20.04.2009 · Der Autokonzern Daimler führt Gespräche mit dem chinesischen Staatsfonds CIC. Während der mögliche Partner Interesse an der Umwelttechnik zeigt, will der Hersteller aus Stuttgart das Lastwagengeschäft im Reich der Mitte auf Touren bringen.
Von Christoph HeinDaimler spricht mit dem chinesischen Staatsfonds China Investment Corp. (CIC) über eine Beteiligung. Am Dienstag trifft Konzernchef Dieter Zetsche Partei- und Regierungsvertreter in Peking. Mit Blick auf den chinesischen Staatsfonds sagte Zetsche der F.A.Z. auf der Automobilmesse in Schanghai: „Wir haben uns mehrfach getroffen, die Gespräche sind nie abgebrochen.“ Eine Kapitalbeteiligung von CIC würde den Stuttgartern alle Türen in China öffnen. Der chinesische Minister für Wissenschaft und Technologie, der frühere Audi-Manager Wan Gang, erklärte am Montag schon Chinas Interesse an den alternativen Antrieben der Stuttgarter. Im August wird Daimler die Weltpremiere seines Luxusautomobils S-Klasse mit einem Hybridantrieb in China feiern.
Lou Jiwei, Vorsitzender des Verwaltungsrates von CIC, hatte am Samstag angekündigt: „Wir beobachten Europa genau und haben mehrere gute Möglichkeiten für eine Industriebeteiligung ausgemacht. Wir tätigen nur vorsichtige Investitionen im Ausland in angemessenem Umfang“. Lou deutete an, dass er durchaus auch Einfluss auf das Management bei Beteiligungen nehmen wolle: „Im vergangenen Jahr hatten uns die Europäer nie erlaubt, mehr als 10 Prozent eines Unternehmens zu kaufen, und zugleich verlangt, unser Stimmrecht abzugeben.“ Das habe sich nun dank der Finanzkrise geändert.
Abu Dhabi scheint weiterer Beteiligung nicht im Wege zu stehen
Der Einstieg des Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi, der Ende März 9,1 Prozent an dem Stuttgarter Unternehmen für 1,95 Milliarden Euro gekauft hatte, scheint einer weiteren Beteiligung nicht im Wege zu stehen. „Wir haben mit der Investition aus Abu Dhabi zwei Ziele erreicht: Unser Eigenkapital ist so gestärkt, dass wir unsere Zukunftsinvestitionen vorantreiben können. Als Nebeneffekt haben wir unsere Aktionärsbasis stabilisiert und die Hürde für den Einstieg Dritter höher gelegt“, sagte Zetsche. Gleichwohl zähle es zu den Aufgaben eines Vorstandsvorsitzenden, Produkte und Aktien seines Konzerns zu verkaufen. Schon seit 1974 ist das Emirat Kuweit bei Daimler engagiert. Sein Anteil liegt jetzt noch bei 6,9 Prozent.
In Peking wird Zetsche sich vor allem bemühen, das seit Jahren geplante Gemeinschaftsunternehmen mit Foton zum Bau von Nutzfahrzeugen in die Wege zu leiten. In den beiden asiatischen Schwellenmärkten China und Indien liegt die Nutzfahrzeugsparte der Stuttgarter weit hinter ihren Zielen zurück: Während sich die Foton-Pläne Jahr um Jahr verzögern, ist das geplante Gemeinschaftsunternehmen mit Hero in Indien gerade geplatzt. „Unser Partner hatte in der Finanzkrise nicht mehr die Möglichkeit, sein Eigenkapital einzubringen. Nun suchen wir einen anderen Industriepartner“, sagte der Daimler-Chef. Das müsse nicht zwingend ein Automobilunternehmen sein, fügte er an.
„Sind in der Vergangenheit nicht als der konsistenteste Partner erschienen“
Wie wichtig der Sektor ist, zeigt China: Dort wolle Daimler gemeinsam mit Foton einen Marktanteil von etwa 22 Prozent erreichen, wenn die Pläne erst genehmigt seien. Die Genehmigung des Foton-Projektes sieht Zetsche nun bevorstehen. Und er übte Selbstkritik: „Wir sind in der Vergangenheit nicht als der konsistenteste Partner erschienen“, sagte er mit Blick auf die Folgen des Chrysler-Abenteuers. Bislang verkaufen die Stuttgarter in China nur gut 1000 Speziallaster, zum Beispiel für Bergwerke.
Im Automobilbereich hat Daimler im ersten Quartal seinen Absatz in China um 30 Prozent auf gut 11 000 Einheiten gesteigert. Allerdings geht dieser Anstieg auf die höheren Verkäufe der rendite-schwächeren Fahrzeuge der B-, C- und E-Klasse zurück. Auch aufgrund der neuen Luxussteuer in China stagnierte der Verkauf der S-Klasse dagegen auf Vorjahresniveau. „Der März war mit einem Absatzanstieg von 50 Prozent auf 5000 Einheiten der beste Monat für Mercedes-Benz in China, dem nun größten Automobilmarkt der Welt“, sagte Zetsche.
Christoph Hein Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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