06.11.2009 · Der Modekonzern Escada wird künftig von einer Inderin geführt. Nach einem langen Niedergang ist der insolvente Luxusmode-Hersteller verkauft worden. Die Mitarbeiter sind erleichtert, der Aktienkurs macht einen Riesensprung nach oben.
Der insolvente Luxusmode-Hersteller Escada wird nach Indien verkauft. Megha Mittal, die Schwiegertochter des einflussreichen indischen Stahlunternehmers Lakshmi Mittal, übernimmt den Münchner Konzern, wie Escada am Donnerstag mitteilte. Ein Kaufvertrag sei unterzeichnet worden. Die 33-jährige Mittal, Mutter von zwei Kindern und früher für die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs tätig, unterstreiche damit ihr Interesse an der Modebranche, so Vertraute.
Die Beschäftigten von Escada haben mit Erleichterung auf den Verkauf des Unternehmens an die indische Mittal-Familie reagiert. Bei einer Mitarbeiterversammlung stellte sich am Freitag Megha Mittal den Beschäftigten vor. Die Inderin, die die treibende Kraft hinter der Übernahme war, sei mit großem Jubel empfangen worden, sagte Escada-Betriebsratschefin Ursula Dreyer. „Es war eine sehr emotionale Veranstaltung“, viele Mitarbeiter hätten Freudentränen vergossen.
Aktienkurs deutlich im Plus
Der Kurs der Escada-Aktie stieg in Frankfurt zwischenzeitlich um 51 Prozent. Um 10.30 Uhr lagen die Papiere mit etwa 13 Cent oder mehr als 25 Prozent im Plus bei 64 Cent.
Megha Mittal lies am erklären: „Unser wichtigstes Ziel ist zu garantieren, dass das bedeutende Erbe dieser weltbekannten Firma in eine sichere und erfolgreiche Zukunft übertragen wird. Trotz der Schwierigkeiten in der letzten Zeit hat Escada das Potenzial, seinen Platz in der Welt der Luxus-Marken neu zu definieren, und zum Synonym für anspruchsvolle Qualität und Eleganz zu werden.“ Sie sei überzeugt, dass das Team unter Escada-Chef Bruno Sälzer das erreichen könne.
Mittal werde mit dem bisherigen Management um Bruno Sälzer zusammenarbeiten. Der Ex-Chef von Hugo Boss war geholt worden, um Escada zu retten, was aber nicht gelang (Modemarke Escada: Der Mode-Enthusiast). Escada musste, weil Veränderungen in der Branche ihre Zeit brauchen und das Geld in der Wirtschaftskrise ausging, im Sommer Insolvenz beantragen. Die Kollektionen galten seit langem als altbacken und kamen nicht mehr bei den Kunden an - hohe Verluste waren die Folge.
Eine Strategie ähnlich wie bei Boss
Sälzer will Escada im breiteren Luxusmarkt und nicht mehr nur im allerteuersten Segment positionieren. Er hat das Design verändern lassen und versucht, mit anderen Stoffen sowie Farben zu punkten. Außerdem automatisiert er die Herstellung nach dem Vorbild von Hugo Boss. Diese Strategie solle fortgesetzt werden, hieß es.
Escada-Insolvenzverwalter Christian Gerloff sprach von einem attraktiven und sicheren Verhandlungsergebnis für die Gläubiger. Den Preis wollte er aber nicht nennen. Der Gläubigerausschuss habe der Transaktion zugestimmt. An die Familie Mittal gehen nun alle wesentlichen Teile des operativen Geschäftsbetriebs samt der Mitarbeiter. Hinzu kommen die weltweiten Markenrechte, die Produktionsstätten und die Vertriebsstruktur.
Unterlegene Bieter: „Vorschnell getroffene Entscheidung“
„Wir haben mit der Familie Mittal unseren Wunschpartner gefunden.“, sagte Sälzer. „Nun zählt nur noch der Blick nach vorne.“ Die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Management war einer der Knackpunkte in den Verhandlungen.
Der unterlegene Escada-Interessent Sven Ley hat den Verkauf des Modekonzerns an die indische Stahlunternehmer-Familie Mittal kritisiert. „Angesichts des in unseren Augen schwierigen Verkaufsprozesses sind wir erstaunt über die nun recht vorschnell getroffene Entscheidung“, teilte das Konsortium um den Sohn des Escada-Gründers Wolfgang Ley mit. Ley und seine Partner hätten über das bessere Konzept verfügt. Zuletzt hatten sie gegen Sälzer Stimmung gemacht und wollte ihn durch den Italiener Giacomo Santucci ersetzen, der früher bei Prada und Gucci aktiv war.
Ley hatte einen Umsatzsprung in den nächsten Jahren in Aussicht gestellt und öffentlich Druck auf Gerloff ausgeübt. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2008/09, den letzten bekannten Geschäftszahlen, kam Escada auf Erlöse von nur noch 151 Millionen Euro. Branchenkreisen zufolge hatte das Ley-Konsortium knapp 80 Millionen Euro geboten, mit einem Mindestgarantiepreis von 50 Millionen.
Escada hat noch gut 2200 Mitarbeiter. Seine größten Erfolge feierte das Unternehmen Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre unter seiner preisgekrönten Chefdesignerin und Mitgründerin Margaretha Ley. Damals dominierte das Haus die Szene mit farbenprächtigen und ausgefallenen Kleidern - und verhalf Hollywood-Stars wie Kim Basinger oder Demi Moore auf dem roten Teppich zu Glanz.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.374,63 | −1,40% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2428 | −0,48% |
| Rohöl Brent Crude | 104,33 $ | −2,36% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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