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Startup im Konzern : Diese Daimler-Leute sollen Tesla und Uber herausfordern

Ein Mitarbeiter des Lab 1886 von Daimler in Stuttgart präsentiert den Wandel des Autoherstellers im Laufe der Jahre. Bild: Daimler

Findige Mitarbeiter des Autoherstellers können eine Blitzkarriere als Jungunternehmer machen – und gleichzeitig die Sicherheit des Konzerns genießen.

          Über der ziemlich verrosteten Tür prangt „Lab 1886“ – man ist ja schon ordentlich im Autokonzern Daimler, wo es ein Logo gibt, wird es auch verwendet. Gesehen wird es in diesem Fall wohl kaum. Die Wellblechhalle ist weitab vom Schuss, wo kaum jemand zufällig vorbeifährt. Sie ist auch weitab von der Konzernzentrale, denn wer im Lab 1886 etwas zu tun hat, soll sich nicht in die Zwänge eines Traditionsunternehmens einfinden müssen, sondern soll die Zukunft gestalten. „Lab 1886“ ist der Name für das, was man bei Daimler als „hocheffiziente, globale Innovationsmaschine“ bezeichnet, ein Inkubator mit Standorten in Stuttgart und Berlin, in China und Kalifornien. In diesem Inkubator werden neue Geschäftsmodelle regelrecht gezüchtet.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Das Anliegen ist nicht neu. Schon vor zehn Jahren hat Daimler die Abteilung „Business Innovation“ gegründet, damit jenseits von Chrom und Pferdestärken am Wandel des Stuttgarter Autokonzerns zum Mobilitätsunternehmen gearbeitet werden konnte. Mit Car2Go machte die Abteilung schnell auf sich aufmerksam. Sich online ein Auto zu suchen und für ein paar Kilometer zu mieten war damals noch revolutionär – das dafür sehr praktische Smartphone kam schließlich erst später auf.

          Der Druck steigt, seit die Welt täglich digitaler wird. „Daimler muss sich neu erfinden“, fordert Konzernchef Dieter Zetsche und hat eine neue Agenda ausgerufen. Unter dem Kürzel „Case“ (connected, autonomous, shared und electric) wird jetzt alles vorangetrieben, was Tesla, Uber, Apple und Co. das Fürchten lehren könnte. „Ideen gibt es genug“, lautet die Erkenntnis. Der Konzern beschäftigt schließlich 280.000 Menschen rund um den Globus. Und es gibt auch mehr als vier Dutzend Innovationshubs, die dafür sorgen, dass gute Initiativen nicht einfach irgendwo im Sande verlaufen.

          DAIMLER

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          Die Prozesse werden immer stärker professionalisiert, was sich zwar spaßfrei anhört, aber im Prinzip genau das Gegenteil voraussetzt: Die Mitarbeiter sollen sich animiert fühlen, ihre Kreativität zugunsten der Konzernentwicklung einzusetzen.

          „Die Macht der Crowd beeindruckt mich“

          Gerade läuft zum Beispiel die „100-Millionen-Challenge“. Gesucht ist etwas ganz Großes: 100 Millionen Klicks soll es bringen, 100 Millionen geladene Kilowattstunden oder 100 Millionen autonom beförderte Passagiere. Nachdem die Ideen von Fachleuten schon einmal vorsortiert worden sind, darf die Belegschaft derzeit durch ein virtuelles Crowdfunding die aussichtsreichsten Vorschläge küren. Die ausgewählten Kollegen bekommen dann die Chance, im Lab 1886 quasi eine Blitzkarriere in Start-up-Manier zu machen, abseits ihrer eigentlichen Aufgabe im Daimler-Konzern.

          „Die Macht der Crowd beeindruckt mich“, sagt Susanne Hahn, die damit beauftragt wurde, die einstige Abteilung Business Innovation in eine ganz neue Dimension zu bringen. Die Vorbilder sind groß, wie schon der Name „Lab 1886“ signalisiert, der an die Gründerväter des Stuttgarter Konzerns erinnert. Damals, im Jahr 1886, baute Gottlieb Daimler in einer Garage in Cannstatt den ersten 1-Zylinder-Motor, die Keimzelle für den heutigen Daimler-Konzern. „Hätte Deutz damals einen eigenen Inkubator gehabt, wäre Gottlieb Daimlers Potential dort genutzt worden“, ist sich Susanne Hahn sicher – denn als Angestellter in der Gasmotorenfabrik Deutz in Köln war Gottlieb Daimler zuvor mit seinem Vorschlag für einen kleinen Motor gescheitert.

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