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Veröffentlicht: 07.06.2017, 17:59 Uhr

F.A.Z. exklusiv Cyber-Spione nehmen deutsche Mittelständler ins Visier

Sicherheitsbehörden warnen: Viele Hidden Champions unterschätzen Hackerangriffe. Sie vergessen, dass nicht nur Kriminelle ihre Systeme angreifen.

von und
© Matthias Lüdecke Warner: Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen

Sicherheitsbehörden in Deutschland sehen mittelständische Unternehmen schlecht geschützt gegen Hackerangriffe und warnen vor Wirtschaftsspionage von Geheimdiensten aus dem Ausland. „Kleine und mittelständische Unternehmen sind sich nicht immer hinreichend bewusst, dass an ihren Geschäftsideen nicht nur Konkurrenten interessiert sind, sondern auch ausländische Nachrichtendienste“, sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. So stellten nachrichtendienstliche Angriffe eine nicht unerhebliche Gefahr für den Erfolg deutscher Unternehmen dar. „Sorge bereiten immer mehr großangelegte Cyberangriffe. Auf diesem Wege können Informationen in bisher ungeahntem Ausmaß und von unschätzbarem Wert für das Unternehmen ungewollt abfließen“, sagte Maaßen. Es geht um Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe.

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Ebenso kritisch schätzt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Lage für kleinere Unternehmen ein, die bisher viel zu wenig in die Absicherung ihrer IT-Systeme investierten. „Da sitzt dann ein Unternehmer im höheren Alter, der meint: ,Um IT-Sicherheit kümmert sich bei uns die Firma Elektro-Erich.’ Damit kommen wir jetzt nicht mehr weiter“, sagte BSI-Präsident Arne Schönbohm gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Bisher handele es sich aus Sicht vieler Unternehmen noch um ein Tabuthema. „Wir brauchen aber einen offeneren Umgang mit den Gefahren und Fakten.“

„Rasant ansteigende Fälle“ der Konkurrenz- und Industriespionage

So versuchen zuständige Behörden und Wirtschaftsverbände derzeit, die Sensibilität für das brisante Thema in den Unternehmen zu schärfen und unter dem Druck ständiger Cyberattacken gemeinsame Strategien zu entwerfen. Der Verfassungsschutz hat zusammen mit BSI, Bundeskriminalamt und Bundesnachrichtendienst sowie einigen Wirtschaftsverbänden die „Initiative Wirtschaftsschutz“ gegründet. Auf einer Internetseite werden Unternehmen Ratschläge gegeben, wie sie sich vor Angriffen schützen und an wen sie sich im Notfall wenden können. In einem passwortgeschützten Bereich erhalten Nutzer auch aktuelle Lageinformationen.

Spezialisierte Sicherheitsberatungen, die der Industrie und Unternehmen ihre Dienstleistungen anbieten, sehen jedoch noch Nachholbedarf. „Die Initiative ist ein positiver Ansatz, jedoch müssten die Behörden kommunikativ noch wesentlich aktiver auf die Wirtschaft zugehen“, sagt Michael Blaumoser, Geschäftsführer von Sius Consulting in Berlin.

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Sein Unternehmen bietet Sicherheitsberatungen und Krisen- sowie Notfallmanagement. Blaumoser sieht nicht nur ein Risiko einer Zunahme staatlich gelenkter Wirtschaftsspionage, sondern auch „rasant ansteigende Fälle“ der Konkurrenz- und Industriespionage. „Viele Geschädigte zeigen die Spionageangriffe wegen der Gefahr eines Imageschadens nicht an oder sind sich gar nicht bewusst, dass sie Opfer eines Angriffs geworden sind.“

Fast ein Drittel der mittelständischen Betriebe betroffen

Einer Meldepflicht von Cyberangriffen, wie es sie etwa für Unternehmen der kritischen Infrastruktur (Energieanbieter, Krankenhäuser) gibt, steht die Industrie häufig noch skeptisch gegenüber. „Wir haben ein Schadenpotential von 50 Milliarden Euro im Jahr, in der Kriminalstatistik tauchen aber vielleicht 100 Millionen auf. Da ist der Schaden durch Fahrraddiebstähle höher. Sie können mit Unternehmern sprechen, viele haben das bereits erlebt, angezeigt wird das noch viel zu wenig“, sagt Schönbohm. Fachleute gehen davon aus, dass zwei Drittel der „Hidden Champions“ unter den Mittelständlern schon mal gehackt wurden. Zusammenarbeit könnte es den Angreifern erschweren. Wenn Unternehmer ihr Wissen nicht teilen, können die gleichen Angriffe verschiedenen Unternehmen schaden – und damit der deutschen Wirtschaft.

Genannt werden bei den Geheimdienstaktivitäten über das Netz gegen deutsche Unternehmen immer wieder China, Russland oder Iran. Aber auch Dienste aus den Vereinigten Staaten, Frankreich, Großbritannien oder Israel sollen spähen. „Viele Unternehmen investieren viel Geld in die Entwicklung neuer Produkte und Qualifizierung ihrer Mitarbeiter. Häufig auf der Strecke bleibt jedoch der Schutz vom Know-how, das sich jedes Unternehmen erarbeitet hat“, sagt Maaßen.

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Die Sicherheitsberatung Corporate Trust aus München hat 2014 eine Studie zur Industriespionage erstellt. Fast ein Drittel der mittelständischen Betriebe, die sich an der Umfrage beteiligt hätten, sei durch Cyberangriffe schon konkret materiell geschädigt worden. Der Automobil-, Luftfahrzeug-, Schiffs- und Maschinenbau sei die am stärksten betroffene Gruppe. „Die meisten kleineren und mittleren Unternehmen sind sich noch nicht bewusst, dass es neben der Cyberkriminalität, bei der es um Erpressung und Geldverdienen geht, eine zweite Gruppe gefährlicher Akteure gibt, die nicht entdeckt werden wollen. Um die Spione im Netz zu finden, braucht es die Experten im Unternehmen, die ständig aktiv suchen“, sagt Friedrich Wimmer, Leiter der Cyber-Sicherheitsforschung von Corporate Trust.

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