http://www.faz.net/-gqe-91nln

Bald E-Auto-Konzern : Daimlers Wandel hat seinen Preis

Daimler-Vorstandschef Zetsche mit Mercedes EQ Bild: dpa

Mehr Elektromodelle bedeuten weniger Gewinn. Deshalb gibt es jetzt ein Vier-Milliarden-Euro-Sparprogramm. Doch Vorstandschef Dieter Zetsche hat noch mehr vor.

          Der Glanz neuer Automodelle und der Zauber neuer Dienstleistungen bleibt der Automesse IAA vorbehalten. Die harten Fakten für die Anleger präsentierte der Daimler-Vorstand auf einem Investorentag in Sindelfingen vorab: Der Wandel hin zu mehr Elektromobilität hat seinen Preis. Die Rendite wird unter Druck geraten, deswegen wird gespart, lautet die Botschaft, die an der Börse prompt zu einem Kursrutsch führte. Während der Dax kräftig stieg, verlor das Dax-Schwergewicht Daimler zeitweise mehr als 2 Prozent seines Wertes, bevor sich der Kurs wieder bei Werten um 64,50 Euro (minus 0,5 Prozent) einpendelte.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Das Jahres-Tief hatte die Daimler-Aktie mit einem Kurs von 59,29 Euro Ende Juli erreicht, obwohl Daimler damals für das zweite Quartal 2017 gleich mehrere Rekorde verkündete. „Hinter uns liegt ein hervorragendes Quartal“, hatte Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche erklärt und hinzugefügt: „Unsere Strategie greift. Wir haben uns ambitionierte Ziele gesetzt. Und wir erreichen sie – bei Absatz und bei Profitabilität.“ Mit fast verkauften 600.000 Autos erreichte die Autosparte von Mercedes im zweiten Quartal eine Umsatzrendite (vor Zinsen und Steuern) von 10,2 Prozent und mehr als den Zielwert von 10 Prozent, den Daimler schon vor Jahren ausgegeben hatte.

          Doch dass es so weitergeht, ist alles andere als selbstverständlich, wie Dieter Zetsche jetzt gegenüber den Investoren ankündigte: „Um sicherzustellen, dass wir so profitabel bleiben wie wir sind, haben wir ein neues Programm aufgelegt, das uns einen Schub von zusätzlichen 4 Milliarden Euro über die kommenden Jahre bringen soll.“ Gespart werden soll unter anderem bei den Materialkosten, in der Produktion und durch eine schnellere Markteinführung neuer Produkte.

          Schon 2020 soll Smart nur noch Elektroauto sein

          Kurz vor Beginn der IAA präzisierte Daimler damit auch die Pläne zum Ausbau des Elektroangebots. Schon 2020 soll der Kleinstwagen Smart in Europa und Nordamerika nur noch als reines Elektroauto angeboten werden. Sämtliche Mercedes-Modelle, mehr als 50, sollen bis zum Jahr 2022 mit elektrifizierten Antrieben angeboten werden, also entweder als reine Elektroautos oder als Hybride, die zum Beispiel in der Stadt elektrisch und auf Langstrecken mit einem Verbrennungsmotor fahren können. Auf dem Pariser Autosalon vor einem Jahr hatte Mercedes angekündigt, bis 2022 unter der Marke EQ mehr als zehn reine Elektroautos auf den Markt zu bringen. Der Anteil der elektrischen Antriebe am Absatz soll bis zum Jahr 2025 ein Viertel erreichen.

          Bis dahin, so prognostiziert Zetsche, werden die Batteriekosten so stark gesunken sein, dass die heute noch teureren Elektroautos zu gleichen Kosten produziert werden können wie solche mit Verbrennungsmotor. Indes: Elektroautos haben zumindest am Anfang eine deutlich geringere Gewinnmarge als die klassischen Modelle. Frank Lindenberg, Finanzchef der Mercedes-Sparte, sagte daher mit Blick auf das Renditeziel von 10 Prozent für Mercedes: „Wir werden weiterhin 10 Prozent anstreben, aber wir müssen während des Übergangs auf einen Korridor von 8 bis 10 Prozent vorbereitet sein.“

          Bei einzelnen Modellen sei der Gewinnbeitrag nur halb so hoch wie bei den Fahrzeugen, die durch die Elektroversion ersetzt würden, sagte Lindenberg. Auch deshalb hat der Stuttgarter Konzern ein Interesse daran, noch möglichst lange Autos mit konventionellem Antrieb zu verkaufen: „Verbrennungsmotoren bleiben über längere Zeit das Rückgrat für die CO2-Ziele und auch unsere Finanzstärke“, sagte Zetsche auf dem Kapitalmarkt-Tag.

          Ausgaben für Entwicklung werden gesteigert

          Druck auf die Rendite entsteht unter anderem dadurch, dass kräftig investiert werden muss. Lagen die Investitionen in Werke und Anlagen im vorigen Jahr noch bei 4,6 Prozent des Umsatzes, steigt der Wert in diesem Jahr auf 5 Prozent und im kommenden Jahr auf 6 Prozent. Auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollen gesteigert werden, von zuletzt 6,4 Prozent des Umsatzes auf 7 Prozent in diesem und im nächsten Jahr. Die Quote soll im nächsten Jahrzehnt aber wieder sinken, so dass ein Teil der Kosteneinsparungen von 4 Milliarden Euro bis 2025 auch durch einen Rückgang der Forschungsausgaben ermöglicht wird.

          Der Löwenanteil des Sparvolumens soll aber durch Änderungen in der Produktion erzielt werden. So wird der Anteil der eigenen Wertschöpfung noch weiter verringert, was sich allein schon aus der Tatsache ergibt, dass Aggregate für Verbrenner wesentlich arbeitsintensiver zu produzieren sind als Elektroantriebe. Die Folge ist, dass Mercedes im Zuge des Wandels zum Elektroauto nur dann seine Beschäftigtenzahl in den Werken halten könnte, wenn gleichzeitig die Stückzahl sehr deutlich gesteigert würde.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Der Geruch des Todes Video-Seite öffnen

          Kodokuschi in Japan : Der Geruch des Todes

          Kodokuschi - so nennen es die Japaner, wenn jemand alleine stirbt. Und das passiert häufiger, als man denkt. Der Grund dafür sei in Japans kulturellem und wirtschaftlichen Wandel zu finden.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Theresa May hat im Unterhaus eine Niederlage einstecken müssen.

          Brexit-Schlappe für May : Das Parlament besteht darauf

          Kurz vor dem EU-Gipfel bringt das britische Parlament der Premierministerin mit dem Veto-Recht eine bittere Niederlage bei. Was bedeutet das für Theresa May?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.