Auch beim Möbelriesen Ikea und der Schnellimbisskette Burger King sollen Mitarbeiter überwacht worden sein. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) will wegen der Videoaufzeichnung einer Betriebsratsgründung Strafanzeige stellen.
„Burger King überwacht Mitarbeiter selbst bei der Ausübung ihrer demokratischen Rechte im Rahmen der Wahlversammlung zur Gründung eines Betriebsrates“, erklärte die NGG am Montagabend. Burger King räumte ein, dass die Versammlung am 21. April aufgezeichnet wurde, dies habe aber nicht der Überwachung der Mitarbeiter gedient.
Kameras den Mitarbeitern bekannt
Es gebe auch keine Anweisungen, die Arbeitnehmer zu bespitzeln, erklärte das Unternehmen. Weder die Geschäftsführung noch die Restaurantleitung hätten die Aufnahme angesehen. Sie stamme von einer automatischen Überwachungskamera, die im Restaurant aus Sicherheitsgründen Bilder ohne Ton aufzeichne. Diese Kameras seien den Mitarbeitern aber allesamt bekannt.
Einem Fernsehbericht zufolge hat auch Ikea seine Mitarbeiter überwacht. Sie seien ohne Zustimmung des Betriebsrates mit Hilfe von Kameras beobachtet worden, teilte das ZDF-Magazin „Frontal 21“ am Dienstag in einem Vorabbericht mit. Zudem seien illegale Protokolle über den Gesundheitszustand von Mitarbeitern angefertigt worden.
Verdi kritisiert körperliche Ausbeutung bei schlechter Bezahlung
Auf die Betriebsräte wird dem Bericht zufolge massiver Druck seitens ihrer Vorgesetzten ausgeübt. „Wer Betriebsrat geworden ist, der hat seine Karriere vermiest, der kann eigentlich darauf warten, dass er irgendwann mal zur Aufgabe seines Arbeitsplatzes gezwungen wird“, sagte die Verdi-Sekretärin im Bezirk Baden-Württemberg, Christina Frank, dem Magazin.
Zudem führe die dünne Personaldecke zu körperlichen Zusammenbrüchen von Mitarbeitern, von Teilzeitkräften werde totale Flexibilität bei schlechter Bezahlung erwartet. So sollen Teilzeitkräften die Sozialversicherungsausweise abgenommen worden sein, um sie an der Ausübung eines Zweitjobs zu hindern.
Ein Ikea-Sprecher erklärte auf Anfrage der ddp/Dow Jones Wirtschaftsnachrichten, dass die genannten Vorfälle einzeln geprüft werden. Zudem müssten sie sich in Ruhe den Fernsehbericht anschauen, da ihnen noch nicht alle Informationen vorlägen. Grundsätzlich widersprächen diese Ausführungen „komplett der Unternehmensphilosophie“. Es müsse sich um Einzelfälle handeln.
Erst Mitte März kam der Lebensmitteldiscounter Lidl in die Kritik, weil bekannt wurde, dass das Unternehmen seine Mitarbeiter überwacht hat. Ähnliches soll bei Edeka und Plus geschehen sein.
