Daimler-Chrysler zieht beim Dauer-Verlustbringer Smart die Reißleine. Die Produktion des viersitzigen Modells Smart Forfour soll eingestellt werden. Vorstand und Aufsichtsrat haben zwar noch keinen formellen Beschluß gefaßt, und die Verhandlungen mit dem Produktionspartner Mitsubishi sind noch nicht abgeschlossen. Doch der Produktionsstopp wird wohl noch vor der Daimler-Chrysler-Hauptversammlung am 12. April beschlossene Sache sein: „Die notwendigen Entscheidungen werden kurzfristig erwartet“, bestätigte ein Sprecher des Autoherstellers.
Übrig bleibt von Smart dann nur der Zweisitzer Fortwo, für den Daimler-Chrysler eine Bestandsgarantie abgab: Dieser Kleinstwagen solle vollständig in die Mercedes-Organisation integriert werden. Davon erhoffe man sich deutliche Einsparungen. Betroffen davon sind 300 Mitarbeiter in der Smart-Zentrale in Böblingen, die damit auf 450 Beschäftigte schrumpft. Im Jahr 2007 soll für den Smart die Gewinnschwelle erreicht werden.
„Monat für Monat, Quartal für Quartal“
Zunächst wird der Ausstieg aus der Produktion des Viersitzers teuer: Der Konzern veranschlagt eine Milliarde Euro, die unter anderem für Ausgleichszahlungen an den Produktionspartner Mitsubishi, an die Lieferanten und Händler sowie für Integrationskosten notwendig sind. Rund 800 Millionen Euro davon werden im ersten Quartal auf das Betriebsergebnis der Mercedes-Sparte durchschlagen, die restlichen 200 Millionen Euro im Laufe des Jahres, sagte ein Sprecher.
Daimler-Chrysler wurde in den vergangenen Monaten immer schärfer wegen des Smart-Engagements kritisiert. Unter anderem hatten die arabischen Großaktionäre des Autokonzerns die Schließung oder den Verkauf gefordert. Ein Aktionär hat sogar erreicht, daß die Hauptversammlung über eine Sonderprüfung bei Smart abstimmen muß. Daimler-Chrysler-Finanzvorstand Bodo Uebber hatte die Kritik zurückgewiesen. Smart werde sehr eng geführt, man prüfe „Monat für Monat, Quartal für Quartal“. Vor einem Jahr hatte der damalige Mercedes-Vorstand Eckhard Cordes die Sanierung von Smart angestoßen, die bereits 1,1 Milliarden Euro kostete. Die vorgegebenen Einsparungsziele bei den Kosten seien erreicht worden, sagte Uebber noch diese Woche, aber beim Absatz bereite vor allem das Modell Forfour Probleme.
Nur 43.700 statt 80.000 Autos verkauft
Tatsächlich wurden von diesem Modell im vergangenen Jahr nur 43.700 Autos verkauft, während die Planungen auf einem Absatz von 80.000 Autos basierten. Von allen Smart-Modellen wurden im vergangenen Jahr 143.000 verkauft, geplant waren einst mindestens 200.000 Stück. Künftig muß der Autohersteller allein mit dem Verkauf des Zweisitzers die notwendigen Stückzahlen erreichen, um damit Gewinn zu erzielen. Das Nachfolgemodell des Zweisitzers kommt im nächsten Jahr auf den Markt. Gedacht wird auch an eine Markteinführung in Nordamerika.
Die Kosten für den Produktionsstopp des Viersitzers sind aufgrund des besonderen Geschäftsmodells für den Smart besonders hoch, weil das Auto mit geringen Anfangsinvestitionen, aber hohen Verpflichtungen gegenüber Geschäftspartnern an den Start ging. Das Modell Forfour (zu Preisen ab 10.900 Euro) wird komplett bei Nedcar im niederländischen Born produziert, einer Tochtergesellschaft von Mitsubishi Motors.
Smart und Flottenverbrauch
Henriette Kaschulke (Wissibesser)
- 28.03.2006, 14:16 Uhr
