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Daimler-Chrysler Chaos und Gerüchte in Stuttgart

29.07.2005 ·  Warum tritt Jürgen Schrempp wirklich zurück? Darüber gibt es zahlreiche Spekulationen. Es mehren sich Stimmen, daß der Daimler-Boß zu einer vorzeitigen Beendigung seines Vertrags gezwungen wurde.

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Der Führungswechsel bei Daimler-Chrysler hat den Automobilkonzern in ein Führungschaos gestürzt. Am Tag nach der überraschenden Ankündigung des Wechsels an der Spitze von Jürgen Schrempp zu Dieter Zetsche am Jahresende sorgt die Rücktrittserklärung von Mercedes-Chef Eckhard Cordes für Unruhe. Aufsichtsratsvorsitzender Hilmar Kopper war auf diesen Schritt offenbar in keiner Weise vorbereitet.

Cordes hat, wie berichtet, um die vorzeitige Auflösung seines Vertrags zum Jahreswechsel gebeten. Er habe erst in der Nacht vor der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag davon erfahren, daß Schrempp seinen Rücktritt ankündigen und Zetsche als Nachfolger präsentieren würde, heißt es in Unternehmenskreisen. Cordes, der sich selbst Hoffnungen gemacht hatte, Schrempp beerben zu können, fühle sich durch dieses Vorgehen zutiefst gekränkt und habe damit seine Autorität untergraben gesehen, was die notwendige tiefgreifende Sanierung von Mercedes erschwert hätte.

Walker, Weber, Maier

Über einen möglichen Nachfolger von Cordes gab es noch keine Informationen. Spekulativ genannt wurden Ulrich Walker, der als Smart-Sanierer angetreten ist und zuvor bei Mitsubishi war, sowie Forschungsvorstand Thomas Weber. Die beiden Namen kursierten freilich auch schon, als vor zwei Jahren noch über die Nachfolge des mittlerweile pensionierten Mercedes-Vorstandes Jürgen Hubbert spekuliert wurde. Nach Informationen der Zeitung Rheinpfalz hat auch Klaus Maier gute Chancen, der früher die Mercedes-Lastwagen-Sparte leitete und im Frühjahr von Cordes als Vertriebschef für die Marken Mercedes-Benz, Maybach und Smart installiert wurde.

Die überraschende Ankündigung über den Abgang von Schrempp gerade zum Jahresende hat unterdessen zu zahlreichen Spekulationen über dessen wahre Motive geführt. Der bald 61 Jahre Manager hatte zwar von neuen interessanten Aufgaben gesprochen und davon, daß für Daimler-Chrysler der Zeitpunkt für einen Führungswechsel optimal sei. Allerdings mehrten sich Stimmen, daß Schrempp zu einer vorzeitigen Beendigung seines Vertrags gezwungen wurde.

Nach dem Muster der Deutschen Börse

Vor allem der Druck institutioneller Investoren wird als Erklärung für Schrempps Abgang herangezogen. Seit der Hauptversammlung im April hatten verstärkt Hedgefonds Daimler-Aktien gekauft, um Druck auszuüben. Anschauungsunterricht für ihr Vorgehen ist der Fall Deutsche Börse, wo der Hedgefonds TCI für die Ablösung von Vorständen und Aufsichtsräten gesorgt hat. Da es ohnehin erklärtes Ziel der Deutschen Bank war, ihren Anteil an Daimler-Chrysler von zuletzt 10,4 Prozent zu verkaufen, sobald der Kurs ausreichend hoch wäre, kam auch aus der Bank Druck: Daimler-Chrysler-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper soll von dem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann entsprechend beeinflußt worden sein. Dieser, wird kolportiert, habe die Flucht nach vorne angetreten und könne nun selbst als Problemlöser dastehen.

Dunkle Machenschaften im Konzern?

Unterdessen gibt es auch Gerüchte, wonach Schrempp von möglicherweise dunklen Machenschaften im Konzern gewußt haben könnte. Nach dem gleichen Muster wie bei Volkswagen habe es auch bei Daimler-Chrysler Tarnfirmen gegeben, über die unsaubere Geschäfte abgewickelt worden sein sollen, und zwar in Südafrika und Nigeria, lauten die Gerüchte. Dafür späche, daß ein hochrangiger Daimler-Manager, der mit Aufgaben in Afrika betraut war, sich am vergangenen Wochenende erschossen haben soll. In einem Abschiedsbrief soll er, ist in Justizkreisen zu hören, von Verwicklungen in Korruptionsfälle geschrieben haben. Bei Daimler-Chrysler wurden diese Gerüchte ausdrücklich dementiert. Sie knüpfen wohl nicht zuletzt an die Tatsache, daß Südafrika, wo Mercedes in East London ein großes Montagewerk hat, für Schrempp eine zweite Heimat ist. Ebenso wie er haben zahlreiche andere hochrangige Mitarbeiter des Konzerns einige Jahre in Südafrika verbracht.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft erklärte auf Anfrage, gegen Schrempp selbst gebe es keine Ermittlungen. Seit längerem wird dort aber ein Korruptionsverdacht gegen 17 Mitarbeiter des Unternehmens untersucht. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) erklärte, der seit Wochen angestiegene Kursverlauf der Aktie werde "routinemäßig" auf etwaige Insiderverstöße hin analysiert. Auch prüfe die Behörde, ob die Pflichtmitteilung über Schrempps Rücktritt rechtzeitig erfolgt sei.

Quelle: sup./jja., F.A.Z., 30. Juli 2005
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