06.10.2008 · Trifft die Finanzkrise nun die Autobauer mit noch größerer Wucht? Daimler jedenfalls plant offenbar weitere Produktionskürzungen. In Sindelfingen solle die Herstellung der Autos gedrosselt und die Weihnachtspause verlängert werden, berichtete eine Fachzeitschrift. Jetzt herrscht Verunsicherung.
Von Alexia AngelopoulouDie Daimler AG reagiert auf die sinkende Nachfrage offenbar mit weiteren Produktionskürzungen. Wie die Branchenfachzeitschrift „Automobilwoche“ unter Berufung auf einen Daimler-Manager und auf Branchenkenner berichtet, soll die Auto-Produktion im Werk Sindelfingen bei Stuttgart um weitere 35.000 Fahrzeuge heruntergefahren werden, nachdem im vergangenen Juli schon eine Kürzung um 45.000 Autos beschlossen worden war.
Zwischen dem 6. Dezember und dem 18. Januar könnten weite Teile des Werks Sindelfingen stillstehen. Eine Sprecherin des Konzernbetriebsratschefs Erich Klemm bezeichnete den Bericht als Ente. Er habe die Mitarbeiter beunruhigt, stimme aber nicht. „Der 16. Dezember ist bei uns letzter Arbeitstag, und wann es im Januar weitergeht, wurde noch nicht vereinbart. Jedenfalls nicht am 18. Januar, das wäre auch ziemlich spät.“ In der Zentrale des Konzerns hingegen hält man sich bedeckt und will die Zahl von insgesamt 80 000 Einheiten weder dementieren noch bestätigen. „Zum Thema Produktionskürzungen ist alles gesagt“, heißt es nur aus dem Bereich Produktionsplanung.
Fahrzeuge auf Halde
Dem Bericht zufolge produziert Daimler seit Monaten Fahrzeuge auf Halde und lagert sie am Lastwagen-Standort Wörth. Vorstandschef Dieter Zetsche sagte vergangene Woche auf dem Pariser Autosalon: „Wir können die Marktsituation nicht ändern. Das Einzige, was wir tun können, ist, die Produktion in Einklang mit der Nachfrage zu bringen.“ Die Finanzkrise habe sich auf das Autogeschäft niedergeschlagen, viele Märkte verzeichneten starke Rückgänge.
2007 verkaufte Daimler knapp 1,29 Millionen Fahrzeuge der Marken Mercedes, Smart und Maybach. Im vergangenen August meldete der Konzern bei Mercedes einen Absatzrückgang um 16 Prozent. Seit Januar liegen alle Baureihen außer der C-Klasse im Minus. Vorstandschef Zetsche ist dennoch zuversichtlich, was den geplanten Absatz von mehr als 1,3 Millionen Fahrzeugen 2008 angeht. „Ich gehe weiterhin davon aus, dass wir 2008 den Absatz steigern“, sagte er in Paris. Im Laufe der Woche will Daimler Absatzzahlen vorlegen, die auf den Verlauf des dritten Quartals schließen lassen. Die Quartalsbilanz soll am 23. Oktober vorliegen. Die Prognose für das Gesamtjahr hatte der Konzern mit Blick auf die schwache Konjunktur und die hohen Rohstoffpreise schon im Juli gesenkt. Demnach rechnet das Unternehmen nur noch mit einem operativen Gewinn von 7 Milliarden Euro statt der ursprünglich geplanten 7,7 Milliarden Euro.
In Sindelfingen produzieren 20.000 Daimler-Mitarbeiter unter anderem die S-, E- und C-Klasse. Für das Stammwerk Untertürkheim, wo 10.000 Menschen in der Produktion arbeiten, hat Daimler in der vergangenen Woche flexible Arbeitszeiten durchgesetzt, um auf Schwankungen der Nachfrage zu reagieren. So sind in Zukunft je Mitarbeiter bis zu drei und im Jahr bis zu neun Zusatz- und Absageschichten möglich. Im Gegenzug wird das neue Doppelkupplungsgetriebe in Untertürkheim produziert, für dessen Produktion 4000 Mitarbeiter auf die Straße gegangen waren.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.374,63 | −1,40% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2428 | −0,48% |
| Rohöl Brent Crude | 104,33 $ | −2,36% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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