10.08.2010 · Mit einem einzigen Logo hat Markus Heckhausen ein Unternehmen mit Millionenumsatz aufgebaut: Sein Glück ist der ostdeutsche Ampelmann. Seit 14 Jahren bestimmt er sein Leben - und ist zur zentralen Figur einer ganzen Produktreihe geworden.
Von Jan HauserAls Markus Heckhausen nach Berlin kam, muss der Osten der Stadt sehr grau gewesen sein. So grau, dass ihm damals gleich das einzige Bunte oberhalb seines Kopfes auffiel - und seitdem nicht mehr aus selbigem geht: Dort oben leuchteten die Lampen der Ampeln, und aus diesen ostdeutschen Ampelmännchen mit dem Hut schuf Heckhausen sich eine eigene Welt. Diese kleine Idee, mit der er auf der Ostalgie-Welle schwamm, genügte ihm, um ein gutes Geschäft aufzubauen. Sein Unternehmen, die Ampelmann GmbH, betreibt inzwischen vier Läden in Berlin, hat manchen Rechtsstreit um die Marke hinter sich, beschäftigt 80 Angestellte und erzielt einen Umsatz von 7 Millionen Euro im Jahr.
Das Geschäft läuft so gut, dass auf dem Besprechungstisch des Büros in den Hackeschen Höfen in Berlin mehrere Flaschen Bier stehen. Aber das sind nur Prototypen. Brauereien boten dem Unternehmen immer wieder an, alkoholische Getränke mit seinem Logo zu vertreiben, Heckhausen lehnte dies bisher ab. Alkohol passt nicht zum Bild eines Verkehrssymbols. Doch nun fiel dem Team ein Trick ein, mit dem es vielleicht gehen könnte: In der Flasche mit dem grünen Ampelmann ist alkoholfreies Bier (damit kann man noch fahren), in der mit dem roten Ampelmann dagegen normales Bier (damit sollte man nicht mehr fahren).
Das ostdeutsche Ampelmännchen wurde durch den westdeutschen Kollegen ersetzt
Wohin man in dem Großraumbüro auch blickt, immer sind ein Dutzend roter und grüner Ampelmänner zu sehen: Die zur Probe angefertigten T-Shirts hängen an einer Kleiderstange, eine Fahrradklingel mit dem Logo liegt auf dem Tisch, und an der Wand klebt ein Magnet in Form des Verkehrssymbols. 500 Produkte verkauft das Unternehmen derzeit, Schnuller, Handtücher und Schokolade gehören dazu. Ganz am Anfang des offenen Großraumbüros steht ein überlebensgroßer grüner Ampelmann, zwischendrin sitzen die überwiegend jungen Mitarbeiter vor ihren Bildschirmen und bestellen manches Produkt oder gestalten den Entwurf für den nächsten Artikel. Und ganz hinten hat Markus Heckhausen seinen Schreibtisch, neben dem von Barbara Ponn, mit der er die Geschäfte der Ampelmann GmbH führt.
Bedächtig fing alles noch an, nachdem Heckhausen 1995 den ostdeutschen Ampelmann entdeckte. Er hatte die Idee, aus den Scheiben, wie sie in der Ampel drinstecken, eine Lampe zu bauen. Zunächst musste er sich dafür die Gläser beschaffen, er suchte in Berlin und fand immer wieder welche, die gerade von den Ampeln abmontiert wurden, weil die Stadt zu der Zeit alle ostdeutschen Ampelmännchen durch westdeutsche ersetzte.
Der Hauptumsatz machen die Berliner Läden
Sein damaliges Glück verwundert ihn. Denn die ostdeutschen Ampelmänner hält er für gelungen. „Die waren bunt, hell, sympathisch und witzig“, sagt er. Sie waren ihm schließlich auch gleich aufgefallen im Osten der Stadt, wo ihn die Umgebung ansonsten an vergangene Zeiten erinnerte. „Das war wie eine Filmkulisse aus den dreißiger Jahren“, sagt er heute dazu. Inzwischen sind in den Hackeschen Höfen viele Cafés und Geschäfte eingezogen, und seit 2001 steht hier auch der erste Ampelmann-Laden. Markenhersteller fragen inzwischen auch bei Ampelmann an, ob sie Produkte mit seinem Logo als Lizenzen vertreiben dürfen - wie mit einem Fahrradhelm von Abus und einer Trinkflasche von Sigg.
Heckhausen versucht, in Ostdeutschland zu produzieren, anderes kommt aus China, Bangladesch oder wie die Fußbälle aus Pakistan. Drei Viertel des Umsatzes erzielt das Unternehmen in den Berliner Läden, die fast alles vorrätig haben: Neben der Theke liegen Fruchtgummis, und an der Wand hängt das erste Produkt: die Ampelmann-Lampe.
„Warum muss der Westen sich immer durchsetzen?“
Erstmals verkauft Heckhausen diese 1996, als sein Unternehmen noch ein Einmannbetrieb ist. In seiner Wohnung stellt er Stück für Stück 200 Wandlampen her und lagert sie dort. Heckhausen lernt den Erfinder des ostdeutschen Ampelmännchens, den Verkehrspsychologen Karl Peglau, kennen, der bis zu seinem Tod im vergangenen November dem Unternehmen als Berater zur Seite stand. Kurz darauf schließen sie einen Vertrag über die Nutzung des Logos ab. Peglau ist mit der Wende arbeitslos geworden, von ihm erfährt Heckhausen alles über die Entstehung des Verkehrssymbols (siehe Das Ampelmännchen hat Geburtstag). Diese Geschichte schreibt Heckhausen in einem Buch auf, präsentiert sie mitsamt seiner Wandlampe und geht damit durch die Presse - auch weil sie die ganze Ost-West-Problematik abbildet: Die ostdeutschen Bürger suchten damals nach einer Identität, sagt Heckhausen. Er sieht, dass wie mit dem Ampelmann nahezu alles aus dem Westen übernommen wird. „Warum muss alles aus dem Osten weg, wenn es doch schöner ist?“, fragt er. „Warum muss der Westen sich immer durchsetzen? Für uns Wessis ist das egal, aber für die Ossis nicht.“
Peglaus Ampelmann hält er dem westdeutschen Kollegen für überlegen. Denn der rote Mann bleibt nicht nur stehen, sondern streckt auch seine Arme aus und zeigt damit, dass jeder stehen bleiben soll. Kinder könnten das so besser erkennen und verstehen. Mit Peglau engagiert sich Heckhausen im „Komitee zur Rettung der Ampelmännchen“, dessen Erfolg 1997 feststeht: Die ostdeutschen Ampelmännchen kehren nach Berlin zurück und werden später sogar auch im westdeutschen Stadtteil montiert.
„Am Anfang war es ein Kult-Produkt, dann kam es in den Souvenirmarkt“
Durch all die öffentlichen Aktionen werden seine Lampen bekannter, er lagert Vertrieb und Produktion aus und entwirft nun andere Ampelmann-Artikel wie Schlüsselanhänger oder Magnete. Doch nach und nach schwindet die Aufmerksamkeit und Ende der Neunziger endet der Kult um die Ampelmänner. Heckhausen übernimmt wieder den Vertrieb und die Produktion. „Am Anfang war es ein Kult-Produkt, dann kam es in den Souvenirmarkt“, sagt er.
2005 erhält er wieder mediale Aufmerksamkeit: Vor Gericht streitet er sich um das Markenrecht an dem Logo mit einem ostdeutschen Unternehmer, der in der DDR die Ampelmännchen herstellte. Das Gericht gibt der Ampelmann GmbH weitgehend recht (siehe Urteil im Streit um das Ost-Ampelmännchen). Vor drei Jahren eröffnet Heckhausen mit einem Ampelmann-Restaurant, in dem seine Mitarbeiter einmal in der Woche kostenlos essen können, ein weiteres Geschäftsfeld, das bislang noch keine Gewinne macht.
Markus Heckhausen hat sich nun mehr als 14 Jahre lang nur um seinen Ampelmann gekümmert und meist neun bis zehn Stunden am Tag gearbeitet. „Ich war immer unter Druck“, sagt er. „Wenn der Bedarf da ist, müssen wir den auch decken. Sobald ein Vakuum entsteht, bedient es ein anderer.“ Immer noch gibt es Produkte, die er nicht im Laden hat, deren Prototypen erst im Büro stehen - und wahrscheinlich immer noch viele, an die er nicht gedacht hat. Es ist fast, als ob ein Ampelmann weiter und weiter durch Heckhausens Kopf rennt.
Das Unternehmen
Markus Heckhausen gründete 1999 die Make Design GmbH, den Vorgänger der Ampelmann GmbH, als er schon längst die ersten Ampelmann-Produkte verkaufte. Im Dezember 2001 eröffnete das Unternehmen seinen ersten Laden in den Hackeschen Höfen in Berlin - mittlerweile gibt es vier Läden in Berlin. Seit 2007 betreibt die Firma zudem ein Ampelmann-Restaurant an der Spree. Der Umsatz stieg von 0,9 Millionen Euro 2003 auf 3 Millionen Euro 2006 und legte bis 2009 auf 7 Millionen Euro zu.
Der Unternehmer
1995 konzipierte Markus Heckhausen das erste Produkt seines späteren Unternehmens: die Ampelmann-Lampe. Er ist Diplom-Produktdesigner und schloss sein Studium 1987 in Pforzheim ab. Danach erhielt er ein Stipendium bei Anna Castelli-Ferrieri (Kartell) in Mailand. Seitdem arbeitet er als selbständiger Designer, lebt von 1995 an in Berlin und wohnt in der Nähe des Büros bei den Hackeschen Höfen. Die Geschäfte der Ampelmann GmbH führt er gemeinsam mit Barbara Ponn.
| Name | Kurs | Prozent |
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