15.11.2007 · Nach den guten Zahlen für das dritte Quartal haben viele Dax-Unternehmen ihre Prognosen für das Gesamtjahr erhöht - und sie haben höhere Dividenden angekündigt. Dagegen leiden die Gewinne der Banken unter der aktuellen Finanzkrise. Ein Überblick von Georg Giersberg.
Von Georg GiersbergZum Abschluss eine Abkühlung. So, wie der erste Kälteeinbruch des Novembers den goldenen Oktober abgelöst hat, so hat am Mittwoch Infineon mit seinen katastrophalen Zahlen eine goldene Quartalssaison beendet. Nach vier Wochen mit fast täglich glänzenden Zahlen schloss der Chiphersteller Infineon die Berichtssaison zum dritten Quartal mit einem Minusrekord ab.
Wie der Tabelle zu entnehmen ist, ist Infineon - bis 1999 ein Teil der Siemens AG - das einzige Dax-30-Unternehmen, dem es nicht gelungen ist, in den vergangenen neun Monaten einen Gewinn zu erwirtschaften. Und auch für das laufende Quartal (bei Infineon das erste des gebrochenen Geschäftsjahres) konnte der Vorstand nichts anderes ankündigen als Verluste. Den Kurs der Aktie belastet das nicht. Die Anleger hatten von Infineon nichts Besseres erwartet.
Linde und SAP legten gute Zahlen vor
Anders bei SAP, Linde oder BMW. Sie alle legten gute Zahlen vor, teilweise auch über den Erwartungen. Aber den Aktionären reichte es dennoch nicht, die Kurse legten erst einmal den Rückwärtsgang ein. Für SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann war das dritte Quartal des Softwarekonzerns „ein weiteres starkes Quartal, in dem der Umsatz in allen Regionen zweistellig zugenommen hat“. SAP werde im gesamten Geschäftsjahr 2007 das stärkste Umsatzwachstum der vergangenen vier Jahre vorweisen.
Ähnlich gut war Linde. Die Ergebnisse sind besser als erwartet ausgefallen. Erstmals hat der Vorstand die Gewinnprognose für das Jahr mit einem Anstieg im Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von fast 20 Prozent auf bis zu 2,4 Milliarden Euro präzisiert. Zudem hat er eine höhere Dividende angedeutet.
Die Anleger können zufrieden sein
BMW hat nicht nur seinen Nettogewinn aufgrund eines Steuereffekts deutlich erhöht, sondern vor allem auch den Konzerngewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal von 720 Millionen auf 765 Millionen Euro gesteigert. Trotzdem ging bei allen drei Aktien der Kurs zunächst runter. Man habe mehr erwartet, hieß es ganz lapidar.
Insgesamt haben aber die guten Zahlen des dritten Quartals mit dazu beigetragen, dass die deutschen Aktienkurse im internationalen Vergleich relativ stabil geblieben sind. Die Anleger haben derzeit auch allen Grund, ihren Unternehmen treu zu bleiben.
Lufthansa, Bayer und Allianz hoben die Prognose an
Nachdem mit der Veröffentlichung der Neunmonatszahlen schon gut zehn Monate ins Land gegangen sind, haben einige Vorstände ihre Prognosen für das laufende Jahr präzisiert. Manche hatten schon bisher neue Rekorddaten für den Jahresumsatz und den Jahresgewinn in Aussicht gestellt und fühlen sich in dieser Prognose jetzt bestätigt. Dazu gehören die Lufthansa, Bayer oder die Allianz. Einige haben ihre Prognosen noch einmal angehoben, darunter die BASF, Fresenius oder die Metro.
Bei der Metro überdecken die schlechten Zahlen (Gewinneinbruch um 76 Prozent im Neunmonatsvergleich, wie die Tabelle ausweist) die tatsächliche Entwicklung. Die schlechten Ertragszahlen des Einzelhandelskonzerns sind einmaligen Wertberichtigungen im Rahmen der latenten Steuern geschuldet. Das operative Ergebnis ohne diesen (nicht zahlungswirksamen) Einmaleffekt hat sich auch bei der Metro gut entwickelt - dank eines dynamischen Auslandsgeschäfts.
Volkswagen kämpft gegen schwachen Absatz
Gegen ein schwächelndes Inlandsgeschäft kämpft auch Volkswagen. Und seit Jahren ist bekannt, dass gerade der Wolfsburger Konzern eine hohe Auslastung braucht, um seine teure Produktion gewinnbringend verkaufen zu können. Europas größter Automobilhersteller, der bald mehrheitlich zu Porsche gehören soll, hat den Gewinn nach Steuern im dritten Quartal 2007 deutlich auf 947 (Vorjahr: 23) Millionen Euro erhöht. Für die ersten neun Monate weist VW einen Nettogewinn von 2,9 (1,2) Milliarden Euro aus.
„Die guten Verkaufszahlen und die verbesserten Kostenstrukturen stärken unsere Ertragskraft und Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig. Wir sind daher auf gutem Wege, unsere Ziele zu erreichen“, erklärte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch bei der Vorlage des Quartalsergebnisses. Pötsch bekräftigte, dass der Konzern im Gesamtjahr einen Gewinn vor Steuern von mindestens 5,1 Milliarden Euro erzielen werde, nach 1,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass der Vorjahreswert aufgrund einmaliger Restrukturierungskosten besonders niedrig ausgefallen ist.
Die Restrukturierung hat sich gelohnt
Aber die Restrukturierung hat sich offenbar gelohnt, denn auch das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen soll nach den Worten Pötschs deutlich über dem entsprechenden Vorjahreswert von 4,4 Milliarden Euro landen. Was bei VW die interne Restrukturierung und bei Merck die Integration der schweizerischen Serono, das war bei Daimler die Abspaltung von Chrysler. Die ehemalige amerikanische Tochtergesellschaft hat ihre Muttergesellschaft im dritten Quartal noch einmal deutlich auf Talfahrt geschickt. Aber der Ausblick für Daimler allein ist sehr positiv.
Mit Spannung wurden angesichts der internationalen Finanzkrise die Quartalszahlen der Banken erwartet. Sie haben den Turbulenzen Rechnung zu tragen versucht, indem sie ihre Risiken aus dem Handel mit amerikanischen Hypotheken neu zu bewerten versuchten.
Der Deutschen Bank halfen Sondereffekte
Mit einem blauen Auge kam die Deutsche Bank davon. Dank Sondereffekten glich Deutschlands größte Bank im dritten Quartal einen Verlust im Investmentbanking aus und erreichte unter dem Strich ein Gewinnplus von fast einem Drittel auf 1,6 Milliarden Euro. Der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann zeigte sich optimistisch, die Krise hinter sich gelassen zu haben. Davon kann bei der Dresdner Bank noch keine Rede sein. Wertberichtigungen auf Wertpapiere führten bei der Tochtergesellschaft der Allianz zu einem Gewinneinbruch um 80 Prozent.
Besser dran ist die Commerzbank. Die Bank schreibt im dritten Quartal 291 Millionen Euro aus dem Engagement auf dem amerikanischen Markt für wenig besicherte Kredite ab. Ob diese Wertberichtigungen auf das insgesamt 1,2 Milliarden Euro schwere Subprime-Portfolio ausreichend sind, ist laut Finanzvorstand Eric Strutz aber auch hier noch nicht abschätzbar. Ungeachtet dieser Belastungen hat die Bank in den ersten neun Monaten einen Konzernüberschuss von 1,72 Milliarden Euro erwirtschaftet - mehr als die für das Gesamtjahr angepeilten 1,5 Milliarden Euro.
Die Commerzbank will mehr ausschütten
Den Commerzbank-Aktionären versprach Strutz abermals eine höhere Dividende. Mit diesem Versprechen steht die Großbank nicht allein. Viele Vorstände stellen den Aktionären höhere Ausschüttungen in Aussicht. Experten gehen davon aus, dass von den 30 Dax-Unternehmen bis auf einen kleinen Rest von 5 bis 6 Gesellschaften alle die Dividende erhöhen. Es ist davon auszugehen, dass im nächsten Jahr ein Rekordwert von mehr als 30 Milliarden Euro allein von den Dax-30-Unternehmen ausgeschüttet werden wird. In diesem Jahr waren es knapp 28 Milliarden Euro. Gegenüber der Talsohle in den Jahren 2003 und 2004, als die 30 Unternehmen jeweils gut 10 Milliarden Euro ausgeschüttet haben, wäre das dann eine Verdreifachung binnen fünf Jahren.
Derzeit sind auch die Aussichten für 2008 trotz Ölpreiserhöhung, trotz schwerer Exportbedingungen wegen des starken Euro und trotz der Finanzkrise nicht schlecht. Die Industrieunternehmen gehen weitgehend davon aus, dass der internationale Aufschwung in erster Linie durch die Nachfrage in Asien getragen wird. Deren Ende ist nicht absehbar. Davon dürften auch die jetzigen Kellerkinder BMW, Henkel, Metro und Merck profitieren.
Dax-Unternehmen
Werner Eickhoff (WernerEickhoff)
- 15.11.2007, 17:12 Uhr
Georg Giersberg Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.
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