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Risikoabsicherung

Cyrus P. Mistry Indiens wichtigster Industrieller

Verschwiegen, erfolgreich, verwandt: Cyrus P. Mistry erscheint als ideale Wahl, dem übermächtigen Ratan N. Tata zu folgen.

© AFP Vergrößern Er hat das Image eines Familienvaters: Cyrus P. Mistry

Sein Vorgänger, die indische Manager-Ikone Ratan N. Tata, hatte einst Architektur in Amerika studiert. Cyrus P. Mistry studierte Bauingenieurwesen in London und führt den mit 147 Jahren ältesten Baukonzern Indiens. Doch auch von dieser Parallele abgesehen erscheint der 43 Jahre alte Mistry als eine passende Wahl, um Ende kommenden Jahres das Ruder auf der Kommandobrücke von Indiens wichtigstem Industrieunternehmen zu übernehmen.

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Sicher, er ist noch jünger, als es Tata bei seiner Ernennung 1991 war. Dafür aber verkörpert Mistry Kontinuität im mächtigen Geschäftsblock in der Homi Modi Straße in Indiens Wirtschaftskapitale Bombay (Mumbai), aus dem heraus das riesige Konglomerat gesteuert wird. Mistry hat vielfache Berührungen zum Tata-Clan und dessen ganz spezieller Philosophie. Auch er stammt aus einer Familie der Parsen, der Anhänger der Religion des Propheten Zarathustra, deren Vorfahren einst aus Persien an Indiens Westküste flohen. „Humata, Hukhta, Huvarashta“ - „Gute Gedanken, gute Worte, gute Taten“, lautet einer ihrer Leitsätze. Viele von ihnen - Tata eingeschlossen - versuchen sie zu leben. Von ihm ist der Satz überliefert, er wolle „jeden Abend zu Bett gehen, ohne jemand den Tag über verletzt zu haben“.

Die stärkste Verbindung schafft das Kapital

Die Verbindungen der beiden reichen weit in das persönliche Netzwerk der Parsen - die in der Regel nur untereinander heiraten - hinein: Mistrys Schwester Aloo ist mit Ratan Tatas Halbbruder Noel Tata verheiratet. Der war immer wieder als Nachfolger des kinderlosen Ratan Tata gehandelt worden, führt er doch die Immobiliensparte des Konzerns. Künftig können die Schwager beim Abendessen über die Geschicke des Konglomerates mit einem Börsenwert von gut 77 Milliarden Dollar parlieren.

Die stärkste Verbindung ins Haus Tata aber schafft abermals das Kapital. Denn Cyrus’ Vater Pallonji Shapoorji Mistry hält dank eines Engagements seines Vaters in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit 18 Prozent den größten Anteil an Tata Sons, der Holding, unter deren Dach die Tata-Gruppe firmiert. Schon er ist ein Beispiel der Zurückhaltung, empfängt keine Journalisten, gilt selbst im Tata-Firmensitz Bombay House als Phantom. Er führt Indiens ältesten Baukonzern Shapoorji Pallonji Group. Der ist auf dem Subkontinent jedem Kind ein Begriff, so wie der sagenhafte Reichtum von Pallonji Shapoorji, der auf knapp 9 Milliarden Dollar taxiert wird. Seit seiner Hochzeit mit einer Irin hält die Familie irische Pässe - so wird auch der Tata-Konzern von Ende kommenden Jahres an von einem Iren aus Bombay geführt.

Image eines Familienvaters

Das passt, denn unter Ratan Tata hat das Unternehmen eine beispiellose Globalisierungswelle gestartet. Die Übernahmen von Tetley Tea (2000), dem Stahlproduzenten Corus Group (2007), vor allem aber der Luxusmarken Jaguar und Land-Rover der ehemaligen britischen Kolonialherren (2008) haben Industriegeschichte geschrieben und den Auslandsumsatz der Tata-Gruppe auf 58 Prozent hochgetrieben. Mistry hat diese Übernahmen schon aus dem Hintergrund begleitet: Denn seit 2006 sitzt er im Verwaltungsrat der zurückhaltenden, aber allmächtigen Holding Tata-Sons, als Nachfolger seines Vaters. Als ein fünfköpfiges Gremium des Rates einen Nachfolger zu suchen begann, zog sich Mistry zurück, nachdem sein Name ins Spiel gekommen war.

Der künftig wichtigste Industrielle Indiens gilt als verschwiegen und umgänglich. Der Vater der beiden Söhne Firoz und Zahaan, verheiratet mit der Tochter von Iqbal Chaglas, dem führenden Anwalt in Asiens drittgrößter Volkswirtschaft, trägt das Image eines Familienvaters vor sich her. Mit seinem hochgeachteten Schwiegervater spielte Mistry Golf. Die Familie hat Häuser in London und Pune, dem früheren Luftkurort vor den Toren Bombays, in dem heute die Automobilindustrie angesiedelt ist. Auch Tata Motors hat hier ein riesiges Werk. Die Mistrys aber betreiben in Pune eine luxuriöse Pferdefarm, in der die Tiere nur gefiltertes Wasser zu trinken bekommen.

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Mistry dürfte in seine Aufgabe hineinwachsen, denn ein Jahr bleibt ihm als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, dem übernatürlich großen Ratan Tata über die Schulter zu blicken. Ab da muss er vor allem entscheiden, wie dezentral das Riesenreich künftig gesteuert werden soll. Es umfasst mehr als 100 Firmen in sieben Industriesparten, von Tee bis zu Hotels, von Stahl bis zu Lebensmitteln, von Chemie über Automobile bis zur Informationstechnologie. Tata operiert mit gut 425000 Mitarbeitern in 80 Ländern und kommt auf gut 83 Milliarden Umsatz. Unter Mistrys Führung legte Shapoorij Pallonji von 20 Millionen Umsatz 1994 auf heute 1,5 Milliarden Dollar Umsatz zu.

Das Rüstzeug für seine neue Aufgabe bringt der künftige Tata-Chef mit. Mistry ist in London zum Bauingenieur ausgebildet worden, studierte später noch an der London Business School. Schon längst sitzt Mistry in mehreren Aufsichtsräten. Diese Ämter, so sagte er direkt nach seiner Berufung, werde er nun aufgeben. Er wird seine ganze Kraft brauchen, um als sechster Chef seit Gründung die Tata-Gruppe zu führen. Gerade weil er erst der zweite ist, der nicht den berühmten Namen des Gründers Jamsetji Nusserwanji Tata trägt.

Quelle: F.A.Z.

 
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