10.02.2005 · Chrysler-Boß Zetsche trat in Stuttgart mit strahlender Miene auf. Auch Mercedes-Chef Cordes hätte ein besseres Ergebnis vorlegen können. Doch er zielt schon auf 2007 - wenn der Schrempp-Nachfolger benannt wird.
Das Rennen um die Nachfolge von Jürgen Schrempp als Daimler-Chrysler-Chef ist eröffnet. Die Jahrespressekonferenz des deutsch-amerikanischen Konzerns in Sindelfingen war bereits ein erstes Schaulaufen für den 2008 geplanten Wechsel. Darin waren sich Beobachter einig.
Die beiden Aspiranten konnten sich kaum unterschiedlicher präsentieren: Während Chrysler-Boß Dieter Zetsche mit strahlender Miene auftrat, mußte der neue Mercedes-Chef Eckhard Cordes einen dramatischen Gewinneinbruch bei der Kernmarke Mercedes-Benz eingestehen. Über die Chancen der beiden sagt das aber noch nichts aus.
Ein Gewinnrückgang von 47 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro sollte Cordes Chancen auf den Chefsessel beim Stuttgarter Autokonzern eigentlich schmälern, zumal Zetsche zugleich aus einem Verlust einen kräftigen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro gezaubert hatte. Doch der Blick auf letzte Quartals-Ergebnis von Mercedes zeigt, was Konzernkenner am Donnerstag als „alte Schrempp-Schule“ bezeichneten.
Alter Stern im neuen Glanz?
Offenbar hat Cordes alle „Grausamkeiten“ und Verluste ins vierte Quartal gepackt - so wie es Schrempp vor zehn Jahren gemacht hatte, als er zum Amtsantritt als Daimler-Benz-Chef einen Verlust von fünf Milliarden DM (2,55 Milliarden Euro) ausweisen ließ. So dürfte zu erklären sein, warum der operative Gewinn der Mercedes Car Group in den letzten drei Monaten 2004 um satte 97 Prozent auf magere 20 Millionen Euro schrumpfte.
Auch Cordes hätte - wie aus Konzernkreisen verlautete - durchaus ein besseres Mercedes-Ergebnis vorlegen können - und damit auch seinen Vorgänger Jürgen Hubbert etwas schonen können. Doch Cordes zielt mit seinem am Donnerstag verkündeten Effizienz-Programm CORE (Cost Down, Revenue up, Execution) schon auf das Jahr 2007 - und da dürfte der Schrempp-Nachfolger benannt werden. „Dann soll die Marke mit dem Stern wieder in altem Glanz und sogar noch ein bißchen besser strahlen“, meinte ein Konzernkenner.
Angesichts der zahlreichen neuen Modelle und der bereits mit den Tarifpartnern vereinbarten Kostensenkung von jährlich 500 Millionen Euro sei dies durchaus zu schaffen, erklärten Beobachter.
Noch ein Favorit
Chrysler-Chef Zetsche gilt wie Cordes als Favorit auf den Chefsessel bei der Daimler-Chrysler AG. Wie er ohne große Verwerfungen fast 30.000 Arbeitsplätze abgebaut, die Qualität verbessert und trotz der Riesenrabatte in den Vereinigten Staaten wieder einen guten Gewinn eingefahren hat, verschaffte ihm nicht nur in Detroit Respekt. Aber Chrysler ist auch ein Unternehmen, in dem Achterbahnfahrten fast zur Geschichte gehören. Zetsche wird ebenfalls alles versuchen, 2007 weiter gute Resultate vorzuweisen.
Der Gewinneinbruch bei Mercedes sei auch als gewollter Schock für die eigene Organisation zu verstehen, hieß es aus Konzernkreisen. Damit wolle Cordes die Notwendigkeit seines Effizienzprogramms unterstreichen. Da werden die rund 160 000 Beschäftigten in den deutschen Autowerken dem ehemaligen „Mr. Mercedes“ Jürgen Hubbert und ihrem Betriebsratschef Erich Klemm im Nachhinein erst Recht dankbar sein, daß diese im vergangenen Sommer eine Beschäftigungsgarantie bis Anfang 2012 vereinbart hatten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.374,63 | −1,40% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2428 | −0,48% |
| Rohöl Brent Crude | 104,33 $ | −2,36% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
Anonym bewerben? Ist das gut?