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DDR-Reifenmarke Pneumant Der Einheitsreifen rollt nicht mehr

11.01.2012 ·  Den Sprung in die Marktwirtschaft hat die DDR-Reifenmarke Pneumant erfolgreich absolviert. Nun beendet Goodyear-Dunlop die Produktion in Fürstenwalde und Riesa und setzt dort künftig auf Premiummarken.

Von Thiemo Heeg
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© AP Unter jeden Trabant gehörte ein Pneumant

Wenn der Trabant das Fahrzeug der deutschen Einheit ist, dann ist Pneumant der Reifen der deutschen Einheit. Nach der Wende machten sich Millionen der kleinen Zweitakter auf Pneumant-Pneus auf den Weg in den Westen. Die Trabis und auch die Wartburgs hatten kaum eine andere Wahl. Ohne Pneumant lief in der DDR wenig. Das sozialistische Deutschland kannte eine einzige Reifenmarke, und die war kurz vor dem Zusammenbruch eine richtig große Nummer: 1988 stellten 11.500 Mitarbeiter des Reifenkombinats Fürstenwalde sieben Millionen Pneumant-Reifen her.

In der Marktwirtschaft legte Pneumant eine einigermaßen erfolgreiche Wendegeschichte hin. „Der Reifenhersteller Pneumant muss inzwischen zu den erfolgreichsten ostdeutschen Unternehmen gerechnet werden“, hieß es vor gut einem Jahrzehnt in dieser Zeitung. Jetzt ist Schluss mit der traditionsreichen Marke. Im vergangenen Jahr rollten keine 70.000 Stück mehr vom Band, und 2012 wird es kein einziger mehr sein. Eigentümer Goodyear-Dunlop gab diese Woche bekannt, die Pneumant-Produktion endgültig einzustellen.

Damit endet - je nach Betrachtung - eine ein halbes beziehungsweise ein ganzes Jahrhundert umfassende deutsche Industriehistorie. Die Geschichte von Pneumant reicht bis in das Jahr 1906 zurück, mit der Gründung des Fertigungsbereichs für Gummireifen der Deutschen Kabelwerke AG Berlin (DKW). Eine steigende Nachfrage führte 1922 zur Gründung der selbständigen Reifenfabrik Deka Pneumatik. Ein echtes Hightech-Unternehmen zur damaligen Zeit: Als erster Reifenhersteller auf der Welt setzte man den neuen Synthese-Kautschuk Buna ein. Zwischen 1937 und 1940 wurde die Produktion in das brandenburgische Fürstenwalde verlegt.

„Mantel um die Luft“

Nach dem Krieg verstaatlicht, wurde 1968 die gesamte Reifenindustrie der DDR im VEB Reifenkombinat Fürstenwalde vereinigt. Als Markenname hatte man sich 1958/59 die sprechende Bezeichnung Pneumant ausgedacht: der Reifen als „Mantel um die Luft“. So hießen schließlich alle Reifen, gleichgültig, ob sie in Fürstenwalde oder in Riesa, in Dresden oder in Neubrandenburg produziert wurden. Die sozialistische Gummiindustrie arbeitete schon damals eifrig für kapitalistische Kunden. Rund ein Viertel der Produktion ging in den Export, überwiegend nach Westeuropa und Amerika. Seit 1995 gehörte Pneumant zur Hanauer SP Reifengruppe (Dunlop), einem Teil des japanischen Sumitomo-Konzerns. 1999 gründeten Sumitomo und der amerikanische Hersteller Goodyear ein Gemeinschaftsunternehmen, und bis dato war Pneumant eine Marke im breiten Portfolio dieses Joint Ventures.

Mit zuletzt offenbar nur sehr mäßigem Erfolg. Goodyear-Dunlop begründete den Produktionsstopp mit einer „schwachen Nachfrage“ und einer „geographisch limitierten Absatzbreite“. Will heißen: Außer in Ostdeutschland, wo der Markenbekanntheitsgrad früher so hoch lag wie die offiziellen Wahlergebnisse der SED, fanden sich kaum noch Käufer. In Riesa belief sich die Pneumant-Jahresproduktion im vergangenen Jahr auf 50.000 Stück, in Fürstenwalde auf 17.000 Stück. Handelte es sich nicht um Gummiwaren, könnte man bei diesen Zahlen von Peanuts sprechen. Zum Vergleich: Insgesamt haben die 7500 Mitarbeiter der Gruppe in Deutschland an sechs Standorten 30 Millionen Reifen produziert.

Keine Auswirkung auf Produktion

Nun will sich das Unternehmen an den ehemaligen Pneumant-Standorten im Osten auf seine Oberklassemarken Goodyear und Dunlop konzentrieren. Die Einstellung von Pneumant wirke sich auf die Produktion nicht aus, wird versichert. In Fürstenwalde sind 820 Mitarbeiter beschäftigt, in Riesa 640. Beide Werke wurden den Angaben zufolge in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Wer es als Kunde künftig billiger haben will, den verweist Goodyear-Dunlop auf seine im unteren Preissegment angesiedelten Marken Sava und Debica. Die hätten sich im Gegensatz zu Pneumant auch in internationalen Märkten sehr gut etabliert, sagt Geschäftsführer Rainer Landwehr.

Also muss niemand Pneumant eine Träne nachweinen? Vielleicht tut es der eine oder andere Trabifahrer. Im Internet schreibt Forumsteilnehmer „Chris601“: „Natürlich weiß ich auch, dass Pneumant seit Jahren fast ausschließlich im Ausland und letztendlich von Dunlop/Goodyear produziert wurde. Für mich gab es trotzdem nie eine andere Wahl!“ Ein anderer dichtet: „Unter einen Trabant gehört Pneumant.“ Jetzt müssen sich die Pappenliebhaber wohl eine andere Marke zum Gummigeben suchen.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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