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Vor der Riesen-Flugzeugschau : Wird der A380 doch gerettet?

Ewige Rivalen: Flugzeuge von Airbus und Boeing kommen sich auch am Flughafen Düsseldorf in die Quere. Bild: Imago

Der europäische Flugzeughersteller Airbus hofft auf ein Neugeschäft für seine schwer verkäuflichen A380-Maschinen aus dem Nahen Osten. Sein amerikanischer Erzrivale Boeing erwartet Großaufträge aus einer anderen Region.

          Airbus hat konkrete Hoffnung, in Kürze einen neuen Großauftrag für sein viermotoriges Groß-Flugzeug A380 unterschreiben zu können. Auf der an diesem Sonntag beginnenden Luftfahrtschau in Dubai könnte die Fluggesellschaft Emirates den Bau von mehr als dreißig A380 in Auftrag geben, hat die Nachrichtenagentur Reuters gemeldet. Airbus wollte den Bericht nicht bestätigen, doch in Konzernkreisen hieß es, dass die Spekulation in die richtige Richtung zeige. Allerdings sei das Geschäft noch nicht unter Dach und Fach.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Emirates hatte in den Jahren zuvor 142 Flugzeuge dieses Typs bestellt und ist seitdem der mit Abstand größte Betreiber der A380. Das Flugzeug, das bis zu 500 Passagiere befördern kann, weist im Vergleich zu zweimotorigen Langstreckenjets relativ hohe Betriebskosten auf. Nicht von ungefähr zögern viele Fluggesellschaften mit dem Kauf.

          Teures Prestigeobjekt

          Am 15. Oktober 2007 übergab Airbus die erste A380 an seinen langjährigen Großkunden Singapore Airline. Doch seit dem Jahr 2015 hat der Hersteller aus Toulouse kein weiteres Flugzeug dieses Typs mehr verkauft. Die Produktion wurde daher in jüngster Zeit gedrosselt. Künftig sollen nur noch acht A380 im Jahr gefertigt werden, teilte Airbus mit. Um weitere Rückgänge der Produktion zu verhindern, soll der Stammkunde aus Dubai in die Bresche springen.

          Schon bei einer Feier zur Auslieferung des hundertsten A380 in Hamburg hatte der Vorsitzende der Emirates-Gruppe, Scheich Ahmed bin Saeed Al-Maktoum, einen neue Auftrag angedeutet. Es liefen dazu Gespräche, hieß es in Hamburg. „Der A380 hat zweifellos einen großen, positiven Einfluss auf die Luftfahrtproduktion und die gesamte Luftverkehrsindustrie“, sagte der Scheich.

          Airbus braucht dringend neue Aufträge für das rund 15 Milliarden Euro teure Prestigeprojekt, dessen Nachfrage weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Wegen der hohen Betriebskosten setzen viele Fluggesellschaften lieber auf zwei- statt vierstrahlige Passagierflugzeuge. In diesem Jahr kam es dagegen zu zwei Abbestellungen. Überhaupt bestehen Zweifel, ob der verbliebene Auftragsbestand von rund hundert A380 von den Kunden überhaupt vollständig abgenommen wird.

          Boeing hofft auf China

          Wenn der Auftrag aus Dubai über mehr als 30 Typen des A380 tatsächlich zustande kommen sollte, könnte er laut den Listenpreisen einen Wert von rund 14 Milliarden Dollar aufweisen. Doch in der Luftfahrtbranche sind zweistellige Rabatte von bis zu 50 Prozent auf solche Listenpreise durchaus üblich.

          Eine solche Großbestellung dürfte das Leben des weltgrößten Passagierflugzeuges verlängern, doch nicht unbedingt für lange Zeit absichern. Denn die Abhängigkeit von einem Großkunden – Emirates – würde sich noch verstärken. Airbus-Chef Tom Enders hatte in Hamburg zwar gesagt, dass der europäische Konzern weiter in das Flugzeug investieren werde, doch die Anstrengungen halten sich in Grenzen. Kürzlich hat man eine Version vorgestellt, die den Einbau von 80 weiteren Sitzen ermöglicht.

          Erst wenn neben Emirates weitere Kunden hinzukommen, dürfte Airbus zu einer ernsthaften Modernisierung bereit sein, etwa in Form der Ausstattung mit neuen spritsparenden Triebwerken oder aerodynamisch gestalteten Flügeln, die die Betriebskosten der A380 nach Ansicht von Experten deutlich senken. Allerdings sind die Änderungen für ein „A380-Neo“-Programm mit hohen Investitionen in Milliardenhöhe verbunden, die Airbus scheut.

          Während Airbus auf neue Aufträge von Kunden aus dem Nahen Osten hofft, setzt der Rivale Boeing auf Neugeschäft in China. Im Nachgang des Staatsbesuchs von Präsident Trump in Peking, kursierten in chinesischen und amerikanischen Meldungen über eine wahre Auftragsflut für den Hersteller aus Seattle. Danach könne Boeing mit Neuaufträgen für insgesamt 300 Passagierflugzeuge im Gesamtwert von rund 37 Milliarden Dollar rechnen.

          Die Bestellungen der staatlichen Leasinggesellschaft CASC umfassen 260 Kurzstreckenjets des Typs 737 und Langstrecken-Flugzeuge der Typen 787 und 777. Kenner bezweifeln, dass es sich ausschließlich um Neuaufträge handelt. Lediglich 100 Bestellungen sollen beim jüngsten Trump-Besuch neu ausgehandelt worden sein, hieß es am Freitag.

          Quelle: F.A.Z.

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