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Vor Audi und BMW : Mercedes-Benz verkauft erstmals mehr als zwei Millionen Autos

  • Aktualisiert am

Kann sich freuen: Daimler-Chef Dieter Zetsche. Bild: dpa

Eigentlich wollte Daimler-Chef Zetsche seine Marke bis 2020 an die Spitze des Premiumsegments setzen. Das ist ihm schon jetzt gelungen. Dafür entscheidend waren Verkäufe fern der Heimat.

          Daimler-Chef Dieter Zetsche hat sein wichtigstes Ziel schon vorzeitig erreicht: Der Stuttgarter Autobauer verkaufte im vergangenen Jahr erstmals mehr als zwei Millionen Pkw der Marke Mercedes-Benz und dürfte damit den Platz als führender Premiumautobauer vor BMW und Audi sicher haben. Die Marke mit dem Stern setzte 2016 dank neuer Modelle rund 2,08 Millionen Fahrzeuge ab, ein Zuwachs zum Vorjahr von gut elf Prozent. Mit zweistelligem Wachstum in China und Europa habe sich Mercedes-Benz an die Spitze im Premiumsegment gesetzt, erklärte Zetsche am Sonntag kurz vor Beginn der Automesse in Detroit. „Und wir machen weiter Tempo – mit neuen Technologien, Produkten und Dienstleistungen“, ergänzte er.

          Zetsche wollte die Krone, die BMW den Schwaben 2005 abjagte, bis 2020 zurückerobern. Nun feiert er den Absatzrekord in einer Zeit, in der nach Expertenmeinung für den Erfolg bald nicht mehr zählt, wer die meisten Autos losschlägt, sondern wer zusätzlich die meisten digitalen Dienste verkauft. Das Ziel für 2020 hatte sich Daimler im Jubiläumsjahr 2011 vorgenommen, 125 Jahre nach der ersten Patentanmeldung auf ein Fahrzeug durch Carl Benz, neben Gottlieb Daimler Gründervater des Traditionskonzerns. Im selben Jahr überholte die VW-Tochter Audi und verwies die Schwaben auf Platz drei in der Rangfolge der weltweit größten Premiumanbieter. Das sportliche Design der Marke mit den vier Ringen spielte dabei eine wichtige Rolle. Im vergangenen Jahr verkauften die Bayern 1,87 Millionen Wagen. BMW veröffentlicht seine Zahlen später am Montag.

          „Das Design war nicht top“

          Daimler lernte aus den Fehlern der Vergangenheit. „Wir hatten Defizite: Kosten- und Qualitätsprobleme. Das Design war nicht top“, erklärte Zetsche im Gespräch mit Reuters. Auch sei für das Produkt früher entscheidend gewesen, was die Ingenieure technisch entwickeln konnten. „Wir lösten Probleme, die die Kunden gar nicht sahen.“ Das Auto aus Sicht des Kunden zu entwickeln und die von Chefdesigner Gorden Wagener geschaffene Designsprache, die das gesamte Portfolio vom Kompaktwagen A-Klasse bis zur Luxuslimousine S-Klasse bestimmt, sind Zetsche zufolge die wichtigsten Zutaten zum Erfolgsrezept.

          Die Wende begann mit der Erneuerung der gesamten Produktpalette ab 2012. Den entscheidenden Schub brachte unterdessen das Wachstum in China, wo Mercedes-Benz vor allem durch die Neuausrichtung des Vertriebs den großen Abstand zu den viel erfolgreicheren Rivalen Audi und BMW stark verkürzte.

          Digitaler Innovationsschub

          Der 63-jährige Vorstandschef, der seit zehn Jahren an der Spitze von Daimler steht, will das Unternehmen in seiner letzten Amtszeit bis Ende 2019 abermals zum Umdenken erziehen. Denn in der gesamten Branche gilt das Motto: Vom Autobauer zum Mobilitätsanbieter. Der jüngste digitale Innovationsschub führe in der Autoindustrie zum größten Strukturwandel des vergangenen Jahrhunderts, heißt es etwa in einer Analyse von der Landesbank Baden-Württemberg. Auch Unternehmensberater wie KPMG erwarten mit dem Trend zum vernetzten, selbstfahrenden Auto radikale Veränderungen, da immer mehr Menschen Autos nicht mehr besitzen, sondern nur noch nutzen wollten.

          Deshalb werde nicht mehr die Zahl der verkauften Fahrzeuge das Maß aller Dinge sein, sondern die Profitabilität des Kunden, erklärte KPMG-Autoexperte Dieter Becker. Künftig komme es darauf an, den Kunden im „digitalen Ökosystem“ möglichst lange zu binden und Geschäft zu machen mit neuen Dienstleistungen, die sich aus gigantischen Datenmengen schöpfen lassen. In einer Umfrage von KPMG unter rund 1000 Führungskräften der Autobranche gingen 85 Prozent davon aus, dass ein Autobauer künftig mehr Umsatz mit den digitalen Diensten als mit dem Auto selbst erzielen wird. Dass die traditionellen Branchengrößen dadurch in ihrer Existenz bedroht sind, glaubt Zetsche nicht. In den 40 Jahren, die er in der Autoindustrie arbeite, werde fast jährlich deren Ende prophezeit, sagte er kürzlich auf einer Konferenz der Wochenzeitung „Die Zeit“ in Frankfurt. „Wir sind aber nicht so schlecht unterwegs – uns braucht niemand zum Jagen zu tragen.“

          Quelle: Reuters

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