pläne wieder aus der Schublade holen, wenn wir eine verstärkte Kundennachfrage sehen“, sagte der Postsprecher nun. Tatsächlich deuten neue Zahlen von 1&1 darauf hin, dass sich zumindest die Unternehmen verstärkt mit der rechtsverbindlichen digitalen Kommunikation befassen. Etwa zwei Drittel der Unternehmen planen demnach bereits mit De-Mail. „Die hohen Briefkosten finden zunehmend Aufmerksamkeit, sicher auch durch die Portoerhöhungen der Deutschen Post“, sagte Jan Oetjen, der bei 1&1 die Marken GMX und Web.de verantwortet. Einschließlich der „Prozesskosten“ und des Aufwands für Drucken, Etikettieren und Kuvertieren beziffert Oetjen das Sparpotential in Großunternehmen und Behörden auf 70 bis 80 Prozent.

          Das setzt allerdings voraus, dass auch die Verbraucher mitspielen und massenhaft De-Mail-Konten eröffnen. Doch auf dieser Seite wächst die Nachfrage nur verhalten. Viele Privatleute sehen keinen Nutzen in einem kostenpflichtigen E-Mail-Dienst. Bei der Deutschen Telekom zeigt man sich über den holperigen Start deshalb ernüchtert. „Wir sehen überall Zuwächse, aber die Entwicklung der Privatkunden bleibt bisher hinter den Erwartungen zurück“, sagte ein Sprecher. Auf der anderen Seite klopfen bei der Telekom ebenfalls immer mehr Großkunden an, gerade aus der öffentlichen Verwaltung. Inzwischen stehe man mit mehr als 300 Städten und kommunalen Unternehmen in konkreten Gesprächen. Im kommenden Jahr will der Konzern in Zusammenarbeit mit zwei Großstädten, deren Namen noch geheim gehalten werden, die Anwendungsmöglichkeiten und Vorteile der elektronischen Verwaltung demonstrieren und so die Bürger überzeugen.

          Die Post wiederum versucht, ihren E-Postbrief mit Zusatzanwendungen wie Zahlungsfunktionen und dem Postscan, einem elektronischen Nachsendeservice für Briefe, attraktiver zu machen. Wie viele Kunden den digitalen Brief inzwischen nutzen, verschweigt der Konzern. Obwohl De-Mail jetzt schon deutlich billiger ist, wird sich der E-Postbrief zum Jahreswechsel wie das Porto für den Standardbrief auf 60 Cent verteuern. Telekom und 1&1 wollen dagegen an ihrer Niedrigpreisstrategie für De-Mail festhalten. Sie bieten ihren Kunden Freikontingente an. Sind sie erschöpft, kostet ein digitaler Brief 39 Cent.

          Jan Oetjen von 1&1 gibt sich optimistisch, dass der Markt bald in Gang kommt. „Den großen Umschwung erwarten wir im kommenden Jahr, wenn die ersten Großanwender De-Mail als Massenmedium nutzen“, sagte er. Kräftige Impulse verspricht er sich zum Beispiel von der Deutschen Rentenversicherung, die ihre Status-Mitteilungen künftig auch per De-Mail versenden will. Die Sicherheitsdebatte rund um die NSA-Affäre bringt De-Mail hingegen bislang nur wenig Rückenwind, obwohl die Transportverschlüsselung und die gesicherte Identität von Absender und Empfänger als Schutz für besonders sensible Daten angepriesen werden. Das Thema finde sehr viel Aufmerksamkeit, schlage sich bei privaten Kunden aber bisher nur indirekt nieder, räumte Oetjen ein. Über die 1&1-Dienste haben sich gut 420.000 Kunden angemeldet. Aber nur 170.000 von ihnen haben sich anschließend auch die Mühe gemacht, sich unter Vorlage ihres Personalausweises zu identifizieren, so dass ihr Konto tatsächlich freigeschaltet werden konnte.

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